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Kindesmissbrauch Schwerin : „Power for Kids“ hat geschlossen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vereinsvorsitzende erklärt Rücktritt / Freie Träger in der Nachbarschaft unterbreiten Angebote für Kinder und Jugendliche

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2016 | 15:00 Uhr

Der Verein „Power for Kids“ hat vorerst geschlossen. Zudem erklärte die Vereinsvorsitzende ihren Rücktritt. Damit zieht der Verein Konsequenzen aus dem Kindesmissbrauch, den der Vereinsgründer und ehemalige Leiter Peter B. vor Gericht zugegeben hat.

Zur Erinnerung: Seit 2007 soll sich Peter B. an mindestens 15 Jungen im Alter zwischen 7 und 13 Jahren vergangen haben. Darunter ist ein Siebenjähriger, den er mehrfach vergewaltigt haben soll. Tatorte waren auch Vereinsräume. Weitere Missbrauchsfälle werden nicht ausgeschlossen.

Der Verein, den auch nach der Verhaftung von Peter B. täglich zwischen 10 und 20 Kinder besuchten, ist mit der Schließung auch einer Forderung der Politik nachgekommen – und hat gleichzeitig einen politischen Eklat verhindert. Denn der Jugendhilfeausschuss, der am Freitagabend in einer Sondersitzung eine Zielvereinbarung zwischen „Power for Kids“ und der Stadt beraten sollte, hat sich geweigert: So lange der Verein noch geöffnet habe, werde man nicht über Hilfen für den Verein reden, hieß es aus dem Ausschuss.

Dabei enthielt die Zielvereinbarung die Reihe von Punkten, die gerade der Jugendhilfeausschuss gefordert hatte: die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle durch die Vereinsmitglieder, die vorübergehende Schließung der Vereinsräume in der Hegelstraße 16, Alternativangebote für die Kinder und Jugendlichen, die den Verein bisher nutzen, Schulungen der Mitarbeiter, Gründung eines Begleitbeirates sowie die Erarbeitung eines pädagogischen Konzeptes. Auf der Tagesordnung der regulären Beratung des Jugendhilfeausschusses am Mittwoch steht die Zielvereinbarung nicht mehr…

Hinter den Kulissen wird allerdings eifrig gearbeitet. Kinderschutzbund, Internationaler Bund und Bauspielplatz wollen mit ihren Angeboten die Kinder aus „Power for Kids“ mit offenen Armen empfangen. Letzterer plant zudem seine Angebote an Sonnabenden auszudehnen. Hintergrund: „Power for Kids“ hatte im Gegensatz zu allen anderen freien Träger sieben Tage die Woche geöffnet. Um der Tanzgruppe weiterhin Trainingsmöglichkeiten zu geben, laufen derzeit gerade Gespräche mit der katholischen Kirche St. Andreas und dem Freizeittreff Deja vu. Den jungen Tänzern fehlt ein Probenraum.

Sozialdezernent Andreas Ruhl, der in den vergangenen Tagen nahezu täglich mit Mitgliedern von „Power for Kids“ in Kontakt stand, sagte auf SVZ-Anfrage, dass er auch weiterhin mit dem Verein im Gespräch bleiben werde. Über Caritas-Chef Rudolf Hubert sei zudem ein so genannter Supervisor gefunden worden, der die interne Aufarbeitung anschieben und begleiten soll. Die Entscheidung des Jugendhilfeausschusses vom Freitag wollte Ruhl indes nicht kommentieren.

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