Schwerin : Porzellan für die Prinzessin

Als Andenken an die Führung im Schlossmuseum bemalen Ida und Paul mit ihrer Mutter Sarah Vogt (l.) und Großmutter Agnes Plum  Porzellanteller.
Als Andenken an die Führung im Schlossmuseum bemalen Ida und Paul mit ihrer Mutter Sarah Vogt (l.) und Großmutter Agnes Plum Porzellanteller.

Beim Ferienspaß im Schlossmuseum lernen Kinder alles über Tischmanieren und Speisen am fürstlichen Hofe

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19. Juli 2019, 12:00 Uhr

Staunend steht Paul im Rittersaal im Schloss. Der Zwölfjährige ist begeistert von all den alten Schwertern und Degen, die dort hängen. Schwer vorstellbar, dass in dieser Halle vor langer Zeit gespeist wurde. „Das Geschirr war aus Ton und Holz, daneben lagen Löffel und Messer“, erzählt Museumsführerin Gerda Liberka. „Es wurde mit den Händen gegessen und das Messer in den Mund genommen, denn eine Gabel gab es nicht. Sie galt als Werkzeug des Teufels.“ Aufmerksam hört Paul zu, lernt, dass es die Ritter nicht so mit der Hygiene hatten und ihre fettigen Hände gerne an der Kleidung abwischten. Gemeinsam mit seiner Schwester, Mutter und Großmutter nimmt der Schüler aus Koblenz an der Führung „Von fürstlichen Tafeln und Tischmanieren“ teil, die im Rahmen des Ferienspaßes im Schlossmuseum angeboten wird.

Vom Rittersaal, der eigentlich Hof Dornitz heißt, geht es weiter in die Silberkammer, wo Saucieren und Terrinen bestaunt werden. Pauls Schwester Ida gefällt es besonders gut in der Porzellansammlung. „Die Tassen und Teller sind sehr hübsch“, sagt die Siebenjährige. Vier Wochen machen die Geschwister Urlaub bei der Oma in Schwerin. „So eine besondere Schlossführung haben wir noch nie gemacht, es gefällt uns sehr gut“, sagt Agnes Plum, die mit ihren Enkelkindern schon im Rostocker Zoo und am Schweriner See war. „Von diesem Angebot habe ich in der Zeitung gelesen und uns gleich angemeldet.“

Mit elf Kindern ist die Führung ausgebucht, Eltern und Großeltern begleiten ihren Nachwuchs auf dem Weg durchs Schloss. Im Speisezimmer erzählt Gerda Liberka von den Tischsitten am Hofe zu Zeiten der Herzöge. „Damals wurde zweieinhalb Stunden gegessen, die Teller mussten leer sein und niemand durfte einfach aufstehen, bevor der Großherzog fertig war“, sagt die Schlossführerin. Und was wurde gespeist? Auch das weiß sie. „Die Speisekarten waren auf Französisch, der Sprache am Hof. Es gab Schildkrötensuppe, gekochte Eier mit Kaviar, Nudeln mit Austern, Trüffelrouladen, Fisch, Rinderfilet, Spargel, Entenbrust und eine Art Götterspeise mit Ananas.“

So lecker das auch klingt: Die Mahlzeiten waren nicht leicht zu überstehen, es galten strenge Tischsitten. „Was meint ihr denn, welche Regeln eingehalten werden mussten?“, fragt Gerda Liberka. „Nicht rülpsen und schmatzen“, „leise sein und ordentlich essen“, „gerade sitzen“, „warten, bis alle aufgegessen haben“, rufen die Kinder durch den Speisesaal. Für die Tischsitten gab es extra Benimmbücher.

Ein solches nehmen die Kinder zwar nicht mit nach Hause, dafür aber einen selbstbemalten Teller aus Porzellan. „Ich verziere meinen mit Blumen – ganz so wie ich es in der Porzellanausstelung gesehen habe“, sagt Ida.

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