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Polizeieinsatz in Retgendorf : Porno-Material beschlagnahmt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Polizei braucht mehrere Wochen, um die in Retgendorf gesicherten Daten auszuwerten und zu sichten – Gerüchteküche im Ort brodelt

von
erstellt am 03.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Langsam sickert er auch im Ort durch, der Polizeieinsatz im beschaulichen Retgendorf. Offizielle Statements sind rares Gut, Fragen der Einwohner gibt es jedoch viele. „Nachbarn haben mich aus Spanien aus ihrem Urlaubsort angerufen und wollten wissen, was hier los ist“, sagt ein Retgendorfer. Was genau passiert ist, weiß er auch nicht. Den Polizeieinsatz am Dienstagmorgen hat er aber schon wahrgenommen.

Zunächst waren zwei Polizisten im Wohngebiet angerückt. Denn aufgrund mehrerer Zeugenhinweise, dass ein Berufsschüler aus Retgendorf seinen Mitschülern wiederholt Fotos mit kinderpornografischem Inhalt gezeigt hatte, ermittelt die Kriminalpolizei und kam nun mit einem Durchsuchungsbeschluss zum mutmaßlichen Täter. Die Beamten trafen den Beschuldigten und auch die Eltern an. Nach Polizeiangaben verweigerte die Mutter den Polizisten zunächst vehement den Zugang zum Haus. Alle Versuche, deeskalierend das Problem zu lösen, scheiterten, denn auch der Vater habe Widerstand geleistet. Laut der Polizisten vor Ort blieb es nicht bei Beleidigungen und Beschimpfungen. Es wurde zudem geschubst und weitere Gewalt angedroht. Die Beamten zogen sich zurück und forderten Verstärkung an – Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei kamen dazu.

Dass die Polizei zunächst nur mit zwei Beamten vor Ort war, um den Fall zu klären, sei gängige Praxis, erklärte Polizeihauptkommissarin Isabel Wenzel vom Polizeipräsidium Rostock. Es sei im Vorfeld nicht zu erwarten gewesen, dass die Eltern so ein erhebliches Gewaltpotenzial an Tag legen würden. Als die Verstärkung kam, konnte das Zimmer des 18-Jährigen durchsucht und zahlreiche Datenträger gesichert werden.

Auf die Frage, ob die Eltern dann ein Einsehen hatten, sagte Wenzel lediglich: „Die renitenten Eltern des mutmaßlichen Täters und der 18-Jährige selbst mussten die polizeilichen Maßnahmen hinnehmen.“ Zu dem Umfang der gesicherten Daten wollte die Polizeisprecherin gestern keine Angaben machen. Nur so viel: „Es wird mehrere Wochen dauern, bis die Kollegen das Material gesichtet und ausgewertet haben.“ Aussagen, dass es sich bei dem Material lediglich um das Foto einer 14-jährigen Freundin des Retgendorfers gehandelt habe, dementierte die Polizei. Die Hinweise auf kinderpornografisches Material seien eindeutig. Deshalb ermittelt nun auch die Kriminalpolizeiinspektion Schwerin sowie die Staatsanwaltschaft. Von der dortigen Pressestelle gab es gestern keine Informationen zum Fall.

Der Informationsaustausch unter den Retgendorfern läuft umso zügiger. Schnell wurden Andeutungen laut, dass der Vater Verbindung zum Rockermilieu hat. Der 18-Jährige selbst sei als zurückhaltender und freundlicher Junge im Ort bekannt. „Man kann nichts schlechtes über ihn sagen, und dass die Eltern nun ein bisschen anders sind, das ist ja nicht verwerflich“, erklärt ein Anwohner. Bis erste Ermittlungsergebnisse vorliegen, werde es laut Aussagen des Polizeipräsidiums noch einige Wochen dauern. Die Eltern müssen nun mit einer Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte rechnen. Diese sei schon „geschrieben“ und habe möglicherweise eine Bewährungsstrafe zur Folge.

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