Polizei sucht Freund und Helfer

Flüchtlingskrise und Demos: Zu wenig Beamte für immer mehr Aufgaben

svz.de von
28. November 2015, 00:32 Uhr

Die Personalsituation in der Landespolizei spitzt sich zu. Am Dienstag musste die Polizei aus dem benachbarten Schleswig-Holstein in Herrnburg (Landkreis Nordwestmecklenburg) einen Einsatz gegen jugendliche Autoschieber übernehmen. Polizisten aus Mecklenburg-Vorpommern standen zeitweise nicht zur Verfügung. „Die eigentlich zuständige Polizei dort war in einem anderen Einsatz eingebunden“, sagte der Lübecker Polizeisprecher Dierk Dürbrook gestern auf Nachfrage. Reserven gab es auf der mecklenburgischen Seite offensichtlich nicht. Bei Flucht und Festnahme der Autoschieber wurden zwei Beamte aus Lübeck verletzt.

Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die Landespolizei den wachsenden Aufgaben personell kaum noch gewachsen. „Wir haben Reviere, da ist zeitweise nur noch ein einziger Streifenwagen unterwegs“, sagte GdP-Landesvorsitzender Christian Schumacher. Durch die Flüchtlingskrise und die fast täglichen Demonstrationen würden sich bei den Beamten Einsatzstunden anhäufen. Das Abbummeln gehe zu Lasten der täglichen Personalstärke. Hinzu kommt der hohe Krankenstand. Waren es 2011 noch 27,6 Krankheitstage pro Polizeibeamten, erhöhten sich die Krankmeldungen 2012 auf 31,2 Kalendertage und im Jahr 2013 auf 36,7 Tage. Grund ist laut Innenministerium das hohe Durchschnittsalter, das knapp unter 50 Jahren liegt.

Auch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sagte gestern gegenüber unserer Redaktion, die Aufgabenlast der Polizei sei hart an der Grenze. „Unter die bestehenden 5800 Stellen in der Landespolizei können wir nicht gehen“, so der Minister. Seit dem Jahr 2000 wurden mehr als 1000 Stellen gestrichen.

Ein Treffen zwischen Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und GdP-Chef Schumacher zur Personalsituation der Polizei blieb Anfang des Monats in Schwerin aus Sicht der Gewerkschaft ohne ein zählbares Ergebnis.

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