Um keine Ausrede verlegen : Polizei stoppt Raser nur mit Laser

Sorgen mit ihrem Laser-Gerät für Sicherheit auf der Umgehungsstraße: Frank (l.) und Udo Erdmann.
Sorgen mit ihrem Laser-Gerät für Sicherheit auf der Umgehungsstraße: Frank (l.) und Udo Erdmann.

Bei Anhaltekontrollen überprüfen die Beamten auch die Fahrtüchtigkeit der Fahrer und erleben dabei so manche Überraschung

von
30. Juli 2015, 16:00 Uhr

Während das Ordnungsamt anonym blitzt und erst bei der Auswertung der Bilder erfährt, wer denn da zu schnell war, ist die Polizei in direktem Kontakt mit den Rasern. „Wir machen nur Anhaltekontrollen“, sagt Polizeisprecher Steffen Salow. Dafür haben die Schweriner Beamten ein Laser-Patrol-Gerät im Einsatz. Dass die Raser gestoppt werden, hat noch einen wesentlichen Nebeneffekt, so Salow. „Wir können dann auch gleich die Fahrtüchtigkeit des Fahrers überprüfen und die Verkehrssicherheit des Autos.“

Gemessen wird durch die Polizei nur an bestimmten Schwerpunktstellen. Die liegen an Ausfallstraßen oder auf der Umgehung und sind meist Unfallschwerpunkte. „Das Messen muss Sinn machen. Man muss sich auf der Umgehungsstraße nur mal die Mittelleitplanke anschauen“, sagt der Polizeisprecher. „An den unterschiedlichen Farben sieht man, wo überall mal jemand reingefahren ist.“

Doch die Polizei kann ihren Laser nicht überall aufstellen. „Wir brauchen geeignete Orte für das Laser-Gerät“, so Salow. „Eine bestimmte Messstrecke muss gegeben sein und wir brauchen die Möglichkeit, den betroffenen Fahrer sicher aus dem Verkehr zu ziehen.“ Und damit die Beamten Rechtssicherheit haben, sind die Messgeräte geeicht und die Messstellen sind von einem unabhängigen Verkehrssachverständigen abgenommen worden. Klagen sind deshalb fast immer erfolglos.

Bei ihren Anhaltekontrollen erleben die Polizisten bei ihrem direkten Kontakt mit den Rasern die unterschiedlichsten Reaktionen. „Die meisten haben Verständnis“, berichtet Steffen Salow. „Eine Minderheit ist mit unseren Kontrollen aber auch gar nicht einverstanden und reagiert extrem. Oder auch skurril. So wurde am Margaretenhof ein Motorradfahrer mit einer Geschwindigkeit von 186 Kilometer pro Stunde gelasert – erlaubt sind hier 70. Seine Reaktion: „Ich war doch erst im dritten Gang.“ Schließlich saß er auf einer japanischen Hyabusa, dem schnellsten Straßenmotorrad der Welt. Die Maschine schafft, elektronisch begrenzt, knapp 300 Kilometer pro Stunde. Wie der Mann bestraft wird, konnte Salow nicht sagen. Denn: Der Bußgeldkatalog sieht die in diesem Fall gemessene Geschwindgkeitsüberschreitung gar nicht mehr vor – er endet bei 70 drüber.

Seltsam auch die Haltung des Fahrers einer PS-starken Limousine. Als die Beamten ihm seine gemessene Geschwindigkeit mitteilten, war er enttäuscht. „Wie, schneller war ich gar nicht?“

Bei einer Kontrolle auf dem Paulsdamm fischten die Beamten eine Finnin mit afghanischen Wurzeln heraus, die völlig verdattert war, dass sie zu schnell war. Ein Pole entschuldigte sich inständig, für sein zu schnelles Fahren und ein Autofahrer zweifelte das Messergebnis an: Er sei Fahrlehrer und fahre daher sowieso nicht zu schnell.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen