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In Schwerins Fussgängerzone : Polizei ermahnt Radfahrer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach zahlreichen Beschwerden von Fußgängern: Beamte kontrollieren Einhaltung des Sommerfahrverbots auf dem Boulevard

von
erstellt am 04.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Ob sie etwas verpasst habe, fragt unsere Leserin Tessa Ernst. Ob das Sommerfahrverbot für Radfahrer in der Fußgängerzone nicht mehr gelten würde. Die Pedalritter rasten nur so durch die City – und die Polizei lasse sie gewähren, schreibt Ernst in einem Leserbrief. Rasende Radler in der Mecklenburgstraße – ein Dauerbrenner auch am Heißen Draht unserer Zeitung.

So viel vorweg: Das sommerliche Verbot gilt auch in diesem Jahr. Heißt: Von Mai bis September dürfen Radfahrer die Mecklenburgstraße zwischen Schlossstraße und Pfaffenteich, die Puschkinstraße zwischen Schlossstraße und Markt, die Helenenstraße und die Schmiedestraße zwischen 10 und 18 Uhr nicht befahren.

Das Problem: Längst nicht alle Radfahrer halten sich an die Regel. Den Vorwurf, die Polizei patrouilliere nicht genug in der Mecklenburgstraße, weist Revierleiter Michael Erhart aber zurück. „Unsere Beamten kontrollieren regelmäßig die Situation.“ Bei ihren Streifengängen hätten die Polizisten stets auch ein Auge auf Radfahrer, die in der Fußgängerzone auf dem Sattel blieben, erklärt Erhart. Allerdings betont er auch: „Die Fußgängerzone ist aus Sicht der Polizei kein Unfallschwerpunkt.“ Die Zahl der geahndeten Fahrrad-Verstöße in der laufenden Saison – überschaubar.

Stichprobe gestern in der Mecklenburgstraße: Polizeihauptmeister Frank Schwabbauer und Polizeiobermeisterin Dörte Wetzel halten Ausschau nach Radfahrern. So mancher Pedalritter springt noch schnell vom Rad, als er die beiden Beamten in Unform sieht. Schwabbauer und Wetzel belehren, fragen nach den Gründen für Fehlverhalten. Das Sommerfahrverbot sei nicht deutlich genug ausgeschildert, lautet die Erklärung, die die Beamten am häufigsten hören.

15 Euro zahlen Radfahrer, wenn sie von der Polizei zur Kasse gebeten werden. Die Polizisten müssten härter durchgreifen, sagt die Schwerinerin Irene Lang, die gestern zu Fuß in der Mecklenburgstraße unterwegs ist. „Ich bin fast schon mal angefahren worden“, beklagt sich Lang.

Die Stadt werde am Sommerfahrverbot in der Fußgängerzone festhalten, sagt Ordnungsdezernent Bernd Nottebaum. Das Verbot zwischen 10 und 18 Uhr sei ein Kompromiss, diene nicht zuletzt auch dem Schutz der vielen Touristen. Kompromissbereit gibt sich Nottebaum bei der Ausschilderung. „Wir werden die Schilder noch einmal überpüfen.“

 

Kommentar "Verständnis auf zwei Rädern" von Christian Koepke

Es könnte so schön sein: Radfahrer, die sich an die Regeln halten und ihre Drahtesel durch die Fußgängerzone schieben, Fußgänger, die nicht nur an sich denken, sondern sich zum Beispiel für eine Fahrradtrasse durch die City stark machen, Polizisten, die regelmäßig nach dem Rechten schauen. Aber es ist jedes Jahr das Gleiche. Kaum gilt das Sommerfahrverbot, da gibt es auch schon die ersten Querelen. Fußgänger beschweren sich über rücksichtslose Radfahrer, Radler lamentieren über  intolerante Fußgänger. Gewiss, die Polizei könnte häufiger kontrollieren. Keine Frage. Aber kann die Staatsmacht das Problem wirklich allein lösen? Letztlich hilft nur gegenseitiges Verständnis. Irgendwann muss der Appell an die Vernunft doch fruchten.

 

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