Power For Kids : Politiker untersuchen Rolle der OB

Das Schweriner Stadthaus: Ein zeitweiliger Ausschuss der Stadtvertretung soll untersuchen, was die Verwaltung über die Missbrauchsfälle beim Verein „Power for Kids“ wusste.
Das Schweriner Stadthaus: Ein zeitweiliger Ausschuss der Stadtvertretung soll untersuchen, was die Verwaltung über die Missbrauchsfälle beim Verein „Power for Kids“ wusste.

Nach den Missbrauchsfällen bei „Power for Kids“: Im Fokus eines Sonderausschusses steht nicht nur das Jugendamt

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14. Januar 2016, 08:00 Uhr

Die Fraktionen in der Stadtvertretung sind sich in der Kritik am Jugendamt wegen dessen Reaktion auf die Missbrauchsfälle im Verein „Power for Kids“ weitgehend einig. Sie fordern Aufklärung und wollen deshalb einen zeitweiligen Ausschuss einsetzen.

„Es muss zügig geklärt werden, ob es im Jugendamt zu Versäumnissen gekommen ist. Hier muss die nötige Transparenz hergestellt werden“, sagte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Sebastian Ehlers.

„Scheinbar haben die Veränderungen im Jugendamt im Nachgang zum tragischen Tod von Lea-Sophie nicht ausgereicht, um den sexuellen Missbrauch im Verein vorzeitig zum Ende zu bringen“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Daniel Meslien. „Derzeit gibt es noch viele Ungereimtheiten und offene Fragen, die lückenlos und von der Verwaltung unabhängig geklärt werden müssen“, ergänzte die jugendpolitische Sprecherin, Edda Rakette.

Für die Bündnisgrünen gibt es mehr Fragen als Antworten. „Nach derzeitigem Kenntnisstand drängt sich der Verdacht auf, dass das Jugendamt nach Erhalt der Information offensichtlich nicht adäquat gehandelt hat“, sagte der jugendpolitische Sprecher der Fraktion, Lothar Gajek. „Es muss zukünftig sichergestellt werden, dass das Jugendamt Hinweisen auf sexuellen Missbrauch und jeglicher Kindeswohlgefährdung nachgeht.“

Die FDP-Stadtvertreterin Cecile Bonnet-Weidhofer begrüßt die Einleitung einer unabhängigen Prüfung. „Die Prüfung darf nicht auf das Jugendamt beschränkt bleiben, sondern muss sich auch auf die Oberbürgermeisterin erstrecken. Hier hat es anscheinend schwerwiegende Versäumnisse gegeben.“

„Da es bereits zu Beginn des Vorjahres erste Hinweise an das Jugendamt gab, der Täter jedoch erst im Sommer 2015 verhaftet wurde, halten wir es für notwendig zu untersuchen, ob ein entschiedeneres Vorgehen des Jugendamtes angezeigt gewesen wäre“, sagte Fraktionschef Henning Foerster von den Linken. „ Die Linksfraktion wird sich an der Aufarbeitung der Vorfälle durch einen zeitweiligen Sonderausschuss beteiligen. Mit dem Blick nach vorn ist die Frage zu beantworten, ob und wie das Zusammenwirken von Jugendamt, Sozialarbeitern und freien Trägern der Jugendhilfe optimiert werden kann.“ Forderungen nach weitergehenden personellen Konsequenzen gehörten ans Ende eines Aufklärungsprozesses. Zudem eigne sich das Thema nicht zur Profilierung in bevorstehenden Wahlkämpfen.

„Wir alle sind fassungslos und wütend über das Versagen der zuständigen Mitarbeiter des Jugendamtes, weil wir dachten, dass nach dem Fall Lea-Sophie die Mechanismen alle so verändert wurden, dass sich solche Fehler nicht wiederholen“, so Silvio Horn, Fraktionschef der Unabhängigen Bürger. Es seien offenbar dieselben Fehler gemacht worden: keine Aktenlage geschaffen, keine Teamberatung durchgeführt, keine Gefährdungsanalyse, kein Nachfassen und schließlich: Akte geschlossen. „Wir stellen uns die Frage, warum die Oberbürgermeisterin und der damals im Amt befindliche Dezernent nicht sofort nach der Verhaftung des Mannes im Sommer 2015 den Prozess der Aufarbeitung der Rolle des Jugendamtes veranlasst haben. Das Krisenmanagement der Verwaltungsspitze muss kritisch hinterfragt werden.“

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