Schwerin : Politiker streiten um Ruine

Gewohnt wird hier schon lange nicht mehr: Die Stadt sieht sich außer Stande, das Gebäude an der Hauptstraße in Groß Medewege zu sanieren und verkauft es nun an einen privaten Investor.
Gewohnt wird hier schon lange nicht mehr: Die Stadt sieht sich außer Stande, das Gebäude an der Hauptstraße in Groß Medewege zu sanieren und verkauft es nun an einen privaten Investor.

Sozialdemokraten wollten Immobile in Medewege nicht verkaufen und preiswerten Wohnraum anbieten. Der Stadt fehlt für die Sanierung das Geld.

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12. Juni 2018, 21:00 Uhr

Die Fenster vernagelt, in den Dachrinnen wachsen Bäumchen – seit Jahren steht ein Wohnblock an der Hauptstraße in Medewege leer. Jetzt hat der Hauptausschuss den Verkauf der Schrott-Immobilie beschlossen. Erbitterter Widerstand kam von den Sozialdemokraten und den Bündnisgrünen.

Das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) hatte die Immobilie ausgeschrieben. Interessenten wurden bei Besichtigungsterminen darauf hingewiesen: Betreten auf eigene Gefahr. Zu marode ist das Haus. Deshalb wollte die Stadt sich schon lange davon trennen.

Die Sozialdemokraten argumentierten, dass das ZGM das Gebäude selbst sanieren und dort preiswerten Wohnraum anbieten sollte. Doch der städtische Immobilienbetrieb hob die Arme. Zum einen ist der Eigenbetrieb mit Schul-, Kita- und weiteren Neubauten mehr als gut ausgelastet, zum anderen fehlten die Spezialisten für die Wohnraumsanierung. Dann solle die städtische Wohnungsgesellschaft WGS die Sache übernehmen, forderte ausgerechnet der Aufsichtsratsvorsitzende Daniel Meslien. Der müsste eigentlich wissen, wohin das führt. Hatten die Stadtvertreter der WGS doch einst alle möglichen Immobilien – beispielsweise das Haus der Kultur, das Thalia – übergehalst und das Unternehmen auch dadurch in eine wirtschaftliche Schieflage gebracht.

Dem SPD-Nein zum Verkauf schlossen sich die Bündnisgrünen an, die Linke enthielt sich der Stimme. Das reichte nicht für eine Ablehnung. Die Mehrheit stimmte für den Verkauf. Bemerkenswert dabei: Oberbürgermeister Rico Badenschier stimmte für den Verkauf und schloss sich nicht der SPD-Meinung an.

Die Diskussion um preiswerten Wohnraum führt jedoch dazu, dass das ZGM die Ausschreibung für die roten Backsteinbauten an der Ecke Hagenower Straße, Ludwigsluster Chaussee zurück zog. Der Gebäudekomplex, in dem sich auch ein Autoteilehandel befindet sowie die schon Ende 1997 geschlossene HO-Gaststätte Gartenstadt, soll neu ausgeschrieben werden. Zusätzliches Kriterium für Investoren soll die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sein. Doch ob sich dann noch jemand für die Immobile interessiert, bleibt abzuwarten. Denn wenngleich der Kaufpreis auch nicht außergewöhnlich hoch sein dürfte – der Sanierungsstau in dem äußerlich fast unversehrt erscheinenden Gebäude ist enorm. „Das geht in die Millionen“, sagte ein Sprecher des Zentralen Gebäudemanagements.

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