Bürgerforum in Schwerin : Politiker stellen Asylheimpläne vor

Viele Teilnehmer des Bürgerforums warben um Verständnis und Hilfe für Flüchtlinge und Asylbewerber.
Viele Teilnehmer des Bürgerforums warben um Verständnis und Hilfe für Flüchtlinge und Asylbewerber.

Mehr als 300 Teilnehmern in Stern Buchholz zeigt Willkommenskultur, aber auch Angst vor rechter Gewalt

23-11371792_23-66107978_1416392486.JPG von
07. April 2015, 21:00 Uhr

Auf einem Bürgerforum in Stern Buchholz haben gestern Abend Landesregierung und Stadtverwaltung erstmals detailliert die Pläne für die Einrichtung einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge und Asylbewerber in der ehemaligen Blücher-Kaserne vorgestellt. Mehr als 300 Interessenten waren gekommen, um Fakten zu erfahren, Fragen zu stellen, aber auch, um frühzeitig Hilfe und Unterstützung anzubieten.

Zunächst die Fakten: Am 1. Juni sollen die ersten 300 Flüchtlinge und Asylbewerber eintreffen, später weitere 150, denn die Schweriner Außenstelle der zentralen Anlaufstelle des Landes in Horst ist für eine Gesamtkapazität von 450 Menschen ausgelegt. Sie werden in zwei Wohnblöcken untergebracht und in Vier- bis Sechsbettzimmern wohnen. Die Betreuung wird von den Maltesern übernommen, mit denen das Land einen entsprechenden Vertrag hat. Zwei weitere Fragen seien indes noch nicht geklärt, weil die Ausschreibungen noch laufen, informierte der Direktor des Amtes für innere Verwaltung des Landes, Horst Menze: Das betreffe die die Bewachung des künftig eingezäunten Areals auf dem alten Kasernengelände, zu dem auch noch die Grünfläche zwischen den beiden Blöcken gehört, sowie die Versorgung der Flüchtlinge. Die Aufnahmestelle sei nicht für eine dauerhafte Unterbringung vorgesehen, sondern als Durchlaufstelle, in der die Asylbewerber maximal zwölf Wochen bleiben, ihre Anträge stellen, medizinisch erstversorgt werden, erste Sprachkurse bekommen und durch ehrenamtliche Betreuung die Bekanntschaft mit der Kultur ihrer neuen Heimat machen können.

Genau diese Willkommenskultur lag vielen der zum Bürgerforum gekommenen Schwerinern am Herzen. Denn nicht nur die Einlader, Ministerpräsident Erwin Sellerin, Innenminister Lorenz Caffier und Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, betonten nachdrücklich, dass hier Menschen ankommen, die vor Krieg und Verfolgung auf der Flucht sind und Hilfe brauchen. Auch viele Bürger, die sich zu Wort meldeten, boten ihre Unterstützung an, etwa bei Sprachkursen, oder wollten mehr über Betreuungsmöglichkeiten erfahren. Ältere Bürger erinnerten an ihre eigene Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg und warben für Willkommenskultur.

Laut wurde es, als sich NPD-Landtagsabgeordneter Udo Pastörs zu Wort meldete und erzählte, dass nun die Häuser der Anwohner an Wert verlieren, die Steuerzahler zusätzlich belastet und die Kriminalität steigen würden. Ein Pfeifkonzert mit Buh-Rufen begleitete seine Rede, auf die gleich mehrere weitere Bürger Bezug nahmen: „Ich fürchte mich nicht vor Ausländern, aber vor rechter Gesinnung“, antwortete eine Anwohnerin. „Wer schützt uns vor rechter Gewalt?“, wollte eine andere Frau wissen.

Als Pastörs dann ein zweites Mal zum Mikrofon griff, bereitete sich Tumult in der Sporthalle aus. „Wir wollen hier nicht Pastörs hören, sondern sachliche Informationen bekommen“, schallte ihm entgegen. Mehr als 70 Leute verließen demonstrativ den Saal. OB Gramkow versuchte, wieder Ruhe in den Raum zu bringen. Sie forderte alle Bürger auf, die nicht in Stern Buchholz wohnen, den Saal zu verlassen, damit die Anwohner Fragen stellen konnten – was bei manchen auf Unverständnis stieß.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen