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Baustelle Schweriner Schloss : Politiker müssen draußen bleiben

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Umbau des Plenarsaals geht in den Endspurt: Im Herbst regieren Bauarbeiter im Schloss, Ministerpräsident wird wohl im Theater gewählt

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 06:15 Uhr

Die gute Nachricht zuerst: Der neue Plenarsaal und die damit verbundene Sanierung eines ganzen Schlossflügels wird das geplante Kostenvolumen von rund 27 Millionen Euro wohl nicht sprengen. Schwerin bekommt keine eigene Elbphilharmonie, spöttelt Landtagsdirektor Armin Tebben erleichtert. Die schlechte Nachricht liefert er allerdings gleich hinterher: Die Fertigstellung wird sich verzögern, weil im Endspurt eben doch noch etwas Unvorhergesehenes passiert ist. Ein Lüftungsplaner habe Insolvenz angemeldet, ein neuer musste gesucht werden – und der habe gleich einen Fehler in der alten Planung gefunden. Um den auszumerzen, müsse neu gerechnet werden und das nehme etwas Zeit in Anspruch. „Im Nachhinein können wir nur sagen: Gott sei Dank, dass wir den Fehler vor dem Einbau der Anlage gefunden haben“, sagt Tebben.

Die konstituierende Sitzung des neuen Landtages und die Wahl des Ministerpräsidenten im Herbst werden definitiv nicht im Schweriner Schloss, sondern höchstwahrscheinlich im Konzertfoyer des Staatstheaters stattfinden. Ab Dezember könne der alte Plenarsaal wieder genutzt werden, bis der neue wirklich fertig ist. Von Juli bis November 2016 allerdings herrschen rund um die Millionenbaustelle nur die Handwerker. Politiker und Verwaltung bleiben dann draußen. Wenn in diesen Wochen der Landtag zusammentritt, Fraktionen und Ausschüsse tagen oder Veranstaltungen stattfinden, dann halten sich die Bauleute streng an einen wöchentlich aktualisierten Lärmplan. Nicht jede Arbeit kann zu jedem Zeitpunkt ausgeführt werden.

Zwei riesige Sanierungs-Brocken sind seit dem Baustart 2013 schon geschafft: 250 Tonnen Stahlbeton wurden bei der Entkernung des ehemaligen Festsaales, der jetzt Plenarsaal wird, ausgebaut und abtransportiert. Damit nicht das ganze Schloss durch das Herausnehmen dieses immensen Gewichts kippt, wurde der Beton in kleinen Blöcken herausgetrennt und gleichzeitig neue Stahlkonstruktionen eingebaut. Außerdem musste das Bauwerk eine Nachgründung bekommen. Schließlich wurde der Flügel saniert, der beim großen Schlossbrand 1913 am schwersten gelitten hatte. „Die Arbeiten, vor denen wir die meisten Sorgen hatten, sind also abgeschlossen“, sagt Tebben. „Da ist vieles besser gelaufen, als wir erwartet hatten.“ Er rechnet fest damit, dass der Landtag Anfang 2017 in den prächtigen Saal einziehen kann.

Bis dahin müssen unter anderem noch eine neue Treppe und ein Fahrstuhl bis in den vierten Stock gebaut werden, wo sich der Eingang zu den Besuchertribünen befinden wird. Zurzeit gelangen Zuschauer im dritten Stock in den Plenarsaal. In eben diesem dritten Stock endet auch die rote Marmortreppe. Sie selbst wird nicht weitergebaut, sondern sozusagen eine Umgehung angelegt. Die entsprechenden Abrissarbeiten haben jetzt begonnen, erklärt Isabell Fellendorf, Assistentin der Bauleitung.

Den neuen Plenarsaal selbst beherrschen noch riesige Gerüste – obwohl der Beton raus ist und die Tribünen schon hängen. „Das Gerüst brauchen wir für die Decken-Arbeiten“, sagt Fellendorf. Dort gehe es gut voran, diverse Kabel sind schon verlegt. Ein Schacht gegenüber den Fraktionsräumen zeigt auf beeindruckende Weise, was im Saal alles verbaut wird.

Das Gerüst soll in den nächsten Wochen verschwinden, dann zieht noch mehr 21. Jahrhundert in den historischen Schlossgartenflügel ein: Helles Holzparkett, schwarze Stühle auf einem Schienensystem, helle Tische, eine goldene Wand mit weißen Lamellen, zwei Besuchertribünen für rund 100 Zuschauer – schlicht, funktional und gleichzeitig edel soll der Schweriner Plenarsaal daherkommen. Um sich das heute an Ort und Stelle vorzustellen, braucht es aber noch viel Fantasie.


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