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19. November 2017 | 09:55 Uhr

Politik und Bürger stehen zum Theater

vom

svz.de von
erstellt am 26.Mär.2012 | 10:27 Uhr

Altstadt | Es war die größte Demonstration, die Schwerin seit vielen Jahren erlebt hat: Mehr als 3000 Menschen hatten sich gestern Nachmittag auf dem Markt versammelt, um gegen den drohenden Kulturabbau am Mecklenburgischen Staatstheater zu protestieren: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Rentner, Einwohner der Landeshauptstadt und Kulturfreunde aus der Ferne, Schulklassen aus der Region und selbst ein Pilot drehte zur Unterstützung der Protestierer mit seiner Maschine viele Runden über der Stadt mit dem Transparent "Kulturschutz in MV: Ja!"

"Diesen Raubbau an Kultur lassen wir uns nicht gefallen", sagte Rentner Alexej Kulisch. Schüler Jan-Marten Sprenger begründete seine Teilnahme an der Demo so: "Wie hier mit Kultur umgegangen wird, ist unverantwortlich. Theater ist unverzichtbar, es bildet, klärt auf und bringt Themen auf die Bühne, die sonst kaum jemand anspricht. Theater muss sein." Zu den jüngsten Demonstranten gehörten Amon, Dario und Enno. Die drei forderten auf ihrem Transparent: "Wir wollen unser Theater." Selbst das Petermännchen war auf dem Markt erschienen und verteilte Aufkleber für die Rettung des Theaters.

Die Entscheidung der meisten Stadtvertreter zu dem vorliegenden Sanierungskonzept stand zu diesem Zeitpunkt indes schon fest: Die Vorsitzenden aller Fraktionen hatten sich im Vorfeld bereits auf eine Ablehnung des Streichkonzerts und einen neuen Antrag geeinigt, der zwar Sparmaßnahmen vorsieht, aber keine Entlassungen und auf weitere Verhandlungen mit dem Land und dem Umland drängt. Er wurde ohne Gegenstimme, allerdings bei fünf Enthaltungen vorwiegend aus der SPD-Fraktion, angenommen. CDU-Fraktionschef Sebastian Ehlers hatte zuvor eindringlich dafür geworben: "Diese Demo, die größte seit vielen Jahren in der Stadt, zeigt die Verbundenheit der Schweriner mit ihrem Theater. Dieser Kompromissvorschlag löst zwar nicht dauerhaft das Problem, aber er verschafft uns die notwendige Zeit dafür." Sein SPD-Kollege Daniel Meslien betonte: "Das Land hat es nicht einfach. Wenn die Deckelung der Theaterförderung aufgehoben wird, gibt es viele Begehrlichkeiten. Wir müssen diese Suppe gemeinsam auslöffeln." Gerd Böttger von den Linken richtete seinen Appell an die Landesregierung: "Wir brauchen für die Theaterförderung eine Dynamisierung, die Anpassung an die Tarifentwicklung die überall sonst auch üblich ist. Was nützt uns ein schuldenfreie Land, wenn dafür Kultur und Bildung totgespart worden sind?" Der Fraktionschef der Unabhängigen Bürger, Silvio Horn, sagte, es sei gut, dass endlich ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch liege. "Seit zehn Jahren wurde immer nur auf das Prinzip Hoffnung gesetzt. Wenn der neue Vorschlag nicht umgesetzt wird, stehen wir mit leeren Händen da."

Das sah die Mehrheit der Stadtvertreter auch so und stimmte zu. Dann hatten die Abgeordneten noch zahlreiche weitere Punkte der Tagesordnung abzuarbeiten, debattierten über den Haushaltsplan 2012, über Personaleinsatz für das Jobcenter und das Bildungs- und Teilhabepaket, über das Denkmal "Runder Tisch" und weitere Themen. Die Vorlage zum Umzug der Stadtbibliothek hatte die OB wegen ablehnender Voten der Fachausschüsse von der Agenda genommen. Mehr dazu morgen in der SVZ.

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