Besucher des Schweriner Friedhofs leben gefährlich : Plötzlich und unerwartet im Grab

<strong>Die Idylle auf dem Waldfriedhof trügt:</strong> Die Särge ragen über die unterschiedlich großen Pflanzflächen hinaus. Besucher können einsinken. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
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Die Idylle auf dem Waldfriedhof trügt: Die Särge ragen über die unterschiedlich großen Pflanzflächen hinaus. Besucher können einsinken. Reinhard Klawitter

Auf dem Waldfriedhof in Schwerin bestehen für Besucher erhebliche Gefahren. Auf vermeintlichen Rasenwegen kann es passieren, dass sie plötzlich einsinken. Grund sind die in der Erde verrotteten Särge.

svz.de von
14. Januar 2013, 06:36 Uhr

Krebsförden | Besucher des Waldfriedhofes leben gefährlich. Zwischen den Grabreihen kann es ihnen passieren, dass sie plötzlich in der Erde versinken. Marie-Luise Brenz ist das bereits zweimal passiert. Um zu den Gräbern ihrer Lieben zu kommen, hat sie die rasenbewachsenen Flächen zwischen den Grabreihen benutzt. Unverhofft stand sie bis über die Knie in der Erde. "Allein hätte ich mir körperlich und psychisch nicht helfen können. Ich kann und möchte diese Horror-Situation und die unsagbare Angst und Aufregung gar nicht beschreiben." Ihr Mann war in beiden Fällen "lebender Schutzengel und Retter".

Was Marie-Luise Brenz in helle Aufregung versetzt hat, kann jedem Besucher des Waldfried hofes geschehen. Denn sie ist dort gegangen, wo viele gehen, aber eigentlich nicht gehen dürfen. "Die Rasenstreifen zwischen den Grabreihen sind keine Wege", sagt Regina Saß von der Friedhofsverwaltung. Denn: Die Särge reichen über die bepflanzten Flächen vor den Grabsteinen hinaus. "Es ist völlig normal, dass diese Särge nach einiger Zeit zusammenbrechen und die Erde darüber dann absackt." Wann das geschieht, ist nicht absehbar. "Das hängt auch davon ab, ob es sich um einen Kiefern- oder einen Eichensarg handelt", so Regina Saß. Ihr Hinweis: Die Friedhofsbesucher sollten nur die Plattenwege benutzen. Doch selbst die sacken an einigen Stellen immer wieder ab. "Das wird von uns dann aber aufgefüllt und ausgeglichen." Und wenn sich direkt auf den Grabstellen etwas absenkt, seien die Nutzer verpflichtet, selbst wieder Erde aufzufüllen, so Regina Saß. Die Friedhofsverwaltung ist sich daher auch keiner Schuld bewusst. Das machte sie auch gegenüber Marie-Luise Brenz deutlich. Denn die hatte sich bereits nach ihrem ersten "Friedhofs-Erlebnis" an die Verwaltung gewandt. "Der Empfehlung des dortigen Personals, doch immer ein Handy dabei zu haben und die festen Gehwege zu benutzen und zu bedenken, dass ja nach dieser etwas längeren Liege- und Nutzungszeit nichts mehr da unten sei, konnte weder ich noch wohl auch eine weitaus ältere und allein dort überraschte Angehörige eines Verstorbenen etwas Positives abgewinnen!"

Nach den Beobachtungen von Marie-Luise Brenz gibt es auf den Rasenstreifen "mehrere größere und mittlere Erd absenkungen". Abgesichert sind die aber nicht. Und, so die SVZ-Leserin, "Plattenwege, von denen aus man gesichert Grabpflege machen könnte, sind nicht vorhanden". Damit bestehen auf dem 1969/70 angelegten Waldfriedhof Gefahren, denen sich wohl die wenigsten Besucher bewusst sind. Marie-Luise Brenz rät deshalb allen: "Geben Sie überirdisch Acht, dass Ihnen so etwas niemals passiert!"

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