Goldenstädter proben für grossen Auftritt : Plattsnacker sorgen im Störtal für Spaß

„De Plattsnackers ut Goldenstädt“ begrüßen ihre Gäste immer mit einem Lied.
„De Plattsnackers ut Goldenstädt“ begrüßen ihre Gäste immer mit einem Lied.

Laienschauspieler aus Goldenstädt und Jamel bringen am 6. Dezember in der Banzkower Begegnungsstätte eine Komödie auf die Bühne

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03. Dezember 2013, 19:32 Uhr

Auf einen Nikolausabend der besonderen Art können sich Freunde der plattdeutschen Sprache freuen. Am Freitagabend sind „De Plattsnackers ut Goldenstädt“ im Banzkower Störtal zu Gast und führen das Stück „Een Buddel för Anna“ auf. Damit alles gut klappt, findet am morgigen Donnerstag auf der Bühne der Störtal-Begegnungsstätte die Generalprobe statt.

In der Komödie geht es um eine Haushälterin namens Anna und ein betuchtes Ehepaar aus den USA, das seine Familie in Mecklenburg besucht. Und es geht um Wein, um teuren Wein, den die trinkfreudige Anna angeblich zum Kochen in der Küche braucht…

Vorgeschlagen hat das Theaterstück Traute Zahnow. „Wir hatten zwei Stücke zur Auswahl. Das erste kam in unserer Truppe nicht so gut an. Dieses schon“, sagt die 73-Jährige. „Im März ging es mit den ersten Leseproben los. Dann mussten die Rollen verteilt werden und seitdem proben wir regelmäßig.“ Regelmäßig, das heißt jeden Dienstagabend im Gemeindehaus in Goldenstädt bzw. in der ehemaligen Gaststätte in Jamel. Ausgenommen sind die Sommermonate. Da machen auch die Laienschauspieler Pause.

Für Kostüme, Requisiten und auch die Kulisse sorgen die Plattsnacker selbst. Elke Prange zum Beispiel, die zwar nicht auf der Bühne steht, sich aber um die Ausstattung kümmert. Und weil sie das schon einige Jahre macht, hat sie einen gewissen Fundus angelegt. Wird besondere Garderobe benötigt, schneidert und näht sie auch schon mal.

„De Plattsnackers ut Goldenstädt“ gibt es seit 13 Jahren. Ins Leben gerufen wurde die Gruppe von Traute Zahnow. „Die Gemeinde wollte einen Heimatverein gründen, der alte Traditionen pflegt. Da erinnerte ich mich, dass es vor vielen Jahren schon mal eine Theatergruppe in Goldenstädt gab.“ Sie bot sich an, eine neue aufzubauen. „So etwas liegt mir.“ Interessierte der künftigen Plattsnacker-Gruppe fand sie schnell: Sie wusste, wer Platt sprach und wer das Zeug dafür hat, auch auf der Bühne zu stehen. Heute gehören 15 Männer und Frauen zu den Plattsnackern – Senioren wie Berufstätige. Neue Mitstreiter seien immer willkommen, betont Traute Zahnow. Und wer die plattdeutsche Sprache noch nicht ganz so gut beherrscht – auch das sei kein Problem, findet sie. „Man kann sie lernen.“ Das macht jetzt das jüngste Mitglied. Der Mittzwanziger stammt aus Goldenstädt, wohnt jetzt in Wöbbelin. Er konnte anfangs kein Platt, der Opa brachte ihm die ersten Wörter bei. Jetzt möchte er die Sprache richtig lernen. In dem Stück „ Ein Buddel för Anna“ spielt er nicht mit, aber er hilft bei der Dekoration und bringt sich anderweitig ein. Dabei lernt er Platt zu sprechen. Denn, so weiß Traute Zahnow, lesen allein genügt nicht. „Platt lernt man am besten beim Sprechen.“

Eine wichtige Stütze in der Gruppe ist Gerhard Prange. Der 74-Jährige aus Goldenstädt steht nicht nur auf der Bühne und schauspielert. Er schreibt auch selbst Stücke und Gedichte, komponiert Lieder. Das Begrüßungslied etwa stammt aus seiner Feder. Ebenso das Theaterstück „Dat Frugens bekieken“, das vor fünf Jahren aufgeführt wurde.

Mit Freude dabei ist auch Renate Tardel, die Vorsitzende des Heimatvereins, in dem die Plattsnackers als Sparte angesiedelt sind. „Meine Großeltern haben mir Platt beigebracht. Ich mag diese Sprache“, sagt sie.

Traute Zahnow selbst, die gute Seele der Truppe, spricht seit ihrer Kindheit Platt. Gleichwohl habe ihre Mutter großen Wert darauf gelegt, dass sie gut Hochdeutsch kann, um in der Schule keine Schwierigkeiten zu haben, erzählt sie. Die heute 73-Jährige war bis zur Wende Hortleiterin in Rastow, wollte dann aber etwas anderes machen. „Mein Mann und ich haben uns ein Haus in Jamel gekauft, zu dem eine Gaststätte gehörte. Die aber war damals nicht mehr in Betrieb“, erzählt die Jamelerin. „1990 haben wir hier unsere Gaststätte Lewitz-Born eröffnet und sie bis 2010 geführt“, blickt sie zurück. Sie hat noch mal von ganz vorn angefangen und Köchin gelernt. Und sie war schon längst Rentnerin, als sie die Gaststätte für immer schloss. Denn ein Nachfolger hatte sich nicht gefunden.

Jetzt beschäftigt sich Traute Zahnow mit viel Hingabe dem plattdeutschen Laien-Theater. Und wie sie fiebern auch die anderen Mitstreiter der Theatergruppe der Premiere in Banzkow entgegen. Traditionell bringen die Goldenstädter ihr plattdeutsches Stück am ersten Freitag im Dezember auf die Bühne – um 20 Uhr im Banzkower Störtal. Die Aufführung dauert eine Stunde, nach einer Pause gehts weiter mit Sketchen. Zu Beginn des Abends (19 Uhr) und zum Abschluss spielt die Banzkower Wiesenband. Übrigens: Mehr als 170 Karten sind schon verkauft. Wenige Restkarten sind noch am Abend vor der Aufführung erhältlich. Ein nächster Auftritt steht schon fest: Am 15. Februar spielen die Goldenstädter in Kossebade bei Parchim.

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