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Abrissbeton als Kunst : Platten-Stern mit Liebesschlössern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bauauftakt für den künftigen Plattenpark an der Hamburger Allee: Ende des Monats soll bereits das bunte Kunstwerk fertig sein

von
erstellt am 04.Aug.2014 | 16:00 Uhr

Sechs Flügel wird er bekommen, zwei 45 Zentimeter hoch mit Holzbohlen als Abschluss, vier der Gabionen – Metallkörbe gefüllt mit Steinen aus dem Plattenbauabriss – werden einen Meter hoch. Der Platten-Stern, mit dessem Aufbau der Verein „Die Platte lebt“ am Sonnabend auf der Wiese an der Hamburger Allee zwischen Hegel- und Kantstraße begonnen hat, ist der Auftakt für den künftigen Plattenpark. Den hatte sich der Verein gemeinsam mit Dr. Ulrich Schroeder erdacht, der als Professor an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen gearbeitet hat und sich heute in Schwerin engagiert.

Der Plattenpark soll an die DDR-Baugeschichte erinnern und die Platte lebendig halten. Mit dem richtigen Marketing könnte künftig der Schwerin-Urlauber vom Residenz-Ensemble aus Großherzogs Zeiten gleich in die Großwohnsiedlungen des real existierenden Sozialismus gelotst werden, sie mit der Straßenbahn durchqueren und schließlich im Platten-Park neue deutsche Geschichte sehen, erfahren, anfassen, bespielen. Ein Platten-Labyrinth könnte bis dahin entstehen, auch eine Platten-Pyramide mit Rabatten, Gehweg, Treppen und Bänken. Und eben der Platten-Stern.

Nachdem es lange Diskussionen um die geeignete Fläche gegeben hatte – Ex-Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff war nicht eben ein Fan der Idee – gibt es jetzt das nächste Problem: Es gibt derzeit keine ganzen Abriss-Platten. Doch der Verein um Vorsitzende Hanne Lughdo reagierte flexibel. Die Idee der Gabionen entstand. Die ersten Metallkörbe befüllten am Sonnabend die Helfer mit Steinen, die die Mitglieder des Vereins „Power for kids“ auf angrenzenden Freiflächen gefunden hatten. Die übrigen Platten-Reste kommen vom Abriss der SWG in der Magdeburger Straße. „Der Chef des Abrissunternehmens SAR, Uwe Gross, bringt uns die Betonsteine kostenfrei“, sagt Hanne Luhdo dankbar.

Und während die ersten Metallkäfige befüllt und von jungen Sprayern mit Farbe versehen wurden, ist schon eine weitere Idee im Plattenpark sichtbar: „City-Knütt“ – bestrickte Bäume. „Urban Knitting“ ist der internationale Begriff für das Bestricken von Bäumen, Laternen und Straßenmasten, um die Städte bunter zu machen. „Die Platte lebt“ nennt die Aktion „City-Knütt“, angelehnt ans plattdeutsche knütten für knoten und stricken. Derzeit zehn Frauen sorgen dafür, dass die ersten Bäume an der Hegelstraße schon bunt sind.

Eine weitere Idee: DerPlatten-Stern soll zum Liebes-Stern werden. An die Gambionen können Schlösser angebracht werden, die Schlüssel in einem vergrabenen Behälter mit durchsichtigen Deckel versenkt werden. Der Trend für Verliebte war an der Schlossbrücke verboten worden.

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