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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. September 2017 | 15:38 Uhr

Hut ab : Plattdeutsch in der Kirche

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Chef des Kirch Stücker Fördervereins kümmert sich um Bauwerk und Pflege der niederdeutschen Sprache

svz.de von
erstellt am 08.Mai.2014 | 23:32 Uhr

Einen Lieblingsort in oder an der Kirche von Kirch Stück hat Jürgen Hansen nicht. „Das nächste Projekt ist immer das wichtigste“, erzählt der Seehofer, der Vorsitzender des Fördervereins für das imposante Gotteshaus an der B 106 ist. „Derzeit bereiten wir die Sanierung des Altars vor, und die des Dachstuhles und des Daches auf dem Kirchenschiff...“

Und da es immer etwas an dem Baudenkmal zu tun gibt, dessen ältester Teil aus dem 13. Jahrhundert stammt, kennt Jürgen Hansen inzwischen jeden Stein, jeden Winkel des Backsteinbaus aus dem Effeff. „Uns geht es aber nicht nur um die Erhaltung des Gebäudes“, ergänzt Hansen. „Wir wollen diese Kirche wieder zum lebendigen Mittelpunkt, zum Treffpunkt für die Menschen der Region machen.“ So ist bereits in der Satzung des Fördervereins die Pflege der plattdeutschen Sprache als weiterer Schwerpunkt verankert. „Die Idee, in Kirch Stück ein plattdeutsches, kirchliches Zentrum zu schaffen, ist älter als unser Förderverein und stammt aus dem Kirchengemeinderat von Groß Trebbow, zu dem auch Kirch Stück gehört“, berichtet Jürgen Hansen. Der 68-Jährige stammt aus Norddeutschland und ist mit Platt groß geworden. „Selbst sprechen kann ich es aber nur ein bisschen.“

Doch mit dem Öffnen der Kirchentüren gerade für Veranstaltungen rund ums Plattdeutsche allein ist es nicht getan. „Unser Toilettenraum im Eingangsbereich ist ganz neu“, berichtet Hansen. Denn ohne geht es bei solch einer Großveranstaltung nicht mehr.

Auch die Umgestaltung des Turmraumes zum Treffpunkt nimmt Konturen an. Für den Einbau einer Teeküche ist schon alles vorbereitet. Der Glockenstuhl und auch die historisch wertvolle Glocke hoch oben im Turm sind übrigens schon saniert worden – auch mit Geld vom Förderverein. „Spenden zu sammeln ist übrigens das schwerste in der ganzen Vereinsarbeit“, räumt Jürgen Hansen ein. „Dabei ist gerade die Unterstützung aus der unmittelbaren Umgebung sehr groß.“

Doch bei den anstehenden Summen von mehreren 100 000 Euro für die kommenden Projekte wäre eine richtige große Finanzspritze nötig. „Eine eigene Stiftung für Kirch Stück. Das wäre ein Traum“, erzählt Hansen. „Vielleicht findet sich ja ein Liebhaber für diese Kirche, der den Grundstock für eine solche Stiftung legt.“ Hansen hofft da auch auf die Vermittlung über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Zu der hat der Förderverein gerade Kontakt aufgenommen, um Hilfe bei der Restaurierung des Altars aus den Jahren 1430 bis 1440 zu bekommen.

Eine andere Idee bei diesem Projekt: In den Seitenflügeln des Altars stehen die zwölf Apostel. „Wenn sich für die Restaurierung jeder Figur ein Sponsor findet, das wäre toll und schon eine große Hilfe beim Gesamtvorhaben.“ Auf der Suche nach Geldgeber n nutzt Jürgen Hansen auch seine guten Kontakte. Hilfreich ist aber auch, dass die bereits erreichten Erfolge immer neue Interessenten anziehen. „Die bringen wiederum Ideen und Erfahrungen mit, helfen dabei, die Kirche zu einem lebendigen Ort mit Zukunft zu machen“, ist Hansen überzeugt. Genau das war übrigens auch der Hauptgrund, warum der Seehofer bei der Gründung des Fördervereins vor zwei Jahren sich bereit erklärte, den Vorsitz zu übernehmen. „Wir waren 23 Gründungsmitglieder, aber keiner wollte Vorsitzender werden.“ Der einstige Verwaltungsbeamte war zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand, hatte aber noch Kraft und Lust sich einzubringen, zusätzlich zum Engagement im Kirchengemeinderat.

Heute bestimmen die Tätigkeiten für beide Ehrenämter den Terminkalender der Familie. „So um die zwei Stunden pro Tag bin ich für die Kirche und den Förderverein unterwegs“, erzählt der Seehofer. Seine Frau Maria unterstützt ihn dabei, liefert oft Ideen, setzt aber auch mal ein Stopp-Zeichen, wenn es zu viel wird. „Doch das kommt nur ganz selten vor.“

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