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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 08:42 Uhr

Plate : Plater Gemüseservice in Schieflage

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Amtsgericht Schwerin bestellt einen vorläufigen Insolvenzverwalter: Er sieht Chancen, dass der Betrieb gerettet werden kann

von
erstellt am 19.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die Kartoffel- und Gemüseservice Plate GmbH (KGS) hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Betrieb bietet küchenfertiges Gemüse und geschälte Kartoffeln für Großabnehmer an; so für Küchen in Schulen, Krankenhäusern, Kindereinrichtungen und gehört damit zu den größeren Unternehmen dieser Art im Land.

Das Amtsgericht Schwerin hat einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt: Marc Odebrecht. Der Rechtsanwalt prüft, wie es um das Vermögen des Betriebes bestellt ist und erstellt ein Gutachten. Das muss das Gericht abwarten, um entscheiden zu können, ob dem Insolvenzantrag tatsächlich stattgegeben werden kann, so das Amtsgericht auf SVZ-Nachfrage.

Wie die Kartoffel-Gemüse-Service Plate GmbH in diese finanzielle Schieflage geraten konnte, ist bislang nicht bekannt. Die Unternehmensführung selbst wollte sich dazu nicht äußern.

Derzeit beschäftigt die KGS mehr als 100 Mitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten hatte sich mit den wachsenden Aufgaben des Kartoffelverarbeiters erhöht. Sie erhalten jetzt über eine Insolvenzgeld-Vorfinanzierung ihren Lohn, die Auszahlung erfolgte auch rückwirkend für März, informierte der Insolvenzverwalter. Er sehe Chancen, dass das Unternehmen gerettet werden kann. Wie es zu dieser prekären Situation gekommen ist, kann Marc Odebrecht derzeit aber nicht sagen. Am wichtigsten sei jetzt, dass der Betrieb uneingeschränkt weiterlaufen kann. Das habe man erreicht, betonte er. Die Lieferkette reiße nicht ab, Lieferanten hätten Zahlungszusagen erhalten.

Einige Lieferanten für den angegliederten Hofladen sollen noch auf ihr Geld warten. Wie ein Betrieb aus der Region SVZ gegenüber sagte, sei ihm aber zugesichert worden, dass die Rechnungen noch beglichen werden. Daher liefere man weiter.

Die Einwohner der Lewitzregion sind sehr besorgt, sagte eine ehemalige Landwirtin gegenüber SVZ. Noch vor einem Jahr hätten sich alle gefreut, dass es mit dem Unternehmen – zumindest scheinbar – wieder bergauf geht. Die Anzeichen waren vielversprechend. Der neue Eigentümer, ein Hamburger Großhändler für Obst und Gemüse, hatte den Betrieb Ende 2013 übernommen und gleich angekündigt, ihn zu modernisieren. Das ist geschehen. Bei der Einweihung im Herbst vorigen Jahres, die mit einem Tag der offenen Tür verbunden war, waren Einwohner und Mitarbeiter, auch ehemalige, gleichermaßen von den Veränderungen angetan: sowohl von den technischen als auch den hygienischen. Neubau und Sanierung haben insgesamt 3,5 Millionen Euro gekostet. Das Schweriner Landwirtschaftsministerium steuerte 612  500 Euro bei.

Plates Bürgermeister Ronald Radscheidt ist sehr überrascht – im negativen Sinne. Im vorigen Jahr habe die Gemeinde mit Freude registriert, dass in Millionenhöhe investiert wurde. „Wir sind damals davon ausgegangen, dass die Firma in dieser Region eine gute Perspektive hat.“ Das sei zumindest die Wahrnehmung in der Gemeindevertretung gewesen. „Jetzt setzen wir darauf, dass der Betrieb weitergeht.“ Auch im Sinne der Kundschaft. Denn auch die Gemeinde Plate zählt zu den Kunden bei der KGS. Das Unternehmen beliefert die Küchen für die Plater Naturgrundschule und Kita. Man habe ganz bewusst auf diesen Betrieb gesetzt, weil er frische Waren anbietet, die aus der Region stammen. Bislang sei das Unternehmen immer ein verlässlicher Partner gewesen. Auf diese Verlässlichkeit und auf die Qualität setze die Kommune weiter. Radscheidt: „Dass Arbeitsplätze auf der Kippe stehen könnten, ist für uns als Gemeinde Besorgnis erregend.“

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