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Gemeinde will Testanlagen bauen : Plater gehen bei Bioenergie neue Wege

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Windräder erzeugen an vielen Stellen unseres Landes Strom. Aber oft sieht man sie still stehen, weil der Strombedarf bei günstigem Wind gedeckt ist. Ein neues Verfahren, Energie zu speichern, wollen die Plater erproben.

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2012 | 09:44 Uhr

Plate | Windräder erzeugen bereits an vielen Stellen unseres Landes Strom. Aber oft sieht man sie still stehen, weil der Strombedarf bei günstigem Wind bereits gedeckt ist - Energie geht gewissermaßen verloren. Ein neues Verfahren, Energie zu speichern, wollen die Plater erproben. "Die Idee ist relativ einfach", sagt Bürgermeister Hans-Eckehard Bauer. "Aus Strom wird Methan hergestellt. Methan ist Hauptbestandteil von Erdgas und lässt sich leicht speichern."

Die Windkraftanlagen, die den Strom erzeugen sollen, werden zwischen Plate und der Autobahn 14 aufgebaut. Geplant sind fünf Windenergie-Testanlagen mit je drei Megawatt Leistung. "Dafür wollen wir Fördermittel des Landes nutzen", sagt Bauer. "Der Antrag beim Landesförderinstitut läuft bereits." Als Partner für den Bau stehen der Gemeinde Plate die Schweriner Wemag und die Naturwind GmbH zur Seite. Wissenschaftliches Know how gibt es dazu von der Bremer Firma wpd think energy und vom Stuttgarter Unternehmen Solarfuel. In einer Anlage der Stuttgarter Firma wird bereits mit überschüssigem Strom ein Elektrolyseprozess betrieben, bei dem Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff umgewandelt wird. Der Wasserstoff wird in einer zweiten Prozessstufe mit Kohlendioxid in Methan gewandelt. Das Methan kann dann ins Erdgasnetz eingeleitet und dort langfristig gespeichert werden.

Die Frage, ob sich das lohnt, sieht Bauer recht gelassen. "Wenn bei der Umwandlung von Strom zu Methan etwa 40 Prozent Energie verbraucht werden, ist das immer noch besser als ein Stillstand der Windräder. Dann beträgt der Energieverlust 100 Prozent", meint der Bürgermeister. "Und die Windräder müssen gegenwärtig immer häufiger abgeschaltet werden, weil niemand den Strom abnehmen kann."

Für das Verfahren wird Kohlendioxid benötigt, das kommt ganz aus der Nähe. In der Nachbargemeinde Banzkow bestehen zwei Biogasanlagen, in Plate wird eine weitere gebaut. Rohbiogas besteht etwa zur Hälfte aus Kohlendioxid - bis jetzt ein nutzloses, umweltschädigendes Abfallprodukt. "Das Kohlen dioxid aus den drei Biogasanlagen werden wir dann in der Methanisierung der Speicheranlage nutzen," erklärt Bauer.

Und noch eine Rechnung macht der Bürgermeister auf: "Bei einer Betriebsdauer von 4000 Stunden im Jahr sparen wir rechnerisch 2000 Tonnen Kohlen dioxid ein. Dieser Wert ergibt sich aus der Einsparung von konventionellem Erdgas der gleichen Menge. Das ist doch ein wichtiger Beitrag für den Umweltschutz. Es gibt ja auch Verfahren, um Kohlendioxid direkt aus der Luft zu entnehmen. Aber das ist ja nur eine Alternative zur Nutzung des Kohlendioxids aus den Biogasanlagen."

Auch zur Nutzung des erzeugten Methans gibt es mehrere Überlegungen. Neben der Einspeisung in das Gasnetz könnte Methan bei Bedarf wieder zur Stromerzeugung genutzt werden. "Methan kann man aber auch als Kraftstoff für Verkehrsmittel einsetzen", sagt Bauer. "Und wenn man die Entwicklung der Benzinpreise verfolgt, ist das sicher auch zu beachten. Schon jetzt fährt es sich mit Gas billiger als mit Benzin."

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