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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 21:38 Uhr

Nach dem Tornado : Plater fühlen mit Bützowern mit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wohnhaus der Familie Fittke wurde am Herrentag 2009 von einem Tornado stark beschädigt: Aktuelle Bilder wecken Erinnerungen

„Schlimm, ganz schlimm ist das, was der Tornado da in der Bützower Innenstadt angerichtet hat“, sagt Roland Fittke. Der 52-Jährige hat sich die Bilder gleich am nächsten Morgen im Fernsehen angesehen. Der Plater kann nachvollziehen, wie es den Betroffenen geht, deren Häuser stark beschädigt wurden, als der Wirbelsturm am Dienstagabend eine Schneise der Verwüstung durch die Kleinstadt gezogen hat. Er hat etwas Ähnliches erlebt. Vor sechs Jahren. Bei den Bildern von Bützow werden diese Erinnerungen wieder wach. „So einen Tag vergisst man nicht.“

Es war der 21. Mai 2009, der Herrentag, als der Tornado gegen 19 Uhr über Plate hinweggefegt war. Der Sturm hatte 65 Häuser beschädigt, Bäume entwurzelt oder umgeknickt. Roland Fittke, Traktorist bei der ansässigen Agrargenossenschaft, und seine Frau Sabine, die in der Kartoffel-Gemüse-Service Plate als Schälerin arbeitet, hatten mit Freunden gegrillt. Sie wollten es sich gerade schmecken lassen, als aus dem Sommergewitter ein Unwetter wurde. Roland Fittke: „Das Dach, unter dem wir saßen, war weggeflogen. Wir suchten in einem Schuppen Schutz. Doch auch dieses Dach hatte der Sturm binnen Sekunden mitgerissen.“ In einer Garage fanden die Plater Schutz. „Dachziegel, Latten, alle möglichen Dinge flogen herum. Es war beängstigend.“

Fittkes Haus war erheblich beschädigt. Das halbe Dach hatte gefehlt. Verwandte, Kameraden der Feuerwehr Plate, Roland Fittke gehört ihr selbst an, Freunde und Nachbarn packten noch am Abend mit an, um das Dach notdürftig mit Planen abzudecken. Einige Räume des Hauses blieben vorerst unbewohnbar.

Fittkes konnten aber bald aufatmen. Die größten Schäden an ihrem Wohnhaus waren im August behoben – auch dank der vielen Helfer. Und die Versicherung habe auch schnell gehandelt, erinnert sich der Traktorist. „Wir konnten im Sommer den Polterabend unser Tochter wie geplant bei uns feiern.“ Inzwischen wohnt die Tochter mit ihrem Mann und den zwei Kindern im eigenen Haus in Plate, sagt Sabine Fittke. Auch ihr Sohn, der bei der Bundeswehr dient, ist inzwischen ausgezogen. „Wir wohnen mit meiner Mutter jetzt zu dritt hier“, erzählt sie.

Bei allem Unglück, das das Unwetter angerichtet hatte, waren Fittkes auch erleichtert: Ihnen und auch den anderen betroffenen Platern war nichts passiert. Das sei großes Glück gewesen, meint er noch heute. Und wenn er die Bilder von Bützow vor Augen hat, hat es den Anschein, dass der Tornado dort wesentlich heftiger gewütet hat. „Es ist fast schon ein Wunder, dass auch dort niemand schwer verletzt wurde.“

Der 21. Mai ist seit 2009 für Fittkes kein ganz normaler Tag mehr. Solch ein einschneidendes Erlebnis prägt sich ein, sind sich beide einig. Das Ehepaar trifft sich noch heute mit zwei, drei Familien aus der Nachbarschaft. „Wir sitzen abends zusammen, grillen – und erzählen. Vom Tornado in Plate, von den angerichteten Schäden. Was wir wieder alles aufbauen mussten. Was noch immer nicht fertig ist. Denn Kleinigkeiten sind über die Jahre liegen geblieben“, erzählt der 52-Jährige. Er müsse zum Beispiel noch einen Zaunpfahl ersetzen, der beim Wirbelsturm draufgegangen sei.

Als das Unwetter an diesem Dienstag aufzog, schaute Roland Fittke skeptisch zum Himmel und war heilfroh, dass dieses Mal hier nichts Schlimmes passiert ist. Vor etwa drei Wochen gab es in Plate einen Sandsturm, erinnert sich Sabine Fittke. „Ich habe bei Sturm immer ein mulmiges Gefühl.“ Den Bützowern wünscht Familie Fittke viel Kraft – und die Unterstützung, die sie selbst nach dem Unwetter erfahren durfte.

 

 

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