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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Oktober 2017 | 08:01 Uhr

Schwerin : Planschen und Musik hören

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Thema der Woche: Frühere Badestellen in der Stadt: Das Waldbad am Schweriner See war mehr als nur ein Ort zum Schwimmen

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Zahlreiche Seen in Schwerin locken Einheimische und Touristen ins Wasser zum Planschen und Schwimmen – wenn das Wetter mitspielt. An vielen Orten kann in der Landeshauptstadt im natürlichen Gewässer gebadet werden nicht nur heute, sondern auch früher, wie an der Badestelle Waldbad.

„Heute ist dort nichts mehr zu erkennen, die Stelle ist versandet und zugewuchert“, erzählt Rainer Blumenthal vom Schweriner Stadtarchiv. Er spricht vom Waldbad, einer der beliebtesten Badestellen in der Stadt, die auf der Wiese im Zippendorfer Wäldchen lag.

Die Geschichte der Badestelle beginnt bereits 1879, als am Ufer des Schweriner Sees eine Badeanstalt errichtet wurde. Diese brannte jedoch kurz nach dem Ersten Weltkrieg ab.

Doch die Stelle blieb nicht lange leer. Mitte der 1920er-Jahre eröffnete August Lau eine neue Badeanstalt mit dem Restaurant „Waldfrieden“. Der Schweriner Musiklehrer und Gastwirt hatte mit der Stadt einen Vertrag geschlossen und das Areal für 20 Jahre gepachtet.

August Lau war den Schwerinern damals kein Unbekannter. „1921 baute er den Strandpavillon in Zippendorf, anschließend versuchte er, am Pfaffenteich ebenfalls einen Pavillon zu errichten“, erzählt Rainer Blumenthal. „Doch die Aufschüttungen verschlangen die finanziellen Mittel schneller als gedacht, und Lau musste das Projekt ad acta legen.“

Für die Pfähle, die für den Pfaffenteich gedacht waren, fand August Lau schnell eine neue Verwendung: der Steg und die Uferbefestigung an der Badeanstalt Waldfrieden. „Wat he in’n Papendiek rinsmäten hett, hett he ut’n Schweriner See wedder rut halt“, spotteten die Schweriner.

So entstand eine der renommiertesten Badestellen der Stadt. Eine Gastronomie, Umkleidekabinen, Stege und Strandkörbe lockten viele Einheimische und Touristen ans Ufer des Schweriner Sees. „Zahlreiche Schweriner haben hier Schwimmen gelernt“, so Blumenthal. Konzerte und Tanzveranstaltungen fanden ebenfalls statt. Doch August Lau hatte auch mit diesem Projekt kein Glück, 1932 musste er die Badeanstalt verkaufen. „Er konnte einfach nicht mit Geld umgehen“, so Blumenthal. Der neue Besitzer aus Hamburg änderte umgehend den Namen, Waldfrieden klang zu sehr nach Friedhof. So wurde aus der Badestelle das Waldbad. 1951 wurde das Waldbad grundlegend renoviert, breite Badestege mit einem Sprungbrett, neue Umkleidekabinen und ein HO-Verkaufsstand entstanden. Doch 1955 war das Areal völlig verwahrlost und konnte zur Saison nicht eröffnet werden. Ein neuer Besitzer übernahm die Renovierungen, und so wurde dort Ende der 1950er-Jahre wieder gebadet. Am 2. Juni 1961 verzeichneten die Betreiber einen neuen Tagesrekord: 6000 Gäste genossen an dem Tag Wassertemperaturen von knapp 24 Grad.

Nach der Wende wurde die Badeanstalt nur noch wenig aufgesucht. Die ruinierten Umkleidekabinen mit der Verkaufsstelle wurden im 1991 abgerissen. 1999 wurde die Badebrücke demontiert und die Bucht wieder renaturiert.

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