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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 22:55 Uhr

Schlossumbau : Planer regieren im Plenarsaal

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Scheibchen für Scheibchen“ nehmen Bauleute den ehemaligen Festsaal auseinander und bauen den künftigen Sitzungssaal ein

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Schlossbesucher sind irritiert: Eigentlich sollte der Eingang zum Schlossmuseum ganz woanders sein. Aber alles ist wie immer. Die größte Umbau-Operation in der jüngeren Geschichte des Schweriner Schlosses läuft fast unbemerkt von der Außenwelt ab. Und wer hat Schuld? Die peniblen Planer, wie Landtagsdirektor Armin Tebben sagt. „Scheibchen für Scheibchen“ weicht der ehemalige herzogliche Goldene Saal im Schlossgartenflügel dem künftigen Herzstück der Landespolitik, dem neuen 283 Quadratmeter großen Plenarsaal. Bauvolumen für Umbau und Sanierung des gesamten Schlossgartenflügels: etwa 26 Millionen Euro. Fertigstellung: geplant 2017.

Das Projekt ist eine schwergewichtige Herausforderung, für die nach rund acht Monaten Bauzeit gerade einmal die buchstäbliche Grundlage geschaffen wurde. Bauleiter Marek Sandner erklärt: „Wir haben seit Baubeginn Anfang des Jahres jetzt einen tragfähigen Fußboden eingebaut.“ Zwischen heraushängenden Elektro-Kabelenden, nacktem Mauerwerk und unter einem 250 Tonnen schweren Betongürtel operieren die Bauarbeiter quasi am offenen Herzen, müssen täglich mit Komplikationen rechnen.

„Das Schloss ist unberechenbar“, sagt Armin Tebben. Generationen haben das machtzentrum des Landes über die Jahrhunderte verändert. Verlässliche Baupläne sind selten. Dazu kommt der weiche Untergrund, auf dem die Planer das Schweriner Wahrzeichen quasi balancieren. Die Schlossinsel ist vergleichbar mit einem Wackelpudding. Nehmen die Bauleute beispielsweise im Schlossgartenflügel zu schnell zu viel der 250 Tonnen Beton heraus, könnte das Schloss „übertrieben gesagt“ in der Mitte durchbrechen. „Deshalb haben wir penibel und ausführlich im Vorfeld geplant“, berichtet der Landtagsdirektor. „Mehr als ein Jahr Vorlaufzeit“, fügt sein Sprecher Dirk Lange hinzu. Regelmäßige Kontrollbohrungen, angepasste Berechnungen und unerwartete Funde in den Mauern können Ablauf und Zeitplan täglich durcheinander werfen. Bevor die Baukommission des Landtages das ehrgeizige Projekte im Februar 2012 beschloss, war drei Jahre lang über Nutzen und Kosten debattiert worden.

Das fertige Ergebnis soll 2017 stehen: Im neuen Plenarsaal für sieben Millionen sitzen die Abgeordneten nicht mehr wie im Klassenraum, sondern im offenen Kreis. Zuschauer können den Parlamentariern dann in die Augen schauen und bekommen dank der neuen Akustik jedes Wort mit. Die Spätfolgen des Schlossbrandes aus dem Jahr 1913 sind längst beseitigt, der Schlossgartenflügel erstrahlt für rund zehn Millionen Euro in neuem Glanz. Anstelle des alten Plenarsaales treffen sich die Abgeordneten und Regierungsmitglieder jetzt in neuen Konferenzräumen. Kosten: vier Millionen Euro. „Die restliche Summe dient als finanzieller Puffer, wir hoffen, preiswerter zu bauen“, erklärt Armin Tebben.

Im Spätherbst werden auch die Schweriner den Umbau mitbekommen. Dann steht an der Außenwand ein großer mobiler Kran, um hunderte Tonnen Beton aus und den neuen Plenarsaal ins Schloss hineinzuheben – „Scheibchen für Scheibchen“, damit nichts zu Bruch geht.

 

 

 

 

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