Schweriner Pflegefachkräfte : Pflegenotstand noch verhindern

Macht eine Ausbildung zum Altenpfleger: Dennis Groth kontrolliert den Blutdruck von Heinrich Beck.
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Macht eine Ausbildung zum Altenpfleger: Dennis Groth kontrolliert den Blutdruck von Heinrich Beck.

Schweriner Arbeitsagentur fördert berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung / Mehr als 400 offene Stellen in Westmecklenburg

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22. Juni 2016, 16:00 Uhr

Dennis Groth hat sich entschieden: „Ich möchte Altenpfleger werden“, sagt er – examinierter Altenpfleger. Der 27-jährige Schweriner, der einen Beruf sucht, in dem er anderen Menschen helfen kann, bringt auch schon Erfahrungen in der Pflege mit. Als Quereinsteiger unterstützt er das Team des Luna Intensivpflegedienstes, arbeitet in einer ambulanten Wohngemeinschaft in Stern Buchholz. Seit einem halben Jahr drückt Groth nun immer montags und dienstags beim Berufsbildungswerk an der Deutschen Angestellten-Akademie die Schulbank, paukt Theorie.

Fachkräfte im Pflegebereich sind gefragt. Rund 100 offene Stellen sind bei der Arbeitsagentur allein in Schwerin gemeldet. In ganz Westmecklenburg gibt es mehr als 400. So nimmt die Agentur denn auch richtig Geld in die Hand, um Menschen wie Dennis Groth zu fördern. „Wegebau“ nennt sich das Programm. Die Arbeitsagentur trägt dabei nicht nur die Kosten für die Ausbildung, sondern zahlt auch einen Zuschuss zu den Lohnkosten, entlastet den Arbeitgeber. „Mit dem Wegebau-Programm unterstützen wir insbesondere Aus- und Weiterbildungen in Bereichen, in denen Fachkräfte fehlen“, sagt Elke Grube von der Schweriner Arbeitsagentur. Die Pflege stehe dabei ganz vorne. So würden derzeit 63 Personen gefördert, die sich zum Altenpfleger ausbilden ließen, so Grube. Und die Wegebau-Mittel für dieses Jahr seien noch längst nicht ausgeschöpft. „Wir haben noch freie Kapazitäten“, betont die Beraterin.

Für Jens Handke, den Chef von Dennis Groth, kommt das Förderprogramm wie gerufen. 40 Mitarbeiter seien aktuell beim Luna Pflegedienst fest beschäftigt, sagt er. „Wir könnten mehr Patienten aufnehmen, wenn wir mehr Personal hätten“, so der Pflegedienstleiter. Gerade die Intensivpflege sei sehr personalaufwendig, doch es fehle eben an ausgebildeten Kräften.

Das Fachkräfte-Problem bekommt auch Schwerins größter Anbieter zu spüren: die Sozius Pflege- und Betreuungsdienste gGmbH. „Wir können ständig vier bis fünf Stellen mit Fach- oder Hilfskräften besetzen“, sagt Sozius-Sprecherin Annemarie Zander. Dabei tue das Unternehmen auch selbst etwas für den Nachwuchs in der Pflege. „Jedes Jahr bilden wir aus und stellen in diesem Jahr auch wieder acht unserer Auszubildenden als Fachkräfte ein“, so Zander. Um Pflegefachkräfte zu gewinnen, biete Sozius außerdem verschiedene Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf an, Weiterqualifizierungen, Gesundheitsvorsorge und eine tarifliche Vergütung.

Für Diana Markiwitz, Schweriner Verdi-Geschäftsführerin, liegt in einer angemessenen Bezahlung der Pflegekräfte tatsächlich ein wesentlicher Schlüssel, um den viel zitierten Pflegenotstand noch zu verhindern. Viele Arbeitgeber seien sich der Dramatik der Situation aber immer noch nicht bewusst, so die Gewerkschafterin. Derweil orientierten sich die ausgebildeten jungen Leute gen Westen, wo sie besser entlohnt würden.

Dennis Groth sieht seine Zukunft jedoch in Mecklenburg. Er will nach der dreijährigen Ausbildung seinem Betrieb die Treue halten. „Hier werde ich gebraucht“, sagt er.

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