Lübstorf : Pflegekosten steigen und steigen

Personalkosten und andere Verbesserungen werden in der Pflege von den Heimbewohnern und nicht von den Pflegekassen bezahlt.
Personalkosten und andere Verbesserungen werden in der Pflege von den Heimbewohnern und nicht von den Pflegekassen bezahlt.

In der Region werden höhere Ausgaben für Personal von den Bewohnern der Seniorenheime getragen

23-82601930_23-102879832_1542115014.JPG von
28. Oktober 2019, 09:41 Uhr

Es ist die dritte Erhöhung innerhalb der vergangenen vier Jahre. „Ab November muss meine Mutter 197 Euro mehr für ihren Platz im Pflegeheim in Schwerin zahlen“, sagt Petra Kreutzberg aus Zickhusen. Die Seniorin erhalte zwar eine vergleichsweise gute Rente und zusätzlich noch Witwenrente, trotzdem blieben ihr nach dieser Erhöhung nur noch 32 Euro im Monat für private Ausgaben. „Ich bin entsetzt. Mit so einer großen Erhöhung haben wir nicht gerechnet“, sagt die Tochter. In dem Pflegeheim werden statt 1684 Euro ab November 1892 Euro fällig.

Auch in anderen Seniorenheimen wie in Klein Welzin, im „Haus Petersberg“ in Pinnow, im „Haus am Sinnesgarten“ in Rampe oder im christlichen Altenheim in Crivitz steigen die Eigenanteile seit 2017 stetig an. Das geht aus dem Pflegenavigator der Krankenkasse AOK Nordost hervor. Woran liegt das?

Zunächst muss festgestellt werden, dass die Zahlen etwas irritieren. 2017 wurde nur der einrichtungseinheitliche Eigenanteil angegeben, während in den Kosten von 2019 zusätzlich noch die Azubiumlage, der Unterhalt und die Verpflegung sowie die Investitionskosten enthalten sind. Dennoch: „Seit Anfang 2017 sind die durchschnittlichen einrichtungseinheitlichen Eigenanteile in Pflegeheimen in Mecklenburg-Vorpommern um mehr als ein Drittel gestiegen“, sagt Markus Juhls von der AOK.

An den zusätzlichen Kosten ist ganz deutlich zu erkennen, dass alle Verbesserungen in der Pflege allein vom Bewohner getragen werden, so die übereinstimmende Auskunft der Heimbetreiber. Dazu gehören auch die gestiegenen Kosten fürs Personal. Mehrere hundert Stellen im Altenpflegebereich sind im Land unbesetzt. Wollen Träger gute Mitarbeiter für sich gewinnen oder langfristig binden, müssen sie höhere Gehälter zahlen. Zudem sorgte das Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals Anfang des Jahres für steigende Personalkosten.

Doch auch die Systematik der Pflegeversicherung steckt hinter den gestiegenen Eigenanteilen in den Seniorenheimen. Per Gesetz ist festgelegt, wie hoch der Anteil der Pflegekassen an den Heimkosten ist. Fallen nun höhere Kosten an, müssen die Bewohner diese alleine bezahlen – oder Sozialhilfe beantragen. Das belastet wiederum die Kommune. Die Anbieter stünden immer nur zwischen den Stühlen und müssten abwägen zwischen guter Pflege, als auch guten Arbeitsbedingungen, und den bei den Bewohnern verbleibenden Kosten dafür, klagen die Heimbetreiber in der Region. Sie fordern schon länger einen festen Anteil für die Bewohner. Alle steigenden Kosten wie Tariferhöhungen sollen von der Pflegekasse übernommen werden. Das diskutiert nun auch Sozialministerin Stefanie Drese mit ihren Länderkollegen.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen