Schutz von Schweriner Kindern : Pflegeeltern dringend gesucht

93 Schweriner Kinder leben derzeit in Pflegefamilien. Jährlich werden etwa 15 bis 20 Pflegeeltern gesucht.
93 Schweriner Kinder leben derzeit in Pflegefamilien. Jährlich werden etwa 15 bis 20 Pflegeeltern gesucht.

Schweriner Verein „Pro Kind“ versucht mit Einführungskursen Erwachsene für die Rolle von Ersatz-Müttern und -Vätern zu begeistern

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19. Februar 2018, 08:00 Uhr

Kinder sind schutzbedürftig. Sie brauchen Eltern beim Aufwachsen, die sich in sie einfühlen können. Nicht immer gelingt es leiblichen Eltern, ihrer verantwortungsvollen Rolle gerecht zu werden. Ist das Kindeswohl gefährdet, schreitet das Jugendamt ein. Die Kinder kommen dann zur Betreuung ins Kinderheim oder zu Pflegeeltern.

Der Schweriner Verein Pro Kind berät und begleitet seit 2000 Pflegeeltern. Er führt ab Mittwoch wieder einen „Vorbereitungskurs für Pflegeelternbewerber“ durch.

„Die Landeshauptstadt arbeitet seither ausschließlich mit unserem Verein, da sie die Arbeit bewusst ausgegliedert hat, um sie zu professionalisieren“, sagt Astrid Schmidt-Wielepp, Geschäftsführerin des Vereins. Fehlende Erfahrung bei der Erziehung sowie Krankheit oder Sucht seien die häufigsten Gründe, dass Kinder nach Überprüfung durch das Jugendamt vorübergehend zu Heim- oder Pflegekindern würden, so Astrid Schmidt-Wielepp. Doch das alles trete erst ein, wenn andere Erziehungshilfen des Jugendamts nicht ausreichen, um das Kindeswohl zu sichern.

Derzeit leben 93 Schweriner Kinder in Pflegefamilien. „Die meisten werden im Kleinkindalter vermittelt“, sagt Michaela Christen, die Sprecherin der Stadt. Etwa die Hälfte der vermittelten Kinder bliebe längerfristig in den Pflegefamilien. Astrid Schmidt-Wielepp weiß, dass die Pflege sogar bis zur Volljährigkeit gehen kann.

„Wir suchen dringend neue Pflegeeltern“, sagt Schmidt-Wielepp. Die Stadt Schwerin suche jährlich etwa 15 bis 20 geeignete Pflegefamilien. Die Ersatzeltern sollten Spaß am Umgang mit Kindern und viel Geduld bei der Betreuung der Pflegekinder mitbringen, damit es zu einer vertrauensvollen Bindung kommen könne.

Wichtig sei, dass die Pflegeeltern Liebe, aber auch Regeln beim Aufwachsen vermitteln können. Durch den Verein Pro Kind würden sie im Einführungskurs umfassend auf rechtlicher, pädagogischer und psychologischer Ebene geschult. Auch würden die Eltern nicht alleine gelassen, wenn sie dann zu Pflegeeltern geworden seien.

Je nach Motivation und Voraussetzungen potenzieller Pflegeeltern empfehle der Verein Kurzzeit- oder Langzeitpflege. Genau darüber werde im Kurs gesprochen. „Wem es sehr schwer fällt, Kinder schnell wieder loszulassen, der sollte die Langzeitpflege wählen“ erklärt Astrid Schmidt-Wielepp.

Sie ist davon überzeugt, dass Kinder bei Pflegeeltern im Regelfall gut aufgehoben sind, da auf das kindliche Bindungsbedürfnis eingegangen werde. „Pflegefamilien können individueller als Heime auf die Kinder eingehen“, sagt sie. Doch nicht jede Familie passe zu jedem Kind. Das Jugendamt nehme die Zuteilung deshalb meist mit Einverständnis der leiblichen Eltern vor. Notfalls aber auch per Gerichtsbeschluss.

„Es ist wichtig für angehende Pflegeeltern zu wissen, dass der Unterhalt des Pflegekindes gedeckt ist“, sagt Schmidt-Wielepp. Sie betont aber auch: „Pflegeelternschaft ist ein Ehrenamt.“

Angehende Pflegeeltern und Interessierte sind zum mehrwöchigen Abendkurs von „Pro Kind“ eingeladen. Beginn ist am Mittwoch, dem 21. Februar, um 18 Uhr. Er findet in den Räumen des Vereins in der Lübecker Straße 91 statt. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0385/7589564 möglich.

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