Schwerin : Pflastern auf Marienplatz dauert länger

<strong>Die Handwerker müssen beim Pflastern</strong> derzeit zwischen den einzelnen Abschnitten springen, weil die Steine nicht in der bestellten Reihenfolge in Schwerin ankommen. <foto>Foto: Klawitter</foto>
Die Handwerker müssen beim Pflastern derzeit zwischen den einzelnen Abschnitten springen, weil die Steine nicht in der bestellten Reihenfolge in Schwerin ankommen. Foto: Klawitter

Bisher war es die Vorzeige-Baustelle der Stadt. Auf dem Schweriner Marienplatz liefen die komplizierten Arbeiten planmäßig wie am Schnürchen. Doch jetzt kommt der Motor ins Stottern, der Ablaufplan gerät durcheinander.

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29. Juni 2012, 08:14 Uhr

Altstadt | Bisher war es die Vorzeige-Baustelle der Stadt. Auf dem Marienplatz liefen die komplizierten Arbeiten planmäßig wie am Schnürchen. Doch jetzt kommt der Motor ins Stottern, der Ablaufplan gerät durcheinander. Schuld daran sind chinesische Lieferanten.

In der Erde ist alles fertig. "Wasser, Abwasser, Fernwärme, Kommunikationsleitung - das ist alles abgeschlossen", sagt Baustellen-Koordinator Reinhard Henning. "Die Pflasterarbeiten können aber nicht in der Reihenfolge erledigt werden, wie es einst geplant war." Der Grund: Aus vier Steinbrüchen in China kommt das Material nicht so in Schwerin an, wie es vom Bauablauf her gebraucht wird - und wie es bestellt wurde. Steine mit Abmessungen, die noch gar nicht benötigt werden sind schon da, Steine in einer der vier Farben, die schon längst eingebaut werden sollten, fehlen noch. Die Folge: Busse und Bahnen werden erst ab dem 10. September wieder auf angestammten Spuren über den Marienplatz fahren können. "Wir wollen auf jeden Fall gewährleisten, dass die Buden zum Altstadtfest, das am 14. September beginnt, in der Mecklenburgstraße aufgebaut werden können", sagt Henning.

Die Franz-Mehring-Straße, die ursprünglich am 16. Juli wieder für den Autoverkehr freigegeben werden sollte, bleibt ebenfalls länger gesperrt, weil hier die Straßenbahnen in beide Richtungen durchfahren. "Das wird noch so bis zum 20. August bleiben, sagt Reinhard Henning.

Die Pflastersteine kommen im 14-Tage-Rhythmus in Deutschland an. Mitte August soll das gesamte Material da sein. Ab dann wird mit vier Kolonnen gearbeitet. Derzeit ist es nur eine, die Zahl der Arbeitskräfte wird aber nach und nach aufgestockt - je nach Bedarf. "Mehrkosten werden uns aber voraussichtlich nicht entstehen", sagt Reinhard Henning. Um die jetzigen Termine sicher zu stellen, war der deutsche Händler schon mehrmals in China, um dort Druck zu machen.

Warum die Pflastersteine ausgerechnet aus dem fernen China kommen müssen, erklärt der Baustellenkoordinator so. "Zwischen der Auftragserteilung und der ersten Lieferung lag eine sehr kurze Zeit von rund einen Vierteljahr. Da können nur die Chinesen liefern." Wäre der Auftrag beispielsweise nach Portugal oder sogar nach Deutschland gegangen, hätte es Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren gegeben. "Das hätte das ganze Umbauvorhaben gekippt."

Der Koordinator versichert auch, dass die Pflastersteine in China nach anerkannten sozialen Standards hergestellt werden. "Entsprechende Zertifikate mussten schon mit der Abgabe der Angebote vorgelegt werden." Kinderarbeit, wie vom Stadtvertreter Manfred Strauß befürchtet, gibt es für die Schweriner Lieferung nicht. "Wir müssen uns natürlich auf die Papiere verlassen, die die Händler uns vorlegen", sagt Henning. Er nimmt auch Gerüchten den Wind aus den Segeln, wonach chinesisches Pflaster wenig haltbar sei. Hintergrund sind Probleme in Wernigerode, wo Klein- und Mosaikpflaster aus chinesischer Grauwacke nach und nach zerbröselt. "Diese Probleme erwarten wir auf dem Marienplatz nicht."

Die ersten Pflasterflächen haben die Fachleute um Vorarbeiter Carlo Hen drizzi im Gleis vor dem Schlosspark-Center bereits fertig gestellt. "Wir sind mit der Qualität der Ausführung sehr zufrieden", sagt Henning. Allerdings muss das Pflaster vorerst noch abgedeckt bleiben, damit es nicht austrocknet und der Mörtel abbinden kann. Und wenn die letzten Steine im Gleisbereich verlegt sind, müssen auch erst noch einmal zehn Tage abgewartet werden, bis eine Bahn darüber fahren darf. "Wir werden alles daran setzen, dass der 30. November als Endtermin für die komplette Fertigstellung des Marienplatzes eingehalten wird."

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