MV-Verlag auf Buchmesse Leipzig : Petermännchen war nie in Schwerin

Von ihrer Arbeit begeisterte Rentner: Verlegerin Gisela Pekrul und Autor Herbert Remmel.
Von ihrer Arbeit begeisterte Rentner: Verlegerin Gisela Pekrul und Autor Herbert Remmel.

Herbert Remmel erzählt alte Sagen neu. Der Goderner Verlag präsentiert diese und weitere Neuerscheinungen auf der Leipziger Buchmesse

von
14. März 2018, 12:00 Uhr

Nun müssen die Schweriner stark sein: das Petermännchen hat nichts mit dem Schweriner Schloss zu tun. Das behauptet zumindest Autor Herbert Remmel, der gerade ein Buch mit neu erzählten Sagen der Region und ihren historischen Hintergründen veröffentlicht hat. Das 108 Seiten dicke Druckerzeugnis mit dem Titel: „Als ein Schinken vom Himmel fiel“ wurde gekonnt von der Schweriner Künstlerin Ines Höfs illustriert. Die Sagensammlung ist eine von 16 gedruckten Neuerscheinungen, die Gisela Pekrul aus Godern mit ihrem kleinen Verlag „Edition digital“ seit der Leipziger Buchmesse 2017 heraus gebracht hat. Morgen beginnt die Leipziger Buchmesse 2018 und die Goderner Verlegerin wird bei dem Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche, zu dem im vergangenen Jahr 208 000 Besucher kamen, zum zehnten Mal an einem Stand für ihre Bücher werben.

Angefangen hat alles 1994. Da wollte die studierte Mathematikerin neben ihrer Firma „EasyBrowse“, in der sie zusammen mit ihrem Sohn Software entwickelte und als Dienstleister großer Fachverlage für elektronische Publikationen arbeitete, auch einige literarische Titel als E-Books herausgeben. Mit ihrem Software-Verlag war Gisela Pekrul schon zu dieser Zeit regelmäßig auf den Buchmessen. Mit ihrem Eintritt ins Rentenalter verkauften Mutter und Sohn die erfolgreiche Firma. Aber offenbar langweilte sich die Seniorin, sie schrieb alle DDR-Autoren an, die sie kannte, und fragte, ob sie deren Bücher als E-Books herausbringen könne – und bekam ein überwältigendes Feedback. Seitdem hat Gisela Pekrul über „Edition digital“ 900
E-Books veröffentlicht. Inzwischen wagt sie sich auch an gedruckte Buchseiten, bisher ergaben diese 80 Bücher.

Information
Neuerscheinungen seit der Leipziger Buchmesse 2017
Brigitte Birnbaum: Der Kuckuck im Auto, Harry Schmidt: Eulenort, Johan Nerholz: Nadja Kirchner und die gefährlichen Wesen der Halbwelt, Claus Göbel: Humor an der Uni, Heinz Falkenberg: Zur Geschichte des letzten Obotritenfürsten Niklot, seiner Söhne und der alten Slawenburg Dobin, Erwin Johannes Bach, Aljonna und Klaus Möckel: Das Wunder von Leningrad, Lutz Dettmann: Wer glaubt schon an den Weihnachtsmann, Irma Köhler-Eickhoff: Vogelgezwitscher aus dem Garten am Wald, Claus Göbel: Ein Leben in drei Deutschlands, Siegried Maaß: Das Mädchen aus dem Spiegel, Peter Arlt: Traumläufe im Irrgang. Christiane Baumann: Die Tote im Pfaffenteich, Annegret Templin: Jakob und die Bienen,  Jakob und die Immen, Rudi Czerwenka: Abschied von Rostock, Erika und Jürgen Borchardt: Der Schweriner Schlossgeist Petermännchen. Die schönsten Sagen und Geschichten, Teil 1, Herbert Remmel: Als ein Schinken vom Himmel fiel

Reich wird die Seniorin mit der Herausgabe ihrer Bücher nicht, aber: „Der Verlag ist ein Kindheitstraum von mir“, erzählt die 74-Jährige. „Ich war als Kind eine Leseratte. In der Bibliothek in dem Dorf bei Leipzig, wo ich aufgewachsen bin, habe ich jedes neue Buch sofort ausgelesen. Aber meine Mutter sagte: ,Mach was Vernünftiges!’ Und deshalb habe ich Mathe studiert. Jetzt kann ich endlich den ganzen Tag lesen, jetzt ist es ja Arbeit.“ Und das ist es wirklich, die Ruheständlerin ohne Ruhe sitzt morgens ab 9 Uhr am Schreibtisch, gönnt sich nach dem Mittag ein Schläfchen, sitzt dann aber weiter bis zum Abend an ihren Büchern. „Außer, wenn meine Enkel da sind. Dann arbeite ich nicht“, erklärt sie strahlend. 130 Autoren vertritt die begeisterte Verlagsfrau, ihr Bestseller ist derzeit übrigens der Krimi „Die Tote im Pfaffenteich“ von Christiane Baumann. In dem Schwerin-Krimi wird Kommissarin Nora Graf aus Berlin an ihren Geburtsort Schwerin strafversetzt. Bereits 1000 Mal hat sich das Buch verkauft.

Herbert Remmel, kennt Gisela Pekrul aus der Gemeinde Pinnow. Dort ist der langjährige Redakteur des Mecklenburg-Magazins der SVZ als Ortschronist aktiv. Die Gemeinde ist Herausgeber des Sagenbuches. „Da wäre ich ja beleidigt gewesen, wenn sie sich wegen einer Veröffentlichung nicht an mich gewandt hätte“, sagt die Büchernärrin, die im Ortsteil Godern wohnt. Das Buch können Wanderer und Radler als Sagenführer für den 25 Kilometer langen Räuber-Röpke-Pfad rund um Pinnow verwenden, der 2017 eingeweiht wurde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen