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Power-For-Kids-Skandal in Schwerin : Peter Brill legt Vorsitz nieder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Eklat im Jugendhilfeausschuss kommt Linke-Politiker Abberufung zuvor

von
erstellt am 26.Sep.2016 | 13:30 Uhr

Seiner möglichen Abberufung auf der Stadtvertretersitzung heute Abend ist der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Peter Brill (Linke), zuvorgekommen. Am heutigen Morgen informierte Brill Stadtpräsident Stephan Nolte über seinen Rückzug.

Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses hatten ihn bereits vor Wochen zum Rücktritt aufgefordert und ihm ihr Misstrauen ausgesprochen. Aus ihrer Sicht hätte Brill nicht nur das Jugendamt, sondern auch den Ausschuss informieren müssen, als er im Februar 2015 vom Missbrauch von Kindern beim Verein Power for Kids erfahren hatte.

Zur Erinnerung: Ein Schulsozialarbeiter hatte sich damals an den Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses gewandt und ihn über den konkreten Vorwurf zweier Jungen informiert, dass der einstige Gründer von Power for Kids, Peter B., sie und weitere Kinder sexuell nötige. Dabei soll er laut Brill um Vertraulichkeit gebeten haben. Peter Brill suchte umgehend das Gespräch mit der Jugendamtsleiterin Caren Gospodarek-Schwenk, die ihren Abteilungsleiter hinzu zog. Für Brill war damit die Angelegenheit in den richtigen Händen. Dass nicht an dem war, ist längst klar. Die Führung der städtischen Behörde ließ Power for Kids und den inzwischen verurteilten Peter B. noch ein halbes Jahr weiter gewähren, ehe dank eines Elternteils Anzeige erstattet und Peter B. verhaftet wurde.

Dass Peter Brill den Jugendhilfeausschuss damals nicht informiert hatte, ist nachvollziehbar: Er hatte Vertraulichkeit zugesichert und das Handeln in die Verantwortung des Jugendamtes übergeben. Schwer erklärbar allerdings ist, dass sich Brill weiter stark gemacht hatte für den Verein Power for Kids – auch im Jugendhilfeausschuss. Spätestens da hätte er vom Missbrauchsverdacht berichten können – oder zumindest Bedenken anmelden oder um Rat fragen müssen. Das hat er nicht getan. Erst in der Aufklärungsarbeit nach der Verhaftung von Peter B. ist Brills Rolle bekannt geworden.

Viele Mitglieder des Jugendhilfeausschusses sahen dadurch keine Vertrauensbasis mehr. Bereits im Mai dieses Jahres hatte AfD-Stadtvertreterin Petra Federau als erste Brills Rücktritt gefordert. Anfang Juli sprach der Ausschuss Brill das Misstrauen aus und forderte ihn zum Rücktritt auf.

Dass sie nicht selbst seine Abwahl beantragten, liegt an einem einfachen Rechenspiel: Im Ausschuss arbeiten sechs Vertreter der freien Träger und neun Stadtvertreter. Zur Abwahl ist eine Mehrheit von acht Stimmen nötig. Da sich die freien Träger bei politischen Entscheidungen in der Regel enthalten, reichen die sieben Stimmen aller anderen Fraktionen gegen die zwei der Linken für eine Abwahl nicht aus.

Als Brill sein Mandat nicht niederlegte, eskalierte vor vier Wochen die Situation: Die Ausschussmitglieder verließen die Sitzung aus Protest. Damit war der Jugendhilfeausschuss praktisch arbeitsunfähig. Durch Brills Rückzug dürfte jetzt der Weg frei sein für Sacharbeit im Ausschuss.

Nach der Ankündigung der Jugendamtsleiterin, die Verwaltung zu verlassen, der Wahlniederlage von OB Angelika Gramkow ist Brills Aufgabe die dritte Personalie im Power-for-Kids-Skandal.

 

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