Kindesmissbrauch in Schwerin : Peter B. wird erneut angeklagt

Wieder geöffnet: „Power for Kids“
Wieder geöffnet: „Power for Kids“

Schweriner Staatsanwaltschaft wirft Gründungsmitglied von „Power for Kids“ weitere Fälle von sexuellem Missbrauch vor

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16. August 2016, 21:00 Uhr

Peter B. muss vermutlich wieder vor Gericht. Ein halbes Jahr nach seiner Verurteilung wegen jahrelangen schweren Kindesmissbrauchs klagt die Schweriner Staatsanwaltschaft das Gründungsmitglied des Vereins „Power for Kids“ erneut an. Dem 42-Jährigen wird 30-facher, größtenteils schwerer sexueller Missbrauchs von Kindern vor, in sechs Fällen in Tateinheit mit Vergewaltigung. Betroffen seien sieben Jungen um Alter zwischen 10 und 13 Jahren, sagte gestern die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Claudia Lange, gegenüber unserer Zeitung. Zwischen 2010 und August 2015 soll sich Peter B. an den Kindern vergangen haben. Dabei habe er seine Tätigkeit bei „Power for Kids“ als Leiter einer Tanzgruppe und Vertrauensperson ausgenutzt, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die die Anklage bei der Jugendkammer des Schweriner Landgerichts eingereicht hat. Verantworten müsse sich Peter B. auch wegen Nötigung, so Oberstaatsanwältin Lange. „Das Gericht hat jetzt über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden“, sagte sie.

Bereits im Februar dieses Jahres war Peter B. im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für den Verein „Power for Kids“ mit Sitz im Mueßer Holz durch das Landgericht wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern in zehn Fällen, sexuellen Missbrauchs von Kindern in 32 Fällen und versuchten sexuellen Missbrauchs von Kindern in elf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt worden, die er gegenwärtig verbüßt.

Anlass für die neuerlichen Ermittlungen seien unter anderem die Aussagen mehrerer betroffener Kinder aus dem ersten Strafverfahren gegen Peter B. gewesen, erklärte Lange. Sie hätten sich im Laufe der Hauptverhandlung ihren Eltern anvertraut und von weiteren, teilweise deutlich schwerwiegenderen sexuellen Übergriffen durch den Angeschuldigten berichtet, die sie aus Angst vor dem 42-Jährigen aber zunächst verschwiegen hätten. Die erneute Anklage gegen Peter B. stütze sich aber auch auf Angaben von Kindern, die im ersten Verfahren nicht zu den Betroffenen gezählt hätten, so Lange.

Die bisher bekannten Missbrauchsfälle bei „Power for Kids“ hatten neben juristischen auch schon politische Konsequenzen. Die Stadtvertretung setzte einen Sonderausschuss ein, der sich insbesondere mit der Rolle des Jugendamtes beschäftigte. Ergebnis: Die Sonderermittler sehen Fehler in der gesamten Führungsriege vom Abteilungsleiter über Amtsleiterin, Dezernent und Jugendhilfeausschuss-Chef bis zur Oberbürgermeisterin. Hinweisen auf weitere Missbrauchsfälle bei „Power for Kids“ sei nicht rechtzeitig nachgegangen worden, so dass weitere Vergehen an Kindern möglich geworden seien.

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