Schweriner Umzugspläne : Perzina-Saal: Es geht ums Geld

Die Stadtbibliothek ist längst ausgezogen. Künftig könnten hier die Stadtvertreter tagen und kulturelle Veranstaltungen geboten werden – wenn es für die Sanierung öffentliches Geld gibt.
Die Stadtbibliothek ist längst ausgezogen. Künftig könnten hier die Stadtvertreter tagen und kulturelle Veranstaltungen geboten werden – wenn es für die Sanierung öffentliches Geld gibt.

Fraktionen erwarten nach der Vorstellung der Idee, die alte Bibliothek zum Sitz der Stadtvertretung umzubauen, jetzt Konzept und Finanzplan

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30. November 2017, 05:00 Uhr

Wird die Landeshauptstadt wieder ein eigenes stadtgeschichtliches Museum bekommen? Und vor allem: Wie kann Schwerins Geschichte bis dahin präsentiert werden? Die Idee für Letzteres hatte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Rico Badenschier der Politik bereits vorgestellt. In den vergangenen Wochen hatten sich Kulturbüro-Leiter Dirk Kretzschmar und Stadtplaner Andreas Thiele bei Fraktionsbesuchen den Fragen der Kommunalpolitiker zum Thema gestellt.

Das ist die Idee: Die viel zu kleine Stadtgeschichtsausstellung zieht von den Schweriner Höfen in den Demmlersaal des Rathauses. Dort, wo ohnehin die Touristen sind, könnte die Stadtmarketing-Gesellschaft den Einlassdienst für die stadthistorische Schau über die Tourist-Information mitorganisieren und die Ausstellung in Stadtführungen einbinden.

Dafür müsste die Stadtvertretung einen neuen Tagungsort finden – den Perzina-Saal der ehemaligen Stadtbibliothek. Alle bisherigen Versuche, für das alte Bibliotheksgebäude einen Käufer zu finden, sind gescheitert. Warum es also nicht selbst herrichten und nutzen?

„Der hervorragende Saal mit seiner besonderen Atmosphäre und das Schweriner Konzert- und Theaterpublikum verdienen eine der ursprünglichen Bedeutung dieser kulturellen Stätte entsprechende Nutzung“, hatte sich der langjährige Schweriner Kultur- und Stadtchronist Horst Zänger gegen eine Umnutzung des Perzina-Saals zur Tagungsstätte ausgesprochen. Doch schließt das eine das andere aus? Und was sagen die Politiker?

Die Linke steht dem Anliegen offen gegenüber, erklärt Fraktionsvorsitzender Henning Foerster auf SVZ-Anfrage. Im Demmlersaal könnte zukünftig eine stadtgeschichtliche Ausstellung, am historischen Markt, im Zentrum der Stadt, präsentiert und betreut werden. „Das Perzina-Haus mit Hilfe der Städtebauförderung für eine neue Nutzung herzurichten, halten wir ebenfalls für eine gute Idee. Dabei ist es uns besonders wichtig, dass es hier nicht vordergründig um einen neuen Tagungsort für die Stadtvertretung geht, sondern darum, das Gebäude und vor allem den historischen Saal auch den Schwerinern für Veranstaltungen unterschiedlicher Art wieder zugänglich zu machen. Die Vertretung tagt sieben- bis neunmal im Jahr, der Hauptausschuss alle zwei Wochen. An allen anderen Tagen stünden der Saal und weitere Räume zur Verfügung.“ Und Foerster blickt schon voraus: „Wenn umgebaut wird, müssen daher Themen wie Empfangsbereich, Garderobe, Kantine, Barrierefreiheit und Tagungstechnik für Hörgeschädigte mit bedacht werden. Aus unserer Sicht sollte die Verwaltung jetzt weiter daran arbeiten, das Projekt finanziell und konzeptionell zu untersetzen.“

Letzteres ist auch der Tenor, den seine Fraktionschef-Kollegen teilen. „Die Stadtvertretung ins Perzina-Haus zu verlegen und eine ständige Stadtgeschichtsausstellung im Rathaus einzurichten, ist eine gute Idee, wenn sie finanzierbar ist. Das historische Perzina-Haus wird damit wieder sinnvoll genutzt. Ein klassisches Stadtgeschichtsmuseum wollen wir, wenn eine beschlossene Konzeption vorliegt und unsere Haushaltssituation es wieder zulässt“, so SPD-Fraktionschef Christian Masch.

Deutlich distanzierter reagierte CDU-Fraktionschef Sebastian Ehlers auf die SVZ-Nachfrage: „Bei uns wird die Idee eher kritisch gesehen. Der Vorschlag muss jetzt vor allem konzeptionell untersetzt werden. Außerdem müssen alle Kosten auf den Tisch. Es steht nämlich noch nicht fest, ob es Städtebaufördermittel gibt. Auch Fragen, wie die Parkplatzsituation am Perzina-Haus, müssen noch geklärt werden.“

Der offenen Punkte ist sich der Kulturdezernent bewusst, sagt er. Noch gäbe es gar keinen festen Fahrplan. „Wir haben Städtebaufördermittel für die Paulsstadt beantragt“, so OB Rico Badenschier. Das Gesamtvorhaben sei von einer Zusage abhängig. „Wenn wir wissen, wie viel Förderung wir bekommen können, werden wir auf solider finanzieller Basis ein Konzept entwickeln und es in die politischen Gremien geben“, sagt der Oberbürgermeister. In den Finanzplan für die Jahre 2019 und 2020 könnten die Investitionen dann eingearbeitet werden.

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