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Testlauf in Schwerin : Paule wählt den Oberbürgermeister

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wahlkampf mal anders: Jugendliche stellen OB-Kandidaten ungewöhnliche Fragen und machen auf ihre Probleme aufmerksam

von
erstellt am 07.Jul.2016 | 16:00 Uhr

Sie nennen sich „Stadtpiraten“, sind im Paulskirchenkeller zu Hause und wollen bei der Entwicklung der Stadt ein Wörtchen mitreden. Deshalb hat die Gruppe von Jugendlichen im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahl mit Unterstützung des Trägerverbundes I und der Flüchtlingshilfe ein Jugendforum mit den OB-Kandidaten im „Paule“ auf die Beine gestellt. Rund 70 Jugendliche kamen – und es war ganz anders als übliche Podiumsdiskussionen.

Zunächst mussten Dr. Rico Badenschier (SPD), Simone Borchardt (CDU), Angelika Gramkow (Linke), Anita Gröger (ASK), Silvio Horn (UB), Martin Molter (Die Partei) und Stefan Timm (Einzelbewerber) persönliche Charaktereigenschaften nennen, die aus den Buchstaben ihrer Vornamen entspringen, was für erheblichen Spaß sorgte.

Dann ging es unter der gut vorbereiteten Moderation der Jugendlichen Hannah und Marcus wie in einer Quiz-Show weiter. Wer zuerst die passende Antwort auf eine Frage parat hatte, musste auf den Buzzer hauen und bekam dafür die längste Redezeit. Die Kandidaten schlugen sich achtbar. Es gab Lacher, Applaus, Nachfragen, Widerworte und Antworten auf die – zum Teil nicht alltäglichen – Fragen der jungen Schweriner. Etwa nach kleinen Geheimnissen. Horn offenbarte, dass er wieder rauche, Gramkow erzählte, dass sie gerade zweimal in ihrer Stadt geblitzt wurde, und Gröger, dass sie manchmal durch die Mecklenburgstraße mit dem Fahrrad fahre. Die anderen hielten sich bedeckt.

Diskutiert wurde über eine Vielzahl von Themen: mehr bezahlbarer Wohnraum für Jugendliche in der Innenstadt, Ausbau des Hochschulstandortes Schwerin, Reaktion auf die Flüchtlingswelle und Integration der Neu-Schweriner, langfristige Absicherung der Jugendarbeit, Umgang mit Rechtsextremen, mehr Hotspots an öffentlichen Plätzen. Wirklich hitzig geführte Debatten gab es indes nur bei der Frage nach Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche in Schwerin. Der Streit entzündete sich an Graffiti in der Stadt. Horn betonte nachdrücklich, dass illegale Graffiti nicht zu verharmlosen seien, sondern ein Straftatbestand. „Ich weiß, dass ich mir mit meiner Position keine Freunde mache“, sagte er, vertrat aber dennoch offensiv diese Position. Genau wie Gramkow. Beide sprachen sich aber auch, genau wie die anderen Kandidaten, für mehr legale Flächen für Sprayer aus.

Das jugendliche Publikum war am Ende sehr zufrieden: „Super Sache. Man hat sonst ja kaum Kontakt mit den Leuten. Unterschiedliche Positionen wurden deutlich sichtbar“, resümierte Felix. „Dies war eine gute Möglichkeit, die Kandidaten und ihre Positionen zu bewerten. Da wurden Unterschiede sichtbar“, sagte Caroline.

Am Ende wurde gewählt. Neuer OB würde nach „Paules“ Votum Martin Molter, der in der Gunst der Jugendlichen vor Angelika Gramkow und Anita Gröger lag.

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