Dümmer : Parumer läuten das neue Jahr ein

Noch halten Andreas Vietense, Annett Noffke und Anja Dankert (v.l.) gemeisam das Parumer Glockenseil fest, doch zum Jahreswechsel zieht immer einer kräftig am Seil.
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Noch halten Andreas Vietense, Annett Noffke und Anja Dankert (v.l.) gemeisam das Parumer Glockenseil fest, doch zum Jahreswechsel zieht immer einer kräftig am Seil.

Wenn zum Jahreswechsel die Glocken in der Region erklingen, wird am Dümmer See Posaune gespielt und kräftig am Seil gezogen

svz.de von
31. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Andreas Vietense, Annett Noffke und Anja Dankert stehen vor der alten Holztür der Parumer Dorfkirche. Die Glocke im Inneren gibt keinen Ton von sich. Kann sie auch nicht – zumindest dann nicht, wenn sie keine menschliche Unterstützung bekommt. Denn das gegossene Klangwerk aus dem Jahr 1450 ist nur mit einem kräftigen Zug am Seil zu hören. „Da braucht man schon Kraft, damit ein Ton zu hören ist und die Klänge melodisch klingen“, erzählt Anja Dankert, Mitglied im Kirchengemeinderat. Gemeinsam mit den beiden anderen Ratsmitgliedern Andreas Vietense und Annett Noffke wird sie dabei sein, wenn zum Jahreswechsel pünktlich um 0 Uhr die Parumer Glocke erklingt und die Posaunenbläser ihre Lieder spielen.

Denn im kleinen Dorf Parum geht es wie in vielen anderen Orten der Region noch traditionell zu. Statt Raketen und Silvesterböller werden harmonische und wohl klingende Töne in den Nachthimmel geschickt. Dass Posaunentöne erklingen, dafür sind unter anderem Andreas Vietense und Annett Noffke zuständig. Vietense spielt seit 1985 im Posaunenchor mit, während der Schulzeit hat er Jagdhorn gespielt, doch die Posaunenklänge haben den 56-Jährigen immer fasziniert. Auch Annett Noffke kann auf eine lange Posaunen-Karriere zurückblicken. Dass Posaunenspiel am Silvesterabend gehört für sie dazu. Kurz nach halb 12 treffen sie sich vor der Kirche, um gemeinsam mit den anderen Posaunenchor-Mitgliedern einige Lieder zum Besten zu geben.

Nachdem diese Töne in den Nachthimmel geschickt wurden, geht es ans Glockenseil. Eine halbe Stunde soll dann das historische Gusswerk erklingen. „Wir wechseln uns ab. Einer kann das die ganze Zeit über gar nicht durchhalten“, so Andreas Vietense. Nicht nur der Parumer Andreas Kleine beherrscht das klangvolle Läuten der Glocken, sondern auch Nico Dankert. „Mein Ehemann hat das damals im Konfirmanden-Unterricht gelernt. Jeden Abend konnten sie zur Kirche kommen, die Glocke läuten und sich so ein Taschengeld dazuverdienen“, berichtet Anja Dankert von den Erzählungen ihres Ehemannes.

Nico Dankert wird auch am 31. Dezember an der Parumer Kirche dabei sein und am Glockenseil ziehen. Denn das Anläuten sei neben dem Stoppen der Glocke der schwierigste Part. Der Schlegel müsse anfangs nämlich so viel Schwung durch das Ziehen am Seil bekommen, dass er auch an beiden Seiten der Glocke anschlägt. Vor Jahrzehnten gab es im Parumer Glockenturm einmal drei Glocken. Die eine wurde 1918 verkauft, eine weitere während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen. Übrig blieb nur die Glocke aus dem Jahr 1450.

In Parum gibt es jedes Jahr einen festen Besucher-Kern, der beim Einläuten des neuen Jahres dabei ist. Aber auch Gäste sind eingeladen. „Es kamen auch mal Besucher aus Schwerin zu uns und haben sich die alte Tradition angeschaut“, so Andreas Vietense und schließt die Tür zum Glockenturm ab, damit die Glocke bis zum Neujahrs-Einläuten sicher verwahrt ist.

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