Schwerin und Tallinn : Partnerschaft mit Zahlen belebt

Festakt zu zehn Jahren Mathematik-Olympiade Schwerin – Tallinn: Organisator Georg-Christian Riedel (5.v.l.) konnte unter anderem Innen-Staatssekretär Thomas Lenz, den Verwaltungschef von Tallinn Toomas Sepp, den Konsul der estnischen Republik Jens Leisse und Schwerins Stadtpräsident Stephan Nolte begrüßen.
Festakt zu zehn Jahren Mathematik-Olympiade Schwerin – Tallinn: Organisator Georg-Christian Riedel (5.v.l.) konnte unter anderem Innen-Staatssekretär Thomas Lenz, den Verwaltungschef von Tallinn Toomas Sepp, den Konsul der estnischen Republik Jens Leisse und Schwerins Stadtpräsident Stephan Nolte begrüßen.

Gemeinsame Mathematikolympiade ließ die Zusammenarbeit von Tallinn und Schwerin in verschiedenen Bereichen wieder aktiv werden

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12. August 2016, 09:00 Uhr

Seit 1970 bestehen gute Kontakte zur estnischen Hauptstadt Tallinn. Dennoch dauerte es mehr als 20 Jahre, bis daraus mehr wurde: Am 11. August 1993 ist in Schwerin die Städtepartnerschaftsvereinbarung unterzeichnet worden. Darüber hinaus befördert der Freundeskreis Tallinn die Partnerschaft.

Doch neuen Schwung gab es erst 2004. „Der Freundeskreis war quasi inaktiv und bei uns im Internationalen Geschichtsverein, dem sich der Freundeskreis angeschlossen hatte, kam die Frage auf, wie es mit Tallinn weitergehen soll. Und da habe ich vorgeschlagen, dass wir die Mathematik-Olympiade gemeinsam machen können“, erinnert sich Georg-Christian Riedel, der diesen Schülerwettbewerb seit Jahren in Schwerin betreut.

Welcher Berg an Arbeit dadurch auf ihn zukommen würde, hatte Riedel damals nicht geahnt. Doch der Schweriner griff einfach zum Telefon und rief in Tallinn an. „Ja, ja, machen wir. Aber kommen Sie erst einmal her, haben sie da zu mir gesagt“, erinnert sich Riedel. „Ich glaube, die wussten nicht, ob sie mich ernst nehmen sollen.“ Die Schweriner Verwaltung ebnete den Weg, schlug Kontakte vor und Georg-Christian Riedel und sein ehemaliger Kollege Manfred Aleff reisten in die estnische Hauptstadt. Zurück kamen beide mit der Vereinbarung, nach einem Probelauf einer gemeinsamen Olympiade, gerechnet aber in Schwerin und in Tallinn, wechselseitig immer eine Klassenstufe für eine kleine Delegation in die Partnerstadt festzulegen.

Aber auch dafür war der Aufwand immens, erinnert sich Riedel. Die Aufgaben mussten beispielsweise erst mal übersetzt werden. Die Universität im estnischen Tartu half aus. Auch nach der Auswertung mussten dann kleine Preise und Urkunden hin- und hergeschickt werden. Im Jahr 2006 gab es den ersten Austausch von jeweils vier Schülern. In diesem Jahr konnte bereits die zehnte gemeinsame Mathematik-Olympiade begangen werden.

Und hat das die Städtepartnerschaft befördert? „Na klar!“, sagt Riedel. „Aus Bekanntschaften sind Freundschaften entstanden.“ Unternehmen wie die Stadtwerke oder die kommunale IT-Firma SIS kooperieren inzwischen, im Baubereich informieren sich Tallinner seit Jahren über die Erschließung von Wohn- und Gewerbegebieten und das Bauen am Wasser. Einige Abiturienten der beiden Gymnasien Tallinns, die ein deutsches Abitur anbieten, studieren inzwischen in Wismar und Rostock. Zu den Sängerfesten Tallinn fahren mittlerweile ebenso Schweriner wie zum Blumenfestival, wo der Schweriner Landschaftsarchitekt Matthias Proske regelmäßig Preise abräumt. Das Internationale Feuerwehrmuseum hat dank der Unterstützung von Georg-Christian Riedel eine eigene Tallinn-Vitrine. Die Zoos beider Städte haben Auszubildende für eine bestimmt Zeit ausgetauscht. Ausstellungen im Schleswig-Holstein-Haus zeigten estnische Kunst.

Alljährlich führt eine Delegation aus Tallinn auf dem Weihnachtsmarkt estnische Folklore auf. Bei einem Besuch von Schwerins Oberbürgermeister Norbert Claussen im Sommer 2006 sind verschiedene Projekte vereinbart worden, beispielsweise eine Kooperation der Filmfeste in beiden Städten und eine Unterstützung der Bewerbung Tallinns als Europäische Kulturhauptstadt 2011. Auch der Freundeskreis Tallinn ist wieder aktiv.

„Wir wissen aber noch nicht genau, ob es auch im nächsten Jahr eine Mathematik-Olympiade geben kann“, sagt Riedel. In Tallinn hätten Akteure der Zusammenarbeit eine neue Aufgabe übernommen oder seien in Rente gegangen. „Aber ich werde versuchen, die Partnerschaft fortzuführen.“

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