Roboter-Robbe in Schwerin : Paro begeistert Demenzkranke

Berit Baumotte ist zufrieden: Paro kommt bei der Bewohnerin gut an.
Berit Baumotte ist zufrieden: Paro kommt bei der Bewohnerin gut an.

Sozius und Augustenstift testen eine Roboter-Robbe für die Therapiebegleitung bei Demenzkranken – und sehen Erfolge.

svz.de von
01. Juli 2014, 21:00 Uhr

Paro ist zum Knuddeln. Der kleine weiße Kerl dreht seinen Kopf dorthin, wo gesprochen wird, öffnet die schwarzen Kulleraugen und gibt wohlwollende Laute von sich. Die an Demenz erkrankte Heimbewohnerin streichelt das Sattelrobben-Baby und wiegt es liebevoll  in den Armen. Doch Paro ist nicht echt. Es ist ein High-Tech-Roboter mit jeder Menge Sensoren und Mechanik unter dem flauschigen, antibakteriellen Fell. Und genau so soll es sein. Ergotherapeutin Berit Baumotte ist zufrieden.

Eine Woche lang testet sie Paro im Pflegeheim. Die Roboter-Robbe ist von japanischen Wissenschaftlern extra für die Therapiebegleitung von Demenzerkrankten entwickelt worden. Auf einer Weiterbildung hatte Ute Greve, Leiterin des Zentrums Demenz, von Paro erfahren und ihren Chef, Frank-Holger Blümel überzeugt, das Hilfsmittel in Schwerin zu testen.

„Der Bewohner soll mit Paro in Interaktion treten“, erklärt Berit Baumotte. „Er hilft Ängste und Aggressionen  abzubauen und Freude zu wecken.“ Und das klappte bereits in vielen Fällen. „Gerade bei Bewohnern im Frühstadium der Demenz weckt die Robbe Mutterinstinkte“, berichtet die Ergotherapeutin, die mit Kollegen auch erfolgreich die Tiertherapie mit Hunden im Augustenstift einsetzt. „Die Robbe soll nichts ersetzen, wir sind immer dabei. Aber sie kann neue Beschäftigungsideen geben und eine Brücke zum Dementen schlagen.“

Die Gefühlsveränderungen bei einigen Bewohnern seien sichtbar, berichtet Baumotte. Und Paro helfe zu beruhigen. Vielleicht auch, weil der Roboter ab und an rhythmisch vibriere. „Natürlich gab es im Kollegenkreis auch Bedenken“, berichtet die Therapeutin. „Was soll so ein lebloser Gegenstand schon bringen? Doch bislang sind wir alle erstaunt über die positive Wirkung auf unsere Bewohner.“ Und sie selbst habe sich dabei ertappt, wie sie auf dem Weg von einem zum anderen Bewohner Paro den Nacken kraulte.

Um eine Anschaffung von Paro gehe es momentan noch gar nicht, erklärt Baumotte.  „Aber wir müssen wissen, was als Hilfe alles möglich ist. Und Paro hilft im Bedarfsfall, ist aber nicht als Dauerlösung gedacht.“ Und im Gegensatz zur Tiertherapie ist Paro immer einsatzbereit und willig.

„Diese Entwicklung kann neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und als Unterstützung für Angehörige und Pflegende dienen“, sagt Ute Greve. Sie will heute von 17 Uhr an das Konzept im Schleswig-Holstein-Haus  vorstellen. Paro und ein Experte sind dabei. Anmeldungen sind nicht erforderlich. Nachfragen: Telefon 0385-52133818.

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