Schloss Wiligrad : Parkrundgang wie zu Herzogs Zeiten

Parkidylle herrscht am Rhododendronhain mit dem wiederhergestellten Teich und neu angelegten, geschwungenen  Wegen. Gartenbauingenieur Dietmar Braune und Jörg Neumann (l.) von der  Firma Breuer treffen letzte Absprachen. Werner Mett (2)
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Parkidylle herrscht am Rhododendronhain mit dem wiederhergestellten Teich und neu angelegten, geschwungenen Wegen. Gartenbauingenieur Dietmar Braune und Jörg Neumann (l.) von der Firma Breuer treffen letzte Absprachen. Werner Mett (2)

Die historischen Wege im Park rund um das Schloss Wiligrad nehmen wieder Konturen an. "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir viele Wege ganz neu anlegen", berichtet Dietmar Braune von der Schlösserverwaltung MV.

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05. September 2012, 11:26 Uhr

Wiligrad | Die historischen Wege im Park rund um das Schloss Wiligrad nehmen wieder Konturen an. "Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir viele Wege ganz neu anlegen", berichtet Diplom-Gartenbauingenieur Dietmar Braune von der Schlösserverwaltung MV. Vom Schloss zu den Überresten des Rhododendronhains und weiter zum Quellgebiet "Tre Fontane" schlängelt sich schon erkennbar ein Pfad, der zu Spaziergängen einlädt. Ob diese Wege nun exakt dort entstehen, wo Garten architekt Armin Skell und Bauherr Herzog Johann Albrecht diese am Ende des 19. Jahrhunderts angelegt haben, kann Braune nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen. "Wenn möglich, haben wir auf alte Unterlagen zurückgegriffen. Auch einige Luftbilder aus den 1950er-Jahren standen zur Verfügung." Doch das reichte nicht für jedes Detail. "Bei der Gesamtgestaltung haben wir versucht, die Handschrift Skells wieder aufzunehmen", erläutert Braune.

Für diese Neugestaltung mussten und müssen Bausünden aus DDR-Zeiten verschwinden. Da diente der Wiligrader Schlosskomplex als Schule der Volkspolizei. Der Schießstand wurde in das inzwischen wiederhergestellte Quellgebiet gesetzt. Ein gerader Postenweg durchschnitt die Parkanlage. Für die Munitionsbunker mussten viele Bäume weichen. Diese Bunker gibt es übrigens noch. Derzeit räumen die Archäologen die hier eingelagerten Schätze des Landes aus. Im Winter rückt der Abrisstrupp an. Danach kann auch dieser Teil des Schlossparkes neu gestaltet werden. "Da kommen wieder Bäume hin", erläutert Braune.

Doch zuvor geht es am Rhododen dron hain weiter. Ein Teil der mehr als 100 Jahre alten Pflanzen hat überlebt. Mit Fällaktionen kurz nach der Wende und bei der jetzigen Parksanierung wurden sie wieder ans Tageslicht geholt. Es sind aber nur Reste der einstigen Pracht. "500 Rhododendronbüsche werden neu gepflanzt", erläutert Braune. Um sie zu schützen werden aber auch hier junge Bäume gesetzt. Herzstück dieses Parkteiles ist eindeutig der Teich. Auch dieses Flachgewässer erhielt seine ursprüngliche Form und Struktur zurück. "Beim Ausbaggern sind wir auf die alten Tonlagen gestoßen", berichtet der Gartenbauingenieur. "Das war natürlich sehr hilfreich." Der Teich ist dabei mehr als ein Hingucker. Er ist zugleich ein wichtiger Teil bei der naturnahen Regenwasserregulierung im Park. Auch die musste komplett wiederhergestellt werden. Dafür wurde auch ein alter Weiher, der nur selten Wasser führt, von Wildwuchs befreit und so wieder sichtbar gemacht.

Bei all diesen sichtbaren Fortschritten der seit dem Vorjahr laufenden Parksanierung gibt es auch hin und wieder Rückschläge. Einen solchen mussten die Bauleute jetzt an zwei eigentlich schon fertigen Wegen am Steilhang hinnehmen. "Bei den extrem heftigen Niederschlägen Anfang August sind diese Wege weggespült worden", berichtet Braune. Sie müssen zum zweiten Mal von Grund auf erneuert werden. Zusätzlich werden weitere Querrinnen zur Ableitung von Regenwasser eingesetzt. Im Gegensatz zu dem seltenen Starkregen machte sich Dietmar Braune mehr Sorgen über die Zerstörung der neuer Wege an anderen Stellen: Noch immer gibt es Reiter, die am Ufer hoch zu Ross auf dem Wanderweg unterwegs sind. Dass die Hufe der Pferde die Wege beschädigen, wird nicht bedacht. "Es sind aber weniger Reiter geworden", stellt Braune fest. Stattdessen haben Biker die Wege am Steilufer entdeckt. Sowohl mit Mountainbikes als auch mit Crossmaschinen sind hier Unbekannte unterwegs. Zurück bleiben nur die Reifenspuren in der Oberschicht, durch diese kann aber Wasser in den Unterbau eindringen und die Wege schädigen. Braune ist konsterniert: "Dass so etwas hier nicht geht, dürfte eigentlich jedem klar sein."

Dessen ungeachtet soll der erste Bauabschnitt der Parksanierung in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Noch in diesem Herbst werden die Wege in der Uferzone ihrer Bestimmung und der Öffentlichkeit übergeben. Insgesamt ist vorgesehen, 19 Hektar des Wiligrader Schlossparkes zu sanieren. Das kostet 2,8 Millionen Euro. Das Land kann dieses Projekt umsetzen, weil ein Großteil des Geldes aus EU-Fördertöpfen kommt.

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