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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 21:41 Uhr

Senioren in Schwerin : Parkbänke als Notrufsäulen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seniorenbeirat schlägt Nummerierung der öffentlichen Sitzgelegenheiten vor, um Rettungskräften die Orientierung zu erleichtern

von
erstellt am 02.Aug.2017 | 21:00 Uhr

„Ja, warum eigentlich nicht?“ Siegfried Schwinn ist von der Idee überzeugt. Viel Geld müsse die Stadt nicht in die Hand nehmen – und im Falle eines Falles würde vielleicht sogar ein Menschenleben gerettet, sagt der Vorsitzende des Seniorenbeirats. Und darum geht es: Der Beirat schlägt vor, die öffentlichen Sitzbänke in der Stadt zu nummerieren, um dem Rettungsdienst bei einem Notfall die Orientierung zu erleichtern. „Man kann dann den Notruf wählen und sagen ,Ich sitze auf Bank 53, mir gehts nicht gut, kommen Sie schnell‘“, erklärt Schwinn. Die Mitarbeiter in der Rettungsleitstelle hätten eine Liste mit allen Bänken und wüssten sofort Bescheid, wohin sie den Notarzt schicken müssten. „Ist doch eine prima Sache“, sagt Schwinn.

Dr. Stephan Jakobi, zuständiges Fachdienstleiter bei der Stadt, kann sich für den Vorschlag des Seniorenbeirats allerdings nicht so recht erwärmen, verweist auf die bewährte Praxis des Rettungsdienstes. „Glücklicherweise haben wir in Deutschland ein gut funktionierendes System, das die Auffindbarkeit von Orten und Personen innerhalb einer Stadt anhand von Straßenbezeichnungen und Hausnummern sichert“, sagte er. Es sei bis dato auch kein Fall bekannt, dass der Rettungsdienst in Schwerin zu einer Sitzbank gerufen worden sei, um eine hilfebedürftige Person abzuholen, und diese nicht gefunden habe. „Bislang konnten noch alle Notfallorte entsprechend über Straßen oder in der Nähe gelegener Objekte lokalisiert werden“, betont Jakobi. Der Aufwand einer Bank-Nummerierung wäre aus seiner Sicht darüber hinaus enorm hoch, weil alle Orientierungspunkte in das bisherige System eingepflegt und ständig aktualisiert werden müssten. „Zudem müssten die Markierungen dauerhaft unterhalten werden, so dass sie immer gut lesbar sind“, kritisiert der Fachdienstleiter.

Und was sagen die Praktiker aus der Rettungsleitstelle, die täglich rund 1400 Anrufe aus ganz Westmecklenburg entgegennehmen? „Wir arbeiten nach der Technischen Richtlinie Notruf“, erklärt der stellvertretende Leiter, Bernd Wichmann. Darin sei genau geregelt, welche Standortinformationen bei einem Notruf mit der 112 automatisch an die Leitstelle übertragen würden. „So wird etwa bei einem Anruf aus dem Festnetz dem Mitarbeiter der Leitstelle die Postleitzahl, die Straße und die Hausnummer des Anrufenden angezeigt“, sagt Wichmann. Bei Notrufen aus dem Mobilfunk-Netz werde der Standort in einem Radius von mehreren Kilometern angegeben. „Auf richterlichen Beschluss kann jedoch auch eine genaue Ortung per Handy vorgenommen werden“, so der Vize-Leiter der Leitstelle. In aller Regel machten aber die Anrufer so präzise Angaben, das technische Hilfsmittel nur als Ergänzung benötigt würden, berichtet Wichmann. „Schließlich sind unsere Mitarbeiter ja auch darin geschult, die erforderlichen Informationen abzufragen.“ Irritationen gäbe es höchstens manchmal, wenn etwa eine Straße anders heiße als eine Haltestelle oder Anrufer sich erst verspätet meldeten und dann nicht mehr genau wüssten, wo sie was gesehen hätten, so der stellvertretende Leitstellen-Chef.

Wenig Chancen also für durchgezählte Sitzbänke? Bei der Buga 2009 habe es nummerierte Bänke und Laternen gegeben, sagt Wichmann. „Mittlerweile bietet aber die Technik bei weitem größere Möglichkeiten.“ So prüfe auch die Leitstelle in Schwerin die Voraussetzungen, um Standort-Koordinaten empfangen zu können, die per Nachrichtendienst WhatsApp über das Mobiltelefon gesendet würden, so der Vize-Leiter. „Und ein Handy hat doch heute eigentlich jeder.“


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