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Weltkulturerbe Schwerin : Paradies für Jäger und Hunde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor – Teil 21: Jägerhof und Berliner Tor

von
erstellt am 25.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Das Schweriner Stadtarchiv verwaltet seine historischen Akten in geschichtsträchtigen Häusern: Im Berliner Tor war es untergebracht, heute sitzt es im Jägerhof in der Stellingstraße. Archivar Rainer Blumenthal arbeitet dort seit vielen Jahren und weiß eine Menge Dinge über das Haus, die so nicht in Büchern stehen. SVZ ging mit ihm auf Spurensuche.

Im Jägerhof, wie der Name schon sagt, waren einst die großherzoglichen Jäger untergebracht – und ihre Hunde. Der Adel liebte die Jagd, am besten mit reicher Beute, so dass die „Wildtiere“, die den hohen Herren bei ihren Gesellschaften vor die Flinte kamen, zumeist vorher in Käfigen gehalten und erst zum Abschuss freigelassen wurden. Den Jägerhof zieren bis heute steinerne Tierköpfe – Hirsche, Rehe und Wildschweine. Früher sollen auf den Sockeln am großen Tor, das heute verschwunden ist, zwei riesige Hirschskulpturen gestanden haben, die später durch Jagdhundstatuen ersetzt wurden. Einer dieser Vierbeiner lagere heute wohl bei der Denkmalpflege, meint Blumenthal. Der andere steht treu im Hinterhof, an der Hausecke. Kopflos und pfotenlos erinnert er an glamourösere Tage. Seine Rasse lässt sich in diesem Zustand nicht mehr genau bestimmen, aber das Fell scheint gewellt.

Wenige Meter weiter, getrennt durch einen Zaun, zeigt Blumenthal auf das Fachwerkhaus, in dem die Hunde aus Fleisch und Blut zu Großherzogs Zeiten gehalten wurden. Heute gehört es dem Land – dort sind Werkstätten der Polizei untergebracht. Auch das Jagdzeughaus daneben ist in Landes- und Polizeihand. Elf Meter hoch ist der Innenraum, hat keine Decken und schmale Laufgänge an den Seiten, um Jagdnetze aufzuhängen, sagt Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten.

Das dritte Gebäude, das zum ursprünglichen Jägerhof gehört, befindet sich in Privathand. Es ist das Abbild des Stadtarchivs, von ihm getrennt nur durch Eichen und eine Blumenrabatte. Genau an dieser Stelle, vermutet Rainer Blumenthal, standen einmal Zapfsäulen. Denn im Jahr 1935 errichtete die Firma Eisenträger im historischen Komplex eine Tankstelle und eine Reparaturwerkstatt. 1968 baute die Volkspolizei auf dem Gelände neue Garagen und erweiterte die Werkstatt. Für 15 000 DDR-Mark kaufte 1976 die Stadt das Haus mit der Nummer 2 von der Firma Eisenträger ab. Drei Jahre später zog das Stadtarchiv dort ein. Die Nummer 3 gehört noch heute Eisenträgers Erben.

Einen Eindruck, wie prächtig das Ensemble ausgesehen haben muss, bekommt man, wenn man sich die alte Zeichnung im Treppenhaus des Archivs angesehen hat. 1855 wurde der „neue Jägerhof“ in Besitz genommen. Der alte befand sich dort, wo heute das Toilettenhaus in der Straßenbahn-Wendeschleife steht, sagt Blumenthal. Gebaut im 17. Jahrhundert, verfiel er, als die Residenz von Schwerin nach Ludwigslust verlegt wurde. 1850 wurde er abgerissen und durch einen Neubau nach Plänen von Hofbaumeister Hermann Willebrand ersetzt – mit Häusern für die Hofjäger, Zwingern für die Jagd- und Spürhunde, einer Wohnung für die Hundewärter und dem 1861 nachträglich gebauten Zeughaus. „Im Jägerhof manifestiert sich das hoheitliche Jagdrecht des Landesherren in unmittelbarem Umfeld des Schlosses“, schreibt Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach in seinem Welterbegutachten.





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