Baumfällung : Pappeln fallen lange vor Baustart

Viel Platz für den Ausbau des Schwarzen Grabens: Dafür wurden etwa 50 Pappeln wurden  gefällt.
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Viel Platz für den Ausbau des Schwarzen Grabens: Dafür wurden etwa 50 Pappeln wurden gefällt.

Der schwarzer Graben zwischen Schwerin und der Sude wird für vier Millionen Euro naturnah ausgebaut

svz.de von
10. März 2014, 12:00 Uhr

Im südlichen Bereich des Schwarzen Grabens rückten bereits im vorigen Jahr Bagger an, um das Gewässer zwischen Schwerin und seiner Einmündung in die Sude auszubauen. Doch im nördlichen Abschnitt des Gewässers ist der Baustart noch nicht in Sicht. Deshalb war der Sülstorfer Holger Rex sehr überrascht, als er bei einem Spaziergang rund ums Torfmoor zwischen Sülstorf und Alt Zachun auf eine große Anzahl frisch gefällter, großer Bäume stieß. Er fragt besorgt: „Soll so etwa die geplante Renaturierung des Baches aussehen?“

„Nein“, antwortet Hans Jammer-Lühr, Geschäftsführer vom Wasser- und Bodenverband Schweriner See – Obere Sude. „Aber die Baumfällungen gehören schon zu diesem Vorhaben.“ Noch im Februar wurden etwa 50 Pappeln am Ufer des Schwarzen Grabens gefällt. Und das geschah nicht nur nahe Sülstorf, sondern auch bei Alt und Neu Zachun. Damit wurde jetzt Baufreiheit geschaffen, obwohl die eigentlichen Arbeiten noch gar nicht vergeben sind. „Die Ausschreibungen dazu werden derzeit vorbereitet“, ergänzt Jammer-Lühr. Doch da von März an solche Fällarbeiten aus Naturschutzgründen nicht mehr möglich sind, musste schon jetzt die Säge angesetzt werden. Das alles war mit den Umweltbehörden abgestimmt. Die Pappeln am Schwarzen Graben waren zudem zum Problem geworden. Denn die Bäume hatten schon ein stattliches Alter. Immer wieder fielen einzelne Exemplare ins Wasser, behinderten so den Abfluss in Richtung Sude. „Als wir an die Feinplanung gingen, haben wir uns daher die Pappeln genauer angeschaut“, berichtet Jammer-Lühr. Ein Gutachter bestätigte, dass die Gehölze ihren Lebenszenit bereits überschritten hatten. Damit ist hier jetzt der Weg frei, den Schwarzen Graben naturnah auszubauen. Ungefähr vier Millionen Euro soll das kosten. Gebaut wird auf einer Länge von rund 15 Kilometern – in diesem und auch noch im nächsten Jahr. Danach soll der Schwarze Graben deutlich mehr Wasser von Schwerin in Richtung Sude transportieren können. Die Fachleute reden von einer „Ableitungskapazität von 1000 Litern pro Sekunde“. Das sind 400 Liter mehr als jetzt. Damit kann der Schwarze Graben mehr geklärtes Abwasser aus Schwerin-Süd aufnehmen und abtransportieren. Das wiederum ist wichtig, damit sich das Schweriner Industriegebiet Göhrener Tannen entwickeln kann. Hinzu kommt abfließendes Regenwasser von Feldern und auch den Dörfern der Region.

Doch auch die Natur soll von der Sanierung des Gewässers profitieren: Alte Wehranlagen verschwinden. Diese werden durch Durchlässe und Fischtreppen ersetzt. Zu den Fischarten, die derzeit im Schwarzen Graben leben, könnten sich so auch Plötze, Döbel und Finte gesellen.

Und auch neben dem Schwarzen Graben sollen in Zukunft wieder Gehölze wachsen. Die helfen den Fachleuten vom Wasser- und Bodenverband. Denn im Schatten einer Hecke kann sich im Wasser nicht so viel Kraut entwickeln. „Pappeln werden wir aber nicht wieder anpflanzen“, betont Jammer-Lühr. Diese schnell wachsenden Bäume wurden zwar vor 50, 60 Jahren häufig an Gewässer gesetzt. Aus heutiger Sicht war und ist das nicht so gut: Denn Pappeln sind Flachwurzler und werden schon nach 40 Jahren brüchig.

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