Schweriner Zoo : Papagei-Dame Fritzi trägt einen Pulli

Ein Herz und eine Seele: Gelbbrust-Ara Fritzi sucht ständig die Nähe von Tierpfleger Sebastian Rehse.
Ein Herz und eine Seele: Gelbbrust-Ara Fritzi sucht ständig die Nähe von Tierpfleger Sebastian Rehse.

Gelbbrust-Ara im Schweriner Zoo sieht ein bisschen gerupft aus – und hat einen Wortschatz, der schon mal Fördermittel für den Tierpark gefährden kann

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04. August 2016, 12:00 Uhr

„Hallo“, „Na, Du“, „Wie gehts?“ – Papagei-Dame Fritzi hat so einige Begriffe drauf. „Auch Schimpfwörter, die man nicht zitieren kann“, sagt Tierpfleger Sebastian Rehse und lacht. Als die damalige Finanzministerin Sigrid Keler in den 90er-Jahren mal dem Schweriner Zoo besuchte, musste Fritzi kurzerhand die Versammlung verlassen, um künftige Förderbescheide nicht zu gefährden.

1990 kam der Gelbbrust-Ara mit dem besonderen Wortschaft erstmals in den Zoo – aus privater Hand, wie Direktor Dr. Tim Schikora betont. Zwei oder drei Jahre alt war Fritzi seinerzeit. 2003 wurde sie dann noch einmal vorübergehend an einen privaten Eigentümer vermittelt. „Diese Zeit hat dem Vogel aber nicht gut getan“, sagt Schikora. Weil sie offenbar keine feste Bezugsperson gefunden habe, sozial vereinsamt sei, habe Fritzi damit begonnen, sich ihre Brustfedern herauszuzupfen – und diese Angewohnheit auch später nach ihrer Rückkehr in den Zoo beibehalten.

So schaut der Papagei ein bisschen gerupft aus, trägt handgehäkelte Pullis mit dem Zoo-Emblem. Ihren Partner fürs Leben hat Fritzi im Zoo aber gefunden: Tierpfleger Sebastian Rehse. Ein Herz und eine Seele sind die beiden. Die Papagei-Dame geht Rehse nicht von der Schulter, knabbert mit Vorliebe an seinen Haaren, flüstert ihm etwas ins Ohr, sucht seine Nähe.

Einquartiert ist Fritzi bei der Futterwirtschaft des Zoos. Besucher sehen sie immer, wenn Sebastian Rehse mit ihr durch den Tierpark spaziert. Fremden begegnet sie aber durchaus mit einer gewissen Distanz, vielleicht auch Vorsicht. Gelbbrust-Aras, die sich hauptsächlich von Früchten ernähren, könnten ohne weiteres 40 Jahre und älter werden, sagt Zoo-Direktor Schikora. Wird Fritzi auf ihre alten Tage noch einmal eine eigene Voliere bekommen? „Fritzi würde sich allein in einer große Voliere nicht wohlfühlen. Wir wissen aber auch nicht, ob sie sich mit anderen Papageien verträgt“, so Schikora.

Mehrere Jubiläumsfeiern hat Fritzi, deren Artgenossen in Südamerika beheimatet sind, im Schweriner Zoo schon mitgemacht. Auch beim Fest zum 60-jährigen Bestehen des Tierparks im vergangenen Monat war sie dabei, meldete sich zu
Wort, als Wirtschaftsminister Harry Glawe den Förderbescheid für die neue Löwenanlage überreichte. Doch keine Panik: Fritzi rief nur „Hallo“. Der Minister nahm es mit Humor.

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