Brauch schwappt nach Schwerin : Paare schließen Liebesschwüre

Noch sehr vereinzelt hängen die Liebesschlösser an der Brücke zum Schlossgarten.
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Noch sehr vereinzelt hängen die Liebesschlösser an der Brücke zum Schlossgarten.

In Schwerin hängen etwa zehn Liebesschlösser und führen noch ein relativ unbeachtetes Dasein. In Köln zieren schon tausende die Hohenzollernbrücke. In Paris wiegen sie so schwer, dass die "Pont des Arts" darunter ächzt.

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27. Oktober 2013, 09:13 Uhr

Schwerin | In Schwerin hängen etwa zehn Liebesschlösser. In Köln zieren schon tausende die Hohenzollernbrücke. In Paris wiegen die metallenen Schwüre schon so schwer, dass die "Pont des Arts", die den Louvre und das linke Seine-Ufer verbindet, darunter ächzt. In der französischen Hauptstadt schlagen die Behörden bereits Alarm, in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern führen derartige Liebesbeweise noch ein relativ unbeachtetes Dasein.

Irgendjemand hat vor Wochen damit angefangen, sein Liebesschloss an die Fußgängerbrücke zum Schlossgarten anzuhängen. Mittlerweile schlossen sich mehrere Nachahmer an. Spezielle Vorhängeschlösser können im Internet bestellt werden und kosten mit individueller Gravur um 20 Euro. Während die Liebesschwüre in Paris bereits mehrere Tonnen wiegen, fallen sie an der Schweriner Schlossbrücke noch kaum ins Gewicht. Aber wo hat dieser Brauch überhaupt seinen Ursprung?

Alt ist er jedenfalls noch nicht und stammt wahrscheinlich aus Europa, sehr wahrscheinlich Italien. In Florenz sollen die Absolventen der dortigen Sanitätsakademie San Giorgio die Schlösser von ihren Spinden an einem Gitter des Ponte Vecchio befestigen. Liebespärchen trugen den Brauch nach Rom und befestigten Vorhängeschlösser an der Milvischen Brücke. Die Schlüssel werfen sie mit den Worten "per sempre", also "für immer", in den Fluss Tiber - in Schwerin landen die Schlüssel wohl eher im Burgsee.

Überall in Europa stoßen aufmerksame Beobachter mittlerweile auf den liebesvollen Brauch: in Vrnjacka Banja in Serbien angeblich seit dem Ersten Weltkrieg, im ungarischen Pécs seit den 1980er-Jahren am eisernen Stadtzaun, in Deutschland seit 2008 an der Kölner Hohenzollernbrücke. Inzwischen sind es in der Rheinmetropole mehrere zehntausend Schlösser, die es auf der Eisenbahnbrücke auf ein erhebliches Gewicht bringen. Mittlerweile schwappte der Brauch in fast jede deutsche Stadt. Die Verliebten bevorzugen für ihr Schwurritual vor allem Brücken als Zeichen ihrer "Verbindung". Damit die Schlösser nicht zu viel Schaden anrichten wie an der Pariser "Pont des Arts", haben einige Städte bereits Vorrichtungen als Ersatz aufgestellt. In Heidelberg steht ein "Liebesstein" mit Ösen, an den Pärchen ihre Schwüre anbringen sollen. In Schwerin ist man davon wohl noch weit entfernt.

Sowohl Schlösser als auch Schlüssel fallen in der Landeshauptstadt noch kaum ins Gewicht.

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