zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

20. November 2017 | 18:24 Uhr

Bauen in Schwerin : Ortsbeirat halbiert Baupläne

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Statt 160 sollen im Wickendorfer Westen nur 80 Eigenheime neu entstehen dürfen / Hauptausschuss muss jetzt entscheiden

von
erstellt am 20.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Im Feuerwehr-Haus von Wickendorf brannte die Luft. Eine Sorge der Anwesenden wenigstens konnte Stadtplaner Andreas Thiele zerstreuen. Wer jetzt schon westlich der Seehofer Straße wohne, werde für die Erschließung des neuen Wohngebietes nicht zur Kasse gebeten, sagte er. Wacker stellte sich der Verwaltungsmann der Diskussion. In Wickendorf brodelt es, bis auf den letzten Platz gefüllt war der kleine Saal bei der Sitzung des Ortsbeirates am Mittwochabend. Rund 40 Eigenheime sollten auf einer Fläche nördlich des Feuerwehr-Hauses entstehen, so sahen es die ersten Pläne der Stadt vor. Doch nun soll das Gebiet erweitert werden – für noch einmal etwa 120 Häuslebauer. Die Wickendorfer haben Angst um den dörflichen Charakter ihres Stadtteils, sehen Baulärm und zusätzlichen Verkehr auf sich zukommen.

Zunächst seien es nur städtische Flächen gewesen, auf denen gebaut werden sollte, dann habe aber auch die Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG) ihr Interesse an dem Verkauf benachbarter Flächen bekundet, erklärte Thiele. Und in der Stadt würde Platz zum Bauen benötigt. „Jedes Jahr müssen 100 bis 200 Wohneinheiten neu geschaffen werden“, sagte der Stadtplaner mit Blick auf den Zuzug.

Über den Stichweg, an dem jetzt auch das Feuerwehr-Haus liegt, soll das neue Baugebiet erschlossen. Die Straße müsse verbreitert werden, fürchten die Wickendorfer. Thiele wies auch diese Sorge zurück. Überhaupt werde es mindestens eineinhalb Jahre dauern, bis die ersten Bagger rollten. Dass die Stadt die Pläne für ein weniger umstrittenes Baugebiet zwischen Wickendorf und Medewege habe fallen lassen, begründete der Leiter des Fachdienstes für Stadtentwicklung mit dem Vogelschutz. Die Stadt habe den Wickendorfern schon so viel versprochen, wetterte ein Bürger. „Aber es reicht noch nicht einmal für einen Straßenspiegel.“

Nach eineinhalbstündiger Debatte dann die Überraschung: Der Investor outete sich. Walter Wiese, schon an mehreren Stellen in Schwerin aktiv, will auch das Gebiet in Wickendorf entwickeln, gab sich kompromissbereit. Für Wickendorfer, die jetzt noch Gartenland im künftigen Baugebiet gepachtet hätten, finde sich eine Lösung, versicherte er.

Am kommenden Dienstag wird sich der Hauptausschuss der Stadtvertretung mit dem Thema befassen. Bau- und Umweltausschuss haben für die Aufstellung des Bebauungsplanes schon grünes Licht gegeben. Der Ortsbeirat versucht nun, zu retten, was noch zu retten ist. Einstimmig lehnten die Mitglieder die Beschlussvorlage zur Erweiterung des Baugebietes ab. In einem Änderungsantrag formulierten sie ihre Bedingungen: nicht mehr als 80 Wohneinheiten insgesamt, Fokus auf dörflichen Charakter, Anpassung der Infrastruktur, Vorkaufsrecht für Gartenpächter.

Wie wird der Hauptausschuss entscheiden? Dazu wolle er keine Prognose abgeben, sagte Stadtplaner Thiele. Nach fast drei Stunden Diskussion rollte er seine Pläne ein, nahm seine Wasserflasche und verließ das Feuerwehr-Haus, in dem die Luft gebrannt hatte.

 

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen