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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 08:47 Uhr

Krankenhaus-Panne : Ohne Papiere aus Klinik entlassen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Betreuerin der demenzkranken Patientin stand eine Woche ohne Krankenkassenkarte und Medikamentenliste da

von
erstellt am 19.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Dass in einem Großbetrieb wie den Helios-Kliniken in Schwerin auch Pannen passieren, ist nicht verwunderlich. Gerade während der Feiertage, wenn weniger Personal zur Verfügung steht, erhöht sich die Gefahr, Fehler zu machen. Das Beispiel der 78-jährigen Elli P. zeigt jedoch, dass manche Probleme wohl hausgemacht sind. Der harte Sparkurs scheint auch zu Lasten des Personals zu gehen.

Betreuerin B. ist immer noch empört: Als die 78-jährige Elli P. am 2. Januar aus dem Klinikum in ihre Pflege entlassen wurde, trug die an Demenz erkrankte Frau nur ihre persönlichen Sachen. Sämtliche Papiere fehlten. „Es hatte gerade das neue Quartal begonnen und ich hatte für Frau P. keine Chipkarte, keine Medikamentenliste, überhaupt nichts“, berichtet die Pflegerin. Dabei hatte sie extra eine Tüte mit der Aufschrift „Für persönliche Papiere“ im Beistelltisch platziert. In derselben Schublade hätten sich Krankenkassenkarte, Patientenvollmacht und Taschentücher befunden.

Mehrere Telefonate brachten Frau B. nicht weiter. Niemand auf der Station, auf der Elli P. gelegen hatte, konnte helfen. Am Montag darauf, am 5. Januar, fuhr die Pflegerin deshalb direkt ins Helios-Klinikum. Die Stationsleitung hatte aber keine Papiere für sie. Unverrichteter Dinge und reichlich verärgert musste Frau B. wieder gehen.

Inzwischen scheint der Vorgang geklärt. Offensichtlich hat die Schwester bei der Entlassung der demenzkranken Patientin den Inhalt des Beistelltisches übersehen. Den fand erst später der Reinigungsdienst und brachte die Papiere ins Schwesternzimmer. Wer was dann damit getan hat, ließ sich nicht abschließend klären. Fakt ist: Am Dienstag, 6. Januar, gingen Chipkarte, Medikamentenliste und jeweils ein Brief für die Hausärztin und die behandelnde Fachärztin per Post an Frau B., die alles am Mittwoch erhielt. „Es ist mir ein Rätsel, weshalb ich nicht Montag alles bekommen habe, als ich auf der Station war“, erzürnt sich B. Auch sei es ihr unverständlich, dass die Arztbriefe unverschlossen verschickt wurden.

Die Helios-Kliniken wollen sich jetzt für das Verständnis von Frau B. bedanken, sagt Kliniken-Sprecher Christian Becker. Es sei bedauerlich, dass die persönlichen Papiere bei der Entlassung übersehen wurden. Allerdings hätte die Schwester der Patientin „ausreichend Medikamente mitgegeben, so dass sie gut übers Wochenende kommen konnte“. Und dass die Krankenkassenkarte mit den Arztbriefen dann nach Hause geschickt werde, sei üblich.

Nach SVZ-Recherchen ist „üblich“ aber offensichtlich glücklicherweise nicht Alltag. Mehrere Stationsärzte bestätigten gegenüber unserer Redaktion, dass zuerst angerufen und nach ihrer entsprechenden Entschuldigung gefragt werde, wie mit der Chipkarte zu verfahren sei. Manche Patienten oder deren Betreuer würden die Karte lieber abholen. Nicht selten würde eine in der Nähe wohnende Krankenschwester die Karte auch zu Hause vorbeibringen.

Das alles ist im Fall von Elli P. nicht passiert. Vielleicht lag es auch daran, dass während der Feiertage mehrere Stationen kurzerhand zusammengelegt wurden? Viele Angehörige holen zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel Patienten nach Hause. Um Geld zu sparen, fasst Helios dann Fachbereiche zusammen. So muss nur das Personal für eine Station Dienst leisten. Über den Jahreswechsel lag Elli P. so mit Patienten aus vier anderen Fachkliniken auf einer Station. Kam da einiges durcheinander?, fragt Pflegerin B. Anders seien ihr solche Aussagen wie „Die Schwester half bei der Entlassung der Patientin beim Packen“ nicht zu erklären. Elli P. könne jedenfalls nichts packen, auch nicht mit Hilfe.

Für Betreuerin B. und Patientin P. ist das nicht der erste Ärger mit den Schweriner Helios-Kliniken: Im vergangenen Jahr war der Rollstuhl nach der Einlieferung in die Notaufnahme abhanden gekommen.

 

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