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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. Oktober 2017 | 13:27 Uhr

Schweriner Wohnungsmarkt : Ohne Bürgen geht es nicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lissi Amberg macht sich Sorgen: Ihre Tochter beginnt bald ihre Ausbildung zur Friseurin, hat es aber schwer eine Wohnung zu finden

von
erstellt am 24.Aug.2017 | 05:00 Uhr

„Meine Tochter hat eine Lehrstelle, findet aber keine Wohnung“, berichtet Lissi Amberg aus Dömitz. Ihre Tochter Laura möchte am 1. September eine Ausbildung zur Friseurin in Schwerin beginnen. Sie hat nur ein Problem: „Die Vermieter wollen eine Bürgschaft“, erklärt Amberg. Die können Lauras Eltern aber nicht ausstellen. „Ich bin Hausfrau und mein Mann verdient nicht genug, um eine Bürgschaft zu unterschreiben“, führt die zehnfache Mutter weiter aus. Sie wisse nicht mehr weiter, ist verzweifelt. „Ich habe Zukunftsängste. Wird es bei allen meinen Kindern so schwierig sein, eine Wohnung zu finden?“, fragt sich Lissi Amberg. Denn auch bei ihrer ältesten Tochter sei es im vergangenen Jahr nicht ohne Komplikationen gelaufen. „Gebürgt hat schlussendlich mein Schwiegervater.“

Das Jobcenter Schwerin übernimmt jedenfalls keine Bürgschaft. Hintergrund sei die abschließende Normierung der Leistungen im SGB II, heißt es auf SVZ-Nachfrage. Gemeint ist, dass im zweiten Sozialgesetzbuch die Grundsicherung des Arbeitsuchenden geregelt ist, wie etwa die Kosten für die Unterkunft – jedoch nicht die Bürgschaft. „Mit einer Bürgschaft wird auch für Beschädigung der Mietsache, Schönheitsreparaturen und ähnliches gehaftet“, erklärt Ronald Wenk, Sprecher des Jobcenters. Hierfür existiere keine gesetzliche Grundlage. Allerdings könne man für die Mietkaution ein Darlehen beim Jobcenter beantragen. „Soweit ich weiß, werden durch die großen Vermieter, wie etwa die WGS und SWG, Bürgschaften in der Regel nicht verlangt“, sagt Wenk.

Doch das ist ein Trugschluss. Die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) will sich nämlich absichern: Will ein Jugendlicher für den Zeitraum der Ausbildung eine Wohnung bei der WGS anmieten, muss er den Ausbildungsvertrag mitbringen sowie einen Bürgen oder eine schriftliche Bürgschaftserklärung der Eltern zur Sicherung der Zahlung der erforderlichen Miete. „Und weitere Unterlagen über das BAB oder dem BAFÖG sind notwendig“, berichtet eine Mitarbeiterin der Wohnungsgesellschaft. Ohne dies, ginge es einfach nicht.

Insgesamt verfügt die WGS über 1  050 Ein-Raum-Wohnungen im Stadtgebiet. Hiervon stehen gegenwärtig 30 Wohnungen leer. „Unser Unternehmen stellt für Azubis Jugend-WG-Wohnungen zur Verfügung“, heißt es auf SVZ-Nachfrage. Gegenwärtig verfügt die WGS über fünf derartige Wohnungen mit je vier Zimmern. Allerdings seien alle Zimmer belegt.

Sucht man online bei der Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) nach Ein-Raum-Wohnungen findet man derzeit vier Stück. „Uns wurde gesagt, dass wir auch hier einen Bürgen brauchen“ sagt Lissi Amberg frustriert. „Richtig. Ist die Wohnungssuchende unter 18 Jahren brauchen wir zwingend einen gesetzlichen Vertreter“, berichtet Karin Vetter, Abteilungsleiterin Vermietung bei der SWG. Denn ein Minderjähriger ist noch nicht voll geschäftsfähig. „Sucht ein junger Mensch, der bereits 18 Jahre alt ist, nach einer Wohnung, ist eine Bürgschaft nicht zwingend erforderlich. Da machen wir dann schon einmal eine Ausnahme“, erklärt sie.

Für Lissi Amberg und ihre Tochter weiß Dr. Petra Gansen von der Handwerkskammer Schwerin einen Ausweg: „Wir haben ein Wohnheim, in dem die junge Frau gerne übergangsweise unterkommen kann.“ Dann könne sie in Ruhe die Lehre beginnen und vor Ort nach einer geeigneten Wohnung suchen. So entspanne sich die Lage zunächst einmal und der Druck wäre raus.

Beim Überbringen der guten Nachricht berichtet Lissi Amberg, dass es zwischenzeitlich mit einer kleinen Wohnung geklappt hat. „Eine Freundin der Familie hat nun doch gebürgt“, erklärt sie.

Informationen zum Wohnheim gibt es im Internet unter www.btz-schwerin.de, dem Reiter „Service“ folgend.

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