Fair im Stadtverkehr : „Öfter die Perspektive wechseln“

Diskutierten über den Radverkehr: Jenny Schwabe, Anke Wedlich, Dr. Hagen Brauer, Lothar Matzkeit, Volker Schulz, Malte Burwitz, Timo Weber und Dr. Bernd-Rolf Smerdka (v.l.).
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Diskutierten über den Radverkehr: Jenny Schwabe, Anke Wedlich, Dr. Hagen Brauer, Lothar Matzkeit, Volker Schulz, Malte Burwitz, Timo Weber und Dr. Bernd-Rolf Smerdka (v.l.).

Polizeibeamtin Jenny Schwabe empfiehlt aufgebrachten Verkehrsteilnehmern, sich auch in die Rolle des anderen zu versetzen

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10. Juli 2015, 12:00 Uhr

Die spontane Hilfe bei der Reifenpanne, der freundliche Kontakt über die Mitfahrzentrale, die launige Begegnung zwischen Radler und Hundefreund am Morgen – den Alltag im Verkehr bestimmen viele fröhliche Geschichten. Doch berichten möchten die Schweriner offenbar eher über das, was sie ärgert. Nur wenige „positive Erlebnisse“ von SVZ-Leser erreichten in der „fairen Woche im Straßenverkehr“ unsere Redaktion. Auch Jenny Schwabe, bei der Schweriner Polizei zuständig für Verkehrsprävention, kennt diese verhaltene Reaktion. Rücksicht oder Empathie werden zumindest nicht so laut geäußert wie Ärger und Schuldzuweisungen. „Schon bei der Podiumsdiskussion vor wenigen Wochen im Rathaus ist mir aufgefallen, dass viele nur ihren Blickwinkel vertreten. Sie sind nicht unbedingt gewillt, auch mal die Perspektive zu wechseln und sich in die Rolle des Radfahrers, Fußgängers oder Autofahrers hineinzuversetzen“, sagt die Polizeibeamtin. Genau diesen Blick über den eigenen Tellerrand empfiehlt sie aber allen Verkehrsteilnehmern – und bringt das schon den Schweriner Grundschülern bei. „Vor wenigen Tagen haben wir in unserem Verkehrsgarten die letzten Fahrradprüfungen für dieses Schuljahr abgenommen. Den Viertklässlern sagen wir jedes Mal: Rücksicht zu nehmen ist ganz wichtig“, erklärt Jenny Schwabe. „Ein Aha-Erlebnis ist für die Kinder meistens, wenn ich ihnen den toten Winkel an einem Fahrzeug erkläre. Da wird ihnen zum ersten Mal bewusst, dass es wirklich Momente gibt, in denen ein Verkehrsteilnehmer den anderen gar nicht sehen kann.“

Genau deshalb rate sie Schülern, Lehrern und Eltern: Lieber mal auf ein Vorrecht verzichten und immer daran denken, dass man selbst auch einmal unkonzentriert ist oder Fehler macht. Kinder sollten übrigens frühestens mit zehn Jahren allein auf dem Rad unterwegs sein – in diesem Alter üben sie auch an Schweriner Schulen für den Fahrradführerschein. Schwabe: „Früher können sie die vielen Regeln und Zusammenhänge nicht begreifen.“

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