Stralendorf : Obstbauer mit einer windigen Idee

Wie aus dem Bilderbuch: Derzeit zeigen sich die Obstbäume von Walter Strube von ihrer besten Seite.
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Wie aus dem Bilderbuch: Derzeit zeigen sich die Obstbäume von Walter Strube von ihrer besten Seite.

Walter Strube blickt zuversichtlich auf die Erntezeit – doch zu seinem Glück fehlen nur noch Windräder.

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16. Mai 2018, 05:00 Uhr

Es sind blühende Landschaften, die Walter Strube umgeben. Der Stralendorfer Obstbauer steht zwischen seinen Sauerkirschbäumen. „Es scheint eine gute Ernte zu werden. Frost ist nicht mehr in Sicht, und es summt auch fleißig“, sagt er und schreitet in Richtung Plantagen-Rand. Nicht nur hunderte Süß- und Sauerkirschbäume stehen auf dem Areal an der Stralendorfer Ortsgrenze, sondern auch ein Bienenwagen. Mehr als 150 Völker nennt Walter Strube sein Eigen: „Meine wichtigsten Mitarbeiterinnen. Wenn sie nichts tun, können wir nichts verarbeiten.“

Im vergangenen Jahr hat der Obstbauer 120 Völker verloren. Warum? Genau kann er es nicht sagen. „Eigentlich fliegen sie Anfang des Jahres einmal raus, um sich zu entleeren. Das haben sie 2017 erstmals im April gemacht, haben dann aber nicht wieder zurückgefunden“, lautet Strubes Vermutung. In diesem Jahr sehe es besser aus. Doch nicht nur die gezüchteten Bestäuberinnen sind auf seinen Plantagen zu Hause. „Wir brauchen auch die Wildbiene. Und sie ist da.“ Allerdings haben Strubes Obstbäume auch reichlich Konkurrenten. In sattem Gelb recken diese ihre Köpfe dem sommerlich blauem Himmel entgegen: „Die Bienen sitzen eher auf der Butterblume als auf der Kirschblüte. Deshalb muss der Löwenzahn regelmäßig kurz gemäht werden“, erklärt der Fachmann. Doch die Bienen seien nur die halbe Miete. Regelmäßig setzten die Mitarbeiter von Walter Strube die Astschere an.

Aber auch all das befreie ihn nicht davon, Pflanzenschutzmittel auszubringen. „Wir kommen ja auch nicht ohne Medizin aus. Und das, was wir ausbringen, ist strengstens kontrolliert“, sagt Walter Strube. Um zu wissen, was er tun oder ausbringen muss, kontrolliert er zunächst die Bäume mit dem Vergrößerungsglas. Zusätzlich werden Schnittproben ins Labor der Lufa gegeben. Dort wird genau kontrolliert, ob Schädlinge ihre Eier abgelegt haben.

Ist es feucht und warm, werden Pilze zum Problem. Noch sei das nicht der Fall. Jedoch hat Walter Strube in der Vergangenheit eine andere Methode entdeckt, die helfen könnte, den Pilzbefall in seinen Plantagen zu mindern. „Windkraftanlagen beeinflussen das Mikroklima positiv“, lautet seine Theorie. Denn in direkter Nachbarschaft zur Stub’schen Obstbaumplantage in Ruthen bei Lübz stehen mehrere Windkrafträder. Und der Einsatz von Mitteln gegen Pilzkrankheiten bei Pflanzen sei laut Strube um 60 Prozent geringer als noch vor dem Aufbau des Windparks sowie im Vergleich zu den anderen Standorten. „Durch die Luftverwirbelung wird beispielsweise morgens die kalte Luft nach oben und warme nach unten geleitet. Das lokale Mikroklima erwärmt sich, die Blätter trocknen schneller ab“, erklärt er. Wissenschaftliche Belege habe Strube keine. „Ich sehe das nicht allein so. Auch Landwirte haben mir das bestätigt“, sagt er und bietet an, seine Aufzeichnungen zur Verfügung zu stellen. Walter Strube würde sich freuen, wenn sich Studenten dem Thema widmen. „Ich bin kein Windbauer. Mir geht es allein um die Pflanzen“, betont er.

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