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Tempo 30 kommt testweise : Obotritenring: Wo rollen die Radler?

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Tempo 30 auf dem Obotritenring: Die Testphase ist beschlossene Sache. Doch wann es tatsächlich losgeht, ist noch offen. Die Ergebnisse des Fahrradforums liegen vor, ebenso die Vorschläge der städtischen Verkehrsplaner.

svz.de von
erstellt am 23.Aug.2012 | 11:05 Uhr

Schwerin | Tempo 30 auf dem Obotritenring: Die Testphase ist beschlossene Sache. Doch wann es tatsächlich losgeht, ist noch offen. Die Ergebnisse des Fahrradforums liegen vor, ebenso die Vorschläge der städtischen Verkehrsplaner. Aber eine Zustimmung der Stadtpolitik steht noch aus. "Wir hoffen, in den kommenden zwei Wochen Einvernehmen zu erzielen", sagt Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff auf SVZ-Anfrage. Erst danach könne der Start des Versuchs projekts Tempo 30 auf dem Obotritenring mit einem konkreten Termin versehen werden.

An einem weiteren Problem arbeite die Verwaltung bereits: die Neutaktung der Ampeln auf dem Obo tritenring. Durch die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit von maximal 50 Kilometer pro Stunde auf künftig höchstens 30 müssten die Grünphasen so angepasst werden, dass ein kontinuierlicher Verkehrsfluss gewährleistet wird. Keine leichte Aufgabe: Allein die Kreuzung Obotritenring, Wittenburger Straße ist eine der meist befahrenen der Landeshauptstadt.

Streitpunkt im Radfahrerverkehr ist die Wegeführung. Dass die Fahrräder auf die Straße müssen, weil der kombinierte Geh- und Radweg einfach nicht genügend Platz bietet, ist Konsens. Doch wie können die Radler auf dem Obotritenring trotzdem sicher rollen? Hintergrund des Streits: Wenn der Fahrradstreifen eine Breite von 1,25 Meter in Anspruch nimmt und die äußere, linke Fahrbahn mit 2,75 Meter berechnet ist, hat die rechte Fahrspur nur noch zwei Meter Platz. Das Problem: Allein die Busse des Nahverkehrs haben eine Breite von 2,20 Meter. Alternativ sollen nur zwei Autospuren ausgewiesen werden - aber kein durchgängiger Radstreifen. Der werde erst vor Ampeln nötig. Unklar ist allerdings, wie weit vorher. Fachleute und Politik diskutieren zurzeit Längenangaben zwischen zehn und fünfzig Meter vor der Kreuzung für den Beginn der Markierung.

Dabei ist nach aktuellen Verkehrszählungen der Radverkehr auf dem Obotritenring alles andere als dominierend. Bis zu 28 000 Fahrzeuge nutzen täglich die Verkehrstrasse. Lediglich vier Prozent davon sind Radfahrer. Am 12. und 13. April wurden Querschnittzählungen des Fuß- und Radverkehrs am Obotritenring vorgenommen. In den insgesamt 13 Stunden wurden 1146 Personen erfasst - 742 Fußgänger (65 Prozent) und 404 Radfahrer (35 Prozent).

Im Vorfeld der versuchsweisen Anordnung von Tempo 30 auf dem Obo tritenring hatte die Stadt zudem eine Anwohnerbefragung zur Wohnzufriedenheit am Obotritenring und in der Robert-Beltz-Straße durchgeführt. Fast jeder zweite Anwohner machte mit. Dabei ging es vor allem um die störenden Einflüsse in ihrem Wohnumfeld: Lärm, Erschütterungen, Luftverschmutzung. Die Befragung ergab, dass sich 81,7 Prozent der antwortenden Haushalte (421 von 515) durch mindestens eine verkehrsbedingte Störungen beeinträchtigt fühlen. Im gesamten Obotritenring benannten 59,8 Prozent der Befragten die Luftverschmutzung als größte Störung. Direkt dahinter rangiert Lärm mit 57,5 Prozent. Durch Erschütterungen fühlen sich 49,9 Prozent genervt. Die Anwohner der Robert-Beltz-Straße benannten alle drei Störungsarten gleichermaßen mit annährend 50 Prozent. Kein Wunder also, dass letztlich 54 Prozent der Befragten für eine Dauerlösung Tempo 30 auf dem Obotritenring votierten.

Der Tempo-30-Versuch auf dem Obotritenring ist laut Beschluss der Stadtvertreter auf zwei Jahre angelegt. Dann soll es eine Auswertung geben und über die fortan geltende Höchstgeschwindigkeit neu befunden werden. Zwischenzeitlich hatten Spitzenpolitiker der SPD im Bund erklärt, im Falle ihres Wahlsieges in Städten generell Tempo 30 einführen zu wollen. Die Schweriner Jusos hatten das begrüßt.

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