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Verschiebung des umstrittenen Schweriner Verkehrsprojektes : Obotritenring: Tempo 30 erst im April

vom

Mit Tempo 30 auf dem Schweriner Obotritenring scheint es in diesem Jahr nichts mehr zu werden. Die vieldiskutierte Testphase will die Stadt erst im Frühjahr 2013 starten. Das teilte die Pressestelle uns auf Anfrage mit.

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2012 | 08:08 Uhr

Schwerin | Mit Tempo 30 auf dem Obotritenring scheint es in diesem Jahr nichts mehr zu werden. Die viel diskutierte Testphase will die Stadtverwaltung erst im Frühjahr 2013 starten. Das teilte die Pressestelle jetzt auf SVZ-Anfrage mit. Grund für die Verschiebung sei unter anderem der Antrag der CDU/FDP-Fraktion, der sich gegen neue Radwegemarkierungen ausspricht. "Die Verlegung des Fahrradverkehrs auf die Fahrbahn wurde nicht beschlossen und ist während der Testphase nicht zielführend. Wir wollen am Ende ein unverfälschtes Testergebnis bekommen, ansonsten ist der Test eine Farce", sagte CDU-Stadtvertreter Gert Rudolf. Außerdem sei eine Anpassung der Ampelanlagen notwendig, die bis zu zwölf Wochen in Anspruch nehmen würde, so die Verwaltung. Dann wäre es Winter. "Da dieser Zeitpunkt dafür außerordentlich schlecht ist und mit Sicherheit auch noch Markierungsarbeiten vorgenommen werden müssen, die witterungsbedingt erst wieder ab April möglich sind, wird im Frühjahr mit dem Beginn des Modellversuchs gerechnet", sagt Dr. Bernd-Rolf Smerdka, Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement.

Wie sinnvoll die Geschwindigkeitsreduzierung auf dem innerstädtischen Ring ist, darüber diskutierten jetzt auch Verkehrs-Experten von nationalem Rang, die auf Einladung der Landesverkehrswacht ins Schleswig-Holstein-Haus gekommen waren. Ein klares Ja oder Nein zu "30 auf dem Obotritenring" war ihnen allerdings nicht zu entlocken. Verkehrswacht-Präsident und SPD-Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Hacker steht jedenfalls klar hinter dem Plan seiner Fraktion bundesweit und per Gesetz Tempo 30 in den Städten als Regelgeschwindigkeit festzusetzen. Soll auf Straßen in diesem Bereich schneller gefahren werden, braucht es eine gute Begründung, die auch vor Gericht standhält. Die aktuelle Praxis ist übrigens anders herum: Grundsätzlich darf innerorts 50 gefahren werden, eine Begründung braucht es für Tempo 30.

59 Prozent aller Unfälle in MV ereignen sich innerorts, so Hacker in seiner Begründung. Und: Springt ein Kind unerwartet auf die Straße, kann der Unterschied zwischen Tempo 30 und Tempo 50 über Leben und Tod entscheiden. Während der langsamere Wagen bereits steht, steckt der Fahrer des schnelleren Auto noch in der Reaktionszeit und hat nicht mal die Bremse getreten, rechnete Siegfried Brockmann vor. Er ist Unfallforscher der Versicherer, aber trotzdem nicht uneingeschränkter Befürworter von Tempo 30 in der ganzen Stadt: "Ich bin für eine intelligente Planung, die auch Wege zulässt, auf denen der Verkehr zügig abgewickelt wird." Seine Einschätzung nach einem Selbstversuch auf dem Obotritenring: "Die Straße lädt von der ganzen Gestaltung ein, sogar schneller als 50 zu fahren. Ich habe auch keinen größeren Radfahrer- oder Fußgängerverkehr wahrgenommen, der eine Temporeduzierung aus Sicherheitsgründen einleuchtend erscheinen lässt." Auf einer gut zu befahrenden Straße einfach Tempo-30-Schilder aufzustellen und zu hoffen, dass sich Autofahrer daran halten, sei aus seinen Erfahrungen illusorisch. Die Straße müsse umgebaut und langsamer gemacht werden. Sein Fazit: "Entweder man hat das Geld für eine komplette Umrüstung oder man lässt es bleiben." Auch Prof. Herbert Staadt von der Fachhochschule Potsdam, betonte, dass das Straßenumfeld entscheidend für die Geschwindigkeit sei, die ein Autofahrer übrigens ganz automatisch und nicht nach längeren Vernunftsentscheidungen wählt.

Volker Rumstich von der gleichnamigen Transport GmbH führte schließlich ein weiteres Argument ins Feld: Stress für Brummi-Fahrer und kleine Lieferbetriebe. Die Branche sei schon heute enormem Zeitdruck ausgesetzt, mehr Tempo-30-Zonen würden die Lage verschärfen.

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