Schwerin : Obotritenring: Stadt bereitet Tempo 30 vor

<strong>Auf dem Obotritenring</strong> soll testweise Tempo 30 eingeführt werden. Dafür wurden die Fahrbahnen schon neu markiert. Doch gerade der Fahrradstreifen ist umstritten.<foto>kawi</foto>
Auf dem Obotritenring soll testweise Tempo 30 eingeführt werden. Dafür wurden die Fahrbahnen schon neu markiert. Doch gerade der Fahrradstreifen ist umstritten.kawi

Der Start des Versuchsprojekts Tempo 30 auf dem Obotritenring in Schwerin verzögert sich noch. Eines der Hauptprobleme ist die Neutaktung der Ampeln. Ein weiteres Problem ist die Führung des Fahrradverkehrs.

svz.de von
16. Juli 2012, 08:16 Uhr

Schwerin | Der Start des Versuchsprojekts Tempo 30 auf dem Obotritenring verzögert sich noch. In diesem Monat sei aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr mit der Tempo-Reduzierung auf Schwerins wichtigster innerstädtischer Verkehrsachse zu rechnen. Das bestätigt Baudezernent Dr. Wolfram Frieders dorff jetzt auf Anfrage unserer Zeitung.

Eines der Hauptprobleme sei die Neutaktung der Ampeln auf dem Obotritenring. Durch die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit von maximal 50 Kilometer pro Stunde auf künftig höchstens 30 müssten die Grünphasen so angepasst werden, dass ein kontinuierlicher Verkehrsfluss gewährleistet werde. Daran würden Fachleute derzeit unter Hochdruck arbeiten, sagt Friedersdorff. Keine leichte Aufgabe: Allein die Kreuzung Obotritenring, Wittenburger Straße ist eine der meist befahrenen der Landeshauptstadt.

Ein weiteres Problem ist die Führung des Fahrradverkehrs. Für Baudezernent Dr. Friedersdorff steht es außer Frage, dass der kombinierte Geh- und Radweg so wie bisher Geschichte sein muss. "Er ist nicht breit genug dafür", sagt Frie ders dorff. Wenn jedoch die Radfahrer ebenfalls die Fahrbahn nutzen sollen, muss ihnen dafür eine ausreichende Sicherheit gewährt werden. Die Idee der behördlichen Verkehrsplaner, einen durchgängigen Fahrradstreifen auf dem Obotritenring einzurichten, stieß bei der Politik auf wenig Gegenliebe. Vor allem die Fraktionen der CDU/FDP und SPD-Grüne fürchten dadurch den Verlust der vier Fahrspuren - und damit Einbußen im fließenden Verkehr. Die Argumentation der Stadt, dass es die zwei Spuren je Fahrtrichtung ja noch gäbe, diese nur nicht separat ausgezeichnet seien, wollen die Stadtvertreter bislang nicht gelten lassen.

Hintergrund des Streits: Wenn der Fahrradstreifen eine Breite von 1,25 Meter in Anspruch nimmt und die äußere, linke Fahrbahn mit 2,75 Meter berechnet ist, hat die rechte Fahrspur nur noch zwei Meter Platz. Das Problem: Allein die Busse des Nahverkehrs haben eine Breite von 2,20 Meter. Wären alle drei Fahrspuren gekennzeichnet, müssten Busse und Lkw dauerhaft entweder auf dem neuen Radweg oder teilweise mit auf der linken Fahrspur rollen. Daher hatte die Stadt bislang den Mittelstrich abgelehnt.

Inzwischen scheint sich ein Kompromiss abzuzeichnen. So sollen beide Autospuren ausgewiesen werden - aber kein durchgängiger Radstreifen. Der werde erst vor Ampeln nötig. Unklar ist allerdings, wie weit vorher. Fachleute und Politik diskutieren zurzeit Längenangaben zwischen zehn und fünfzig Meter vor der Kreuzung für den Beginn der Markierung.

Dass dieser Schutzstreifen notwendig ist, darüber gibt es laut Baudezernent Friedersdorff Konsens. Denn vor allem das Problem des nach links abbiegenden Radfahrers müsse gelöst werden. Er soll nämlich nicht wie bislang mit ausgestrecktem Arm vor einer Kreuzung die gesamte Fahrbahnbreite queren. Das berge einerseits schon ein erhebliches Risiko. Andererseits gingen Verkehrsplaner deutschlandweit davon aus, dass bei Ampel-Grün der Radfahrer die Kreuzung dann ebenso schnell in Richtung Linksabbieger verlassen könne, wie andere Verkehrsteilnehmer. "Das ist aber nicht realistisch", sagt Friedersdorff.

Für die Radfahrer allerdings die Abbiegephasen zu verlängern, sei kompliziert. Deshalb werde eine neue Idee gegenwärtig beraten: Der nach links orientierte Radfahrer ordnet sich nicht links ein, sondern bleibt rechts auf dem für ihn im Kreuzungsbereich eingerichteten Schutzstreifen. Bekommt er Grün, quert er die Fahrbahn in der Geradeaus-Richtung und ordnet sich anschließend in der rechten Kreuzungseinmündung in umgekehrte Fahrtrichtung ein. So stehe er - erneut auf dem Fahrradstreifen - an der Ampel mit Blick in die von ihm gewünschte Fahrtrichtung.

Der Tempo-30-Versuch auf dem Obotritenring ist laut Beschluss der Stadtvertreter auf zwei Jahre angelegt. Dann soll es eine Auswertung geben und über die fortan geltende Höchstgeschwindigkeit neu befunden werden. Zwischenzeitlich hatten Spitzenpolitiker der SPD im Bund erklärt, im Falle ihres Wahlsieges in Städten generell Tempo 30 einführen zu wollen. Die Schwerins Jusos hatten das begrüßt.

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