Verkehrsberuhigung in Schwerin : OB kämpft für Zebrastreifen

Kaum ein Auto hält an: Passanten müssen häufig länger warten, um die Straße am Dreescher Markt überqueren zu können. Deshalb fordern sie seit Langem einen Zebrastreifen.
Kaum ein Auto hält an: Passanten müssen häufig länger warten, um die Straße am Dreescher Markt überqueren zu können. Deshalb fordern sie seit Langem einen Zebrastreifen.

Rico Badenschier will sein Wahlkampfversprechen für den Dreescher Markt verwirklichen und bereitet jetzt neuen Antrag beim Land vor

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27. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Manch ein Politiker erinnert sich nach der Wahl nicht mehr an seine Versprechen vor der Wahl. Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier ist da anders. Noch bevor er wirklich das Amt des Verwaltungschefs erobert hatte, nannte er bereits ein für ihn wichtiges politisches Ziel: einen Zebrastreifen am Dreescher Markt. Das haben viele belächelt. Das geht nicht, hieß es. In einer Tempo-30-Zone sind Zebrastreifen nicht nur völlig unnötig, sondern auch nicht erlaubt, argumentierten sie.

Doch der vermeintliche Laie Badenschier ließ nicht locker. Er las sich ins Thema ein, fragte nach und hakte nach. Denn schließlich hatten ihm zahlreiche vor allem ältere Dreescher immer wieder verdeutlicht, wie wichtig der Zebrastreifen für sie wäre. Auf beiden Seiten der Bernhard-Schwentner-Straße befinden sich Arztpraxen. Auch wenn an dieser Stelle glücklicherweise noch kein schwerer Unfall passiert ist, seien viele Senioren stets in großer Sorge, die Straße zu queren, berichten sie. Trotz der Aufpflasterung der Straße würden sich zahlreiche Autofahrer nicht an die vorgeschriebenen 30 Kilometer pro Stunde halten.

Und der Oberbürgermeister entdeckte in den Vorschriften, dass es dort heißt, ein Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen sollte nicht eingerichtet werden. „Da steht nichts von ,darf nicht‘ oder ,kann nicht‘“, so Badenschier im SVZ-Gespräch. Deshalb werde er sich weiter eifrig dafür einsetzen, dass der Zebrastreifen komme, so der Oberbürgermeister. Eventuell müsse die Bushaltestelle ein kleines Stück verlegt werden, sagt er. Das werde aber noch geprüft.

Doch es gibt noch ein weiteres Hindernis, erklärt Baudezernent Bernd Nottebaum auf SVZ-Nachfrage. „Die obere Verkehrsbehörde des Landes hat in einem Schreiben deutlich gemacht, dass sie keine Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen haben möchte“, berichtet der Baudezernent. Das sei quasi wie eine Anordnung. Aber auch das will der Oberbürgermeister nicht als Ende seiner Bemühungen akzeptieren.

Nach einem Gespräch mit Infrastrukturminister Christian Pegel werde die Stadt jetzt am Dreescher Markt noch einmal eine Verkehrszählung durchführen. Gleiches soll an der Kita in der Hagenower Straße und am Edeka Lessingstraße erfolgen. Denn es ist nahezu unglaublich: Vor acht Jahren wurde der Zebrastreifen am Dreescher Markt nicht etwa vom Land abgelehnt, weil er unnötig sei, hat OB Badenschier in Erfahrung gebracht. Vielmehr gab es damals so viel Verkehr, dass das Land eher für eine Ampel plädierte. Neue Zählungen sollen nun als Entscheidungshilfe dienen.

Auch wenn der Ausgang noch offen ist: Viele Dreescher Senioren wird es freuen, wie ernst ihr langjähriger Wunsch endlich genommen wird.

Kommentar: Amtsschimmel auf Abwegen

Viele Schweriner wollen mehr Sicherheit am Dreescher Markt. Auch Stadtvertreter befürworten die Einrichtung eines Zebrastreifens. Doch es gibt keine gesicherte Querung, weil – es ist kaum zu glauben – in der Amtstube der städtischen Verkehrsplaner offenbar beschlossen wurde, dass nichts passiert. Die Ausrede, das Land sei dagegen, entpuppt sich nun schlicht als falsch. Vielmehr hatte das Land den Bau einer Ampel empfohlen. Doch davon erfuhren weder Bürger noch Politiker etwas. Der Amtsschimmel im Baudezernat gehört endlich an die Kandare genommen.
 

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