Schicksalsschlag für Schweriner Familie : „Nur wer kämpft, weiß, was Leben ist“

Glücklich trotz vieler Schicksalsschläge: Maik Karberg, Leonie-Marie und Sanela Zahirovic.
Glücklich trotz vieler Schicksalsschläge: Maik Karberg, Leonie-Marie und Sanela Zahirovic.

Der schwer kranken Leonie-Marie wurde ihr Sprachcomputer gestohlen, doch die Familie lässt sich nicht unterkriegen

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28. Juni 2016, 05:00 Uhr

Er sah aus wie ein normales iPad, war aber ein teurer Sprachcomputer, der der elfjährigen Leonie-Marie eine neue Welt eröffnete. Das Mädchen drückte auf kleine Bilder auf dem Bildschirm, der Computer machte daraus Sätze und sprach sie auch. Viel deutlicher als Leonie-Marie das kann. Das kranke Kind blühte auf. Vor wenigen Tagen dann der Schock: Offenbar in der Schule wurde der Sprachcomputer gestohlen.

„Die Krankenkasse stellt uns einen neuen, aber wir sollen für den Verlust des alten aufkommen. Der kostet aber 5000 Euro und die haben wir nicht“, sagt Sanela Zahirovic, die Mutter von Leonie-Marie, die sich in ihrer Not an die SVZ wandte. „Wir wissen auch noch nicht, ob eine Versicherung dafür aufkommt.“ Ihr Lebengefährte Maik Karberg findet, so ein Diebstahl sei „ein Skandal“. Beide haben ein wenig Hoffnung, dass sich der Dieb das teure Gerät vielleicht doch noch zurückgibt oder die Krankenkasse mit sich handeln lässt. „Aber die hat schon viele von Leonies Behandlungen bezahlt“, sagt Sanela Zahirovic dankbar. Können Schweriner helfen?

Leonies Krankengeschichte beginnt schon im Mutterleib. „Sie wuchs nicht richtig“, sagt Sanela Zahirovic, selbst gelernte Kinderkrankenschwester. Leonie-Marie ist ihr zweites Kind und kam sechs Wochen zu früh zur Welt. Leonie-Marie wurde schnell Dauergast bei Ärzten. „Sie wollte nicht krabbeln, nicht sprechen“, erinnert sich die Mama. „Laufen lernte sie erst mit drei oder vier Jahren.“ Ärzte konnten sich das nicht erklären. „Sie hatten viele Sachen im Verdacht, aber nichts bestätigte sich, Leonie konnte nicht geheilt werden.“ Skoliose und Muskelschwäche führten dazu, dass Leonie manchmal im Rollstuhl fahren muss. Auch Fieberschübe und starke Schmerzen gerade in der Nacht gehören heute zum Alltag. „Im vergangenen halben Jahr war Leonie dreimal im Krankenhaus und hat fast 80 Fehltage in der Schule“, sagt ihre Mutter. Sie sitzt nachts oft am Bett ihrer Tochter, tröstet und hilft, verzagt aber nie. An Berufstätigkeit sei für sie zurzeit allerdings nicht zu denken, sagt Sanela Zahirovic. „Leonie hat mein Leben ordentlich umgekrempelt. Mit einem kranken Kind sieht man vieles plötzlich ganz anders.“

Seit anderthalb Jahren nimmt ihre Tochter teil an einem Forschungsprojekt in Köln, berichtet sie. Die Mediziner hätten bei der Elfjährigen inzwischen zahlreiche Gendefekte festgestellt. Leonie-Marie wurde außerdem mit grauem Star geboren. Das kleine Mädchen hat ein großes Päckchen zu tragen, aber wenn sie neben ihrer Mutter am Esstisch sitzt, strahlt sie wie der Sonnenschein. Selbst wenn sie kaum zu verstehen ist, versucht sie mitzumachen bei der Unterhaltung. Leonie-Maries Mama will sich nicht unterkriegen lassen. Nicht durch die schwere Krankheit ihrer Tochter und auch nicht durch den gemeinen Diebstahl. „Aufgeben gibt es bei mir nicht“, sagt sie und lächelt.

Sanela Zahirovic ist gebürtige Deutsche, ihre Eltern stammen aus Kroatien. In Schwerin lebt sie erst seit drei Jahren. Hierher kam sie, weil sie sich nach einer schweren Trennung noch einmal neu verliebte. In einen waschechten Mecklenburger. Der Witwer brachte zwei Kinder mit in die neue Beziehung, Sanela Zahirovic hatte vier Kinder – jetzt haben die beiden noch eine gemeinsame Tochter. 19 Monate alt und das ganze Glück der Eltern. Das Paar bewohnt mit seinen immerhin sieben Kindern gleich zwei Wohnungen nebeneinander. Eine „lustige Patchworkfamilie“ nennt Sanela Zahirovic das. Was sie auszeichnet: Sie können auch aus den kleinen Dingen des Lebens viel Glück und Mut schöpfen. Mittags beispielsweise kocht Mama ganz klassisch für die ganze Familie, die Abende verbringen alle meistens gemeinsam – beim Fernsehen, auf dem Balkon, beim Spielen. Maik Karberg mag die Ruhe am Waldrand und die gute Luft im Mueßer Holz, zum Strand und in den Zoo ist es nicht weit. „Wir leben und lieben das Prinzip Großfamilie“, sagt Sanela Zahirovic. „Trotz aller Sorgen und Schicksalsschläge denke ich oft: Wenn ich noch mal von vorne anfangen dürfte, würde ich alles ganz genauso machen. Nur wer kämpft, der weiß auch, was Leben ist.“


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