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Zeitung für die Landeshauptstadt

16. Dezember 2017 | 00:40 Uhr

Burkini : Nur verhüllt ins kühle Nass

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auch Muslima wollen die Schwimmhalle auf dem Dreesch nutzen, doch dazu müssen erst Voraussetzungen geschaffen werden

von
erstellt am 16.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Toben. Plantschen. Schwimmen. Für die Schweriner ganz normal. Einfach in die Umkleide. Raus aus den Sachen. Badehose oder Bikini an. Unter die Dusche. Und rein ins kühle Nass. Doch so einfach ist es nicht für alle. Denn: „Vor einigen Tagen wollten mehrere muslimische Frauen in unsere Schwimmhalle, doch da gibt es eine Menge zu bedenken“, berichtet Stefan Kuß, Leiter der Schwimmhalle auf dem Großen Dreesch.

„Ehrlich gesagt, haben wir vorher daran gar nicht gedacht“, gesteht Kuß. So dürfen männliche Bademeister keine Frau mit muslimischem Glauben aus dem Wasser retten. Nicht anfassen. „Es geht hier um eine Glaubensfrage. Aber wir können, wenn es zu einem solchen Fall kommen sollte, die Frau doch auch nicht ertrinken lassen“, sagt der Schwimmhallenleiter. Auch dürfen sie sich nicht vor anderen umziehen. Ebenso die Kinder. Und auch beim Schulsport stehe man vor einigen Herausforderungen. Ausländische Mädchen und Jungen dürfen erst am Schulschwimmen teilnehmen, wenn sie der deutschen Sprache mächtig sind. Dazu gebe es extra einen Erlass vom Land, berichtet er. Aber wie gehe man nun am besten vor?

Ein Anfang ist bereits gemacht. „Die Baderegeln wurden schon ins Arabische übersetzt“, so Kuß. Sie hängen im Eingangsbereich der Halle aus. Und in Kürze wird es einen weiteren Hinweis an der Kasse geben. „Den Text haben wir bereits auf Deutsch, er muss noch übersetzt werden und dann kommt er auf den Tresen an der Kasse“, erklärt der Schwimmhallenleiter. Auf dem Infoblatt sollen die arabischstämmigen Badegäste darüber informiert werden, dass mit dem Betreten der Halle automatisch das Einverständnis vorliegt, im Notfall auch von männlichem Personal gerettet zu werden. Und das die Nutzung der Schwimmhalle nur in Badebekleidung gestattet ist. „Wir wollen sicher stellen, dass wir im Notfall eingreifen dürfen. Und ich muss natürlich auch mein Personal schützen – kommt es dazu, muss es vorher geklärt sein, man kann nicht lange überlegen“, so Stefan Kuß.

Eins ist ihm aber dennoch wichtig: „In unserer Schwimmhalle wird jede Religion respektiert und willkommen geheißen.“ Es sei nur erstmal eine Umstellung. Viel zu bedenken. Und eben neu für uns alle, so sagt er. „Ein Anfang ist nun getan – der Rest wird sich einspielen“, sagt der Schwimmhallenleiter und lächelt zuversichtlich.

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