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Schwerinerin braucht Hilfe : Nur nicht unterkriegen lassen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Leonie Völkners Bein wird mit einer komplizierten Behandlung verlängert: Kurz vor dem Ziel gibt es Rückschläge und kleine Freuden

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erstellt am 21.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Einmal am Tag zieht Leonie Völkner ihren rechten Oberschenkelknochen auseinander. Um einen ganzen Millimeter. Im Inneren ihres Beines befindet sich ein Marknagel aus Titan, der sich teleskopartig verlängern lässt. Das passiert immer, wenn sie ein Steuerungsgerät mit zwei rotierenden Magneten auf eine genau gekennzeichnete Stelle auf ihren Oberschenkel legt und anstellt. Das Gerät macht merkwürdige Geräusche und am besten sollten sich keine Handys im Umkreis von drei Metern befinden, erklärt Leonie. Sieben Minuten muss sie das Gerät auf ihr Bein und dabei einen Knopf gedrückt halten. 4,5 Zentimeter muss sie so schaffen.

Im Februar ließ sich die 14-jährige Leonie in der Uniklinik Münster den Oberschenkel brechen und den Nagel implantieren. Am 2. April sollte die schmerzhafte tägliche Prozedur eigentlich beendet sein. Doch das wird wohl nicht klappen: Der Nagel arbeitet nicht richtig, stellten die Ärzte nach einem Monat fest. Not-OP in Münster, alles auf Anfang. Die Familie war am Rand der Verzweiflung. Nach fast vier Jahren Behandlungszeit, so kurz vor dem Ziel, kam so ein Rückschlag. Doch die Völkners lassen sich nicht unterkriegen.

Fast vier Jahre Behandlungszeit, fünf geplante Beinbrüche, lange Krankenhausaufenthalte und viele durchwachte Nächte liegen hinter der ganzen Familie. Leonie bekam ihren ersten Gips schon kurz nach der Geburt. Mit dem rechten Bein stimmte einiges nicht. Die Ärzte sagten voraus, dass es im Erwachsenenalter etwa elf Zentimeter kürzer sein würde als das linke (SVZ berichtete). Als Leonie elf Jahre alt war, begannen die großen Eingriffe, die dem entgegenwirken sollten. Die Eltern hatten sich gemeinsam mit der Tochter zu der langen Behandlung entschlossen.

Die Wohnung, das Auto, die Schule, ihre Arbeitszeiten – fast das ganze Leben haben Völkners auf das Großprojekt Beinverlängerung eingerichtet, das von der Uniklinik Münster begleitet wird. Dabei haben sie diverse Hürden genommen, aber auch Hilfe und Freundschaft erlebt. Den Weg nach Nordrhein-Westfalen sind sie unzählige Male gefahren, haben ihre Tochter nie allein gelassen in der Klinik.

Als sie Ende Februar von der letzten großen Operation nach Hause in die Möllner Straße kamen, erwartete sie eine echte Überraschung: „Vor unserem Eingang gab es neben der Treppe plötzliche eine Rampe“, erzählt Silke Völkner. „Leonie ist oft mit dem Rollstuhl unterwegs und bislang mussten wir vor der Haustür immer durchs Gras fahren. Was in der nassen Jahreszeit nicht angenehm ist, zumal wir nur einen Rollstuhl haben. Den benutzt Leonie auch in der Wohnung.“ Silke Völkner freut sich über diese Aktion ihres Vermieters, der SWG. Bis zu so viel „Komfort“ war es indes ein weiter Weg. Anfangs wohnte die Familie im fünften Stock. Nach Leonies erster Operation, bei der ein Außenfixateur und 24 Nägel angebracht wurden, musste sie bei Bekannten im behindertengerechten Bad duschen, Männer vom Krankenbeförderungsunternehmen trugen sie täglich die Treppen hinunter und hinauf, damit Leonie die Schule besuchen konnte. Inzwischen wohnen die Völkners in einer behindertengerechten Wohnung im Hochparterre. Aus der kleinen Leonie ist ein Teenager geworden mit konkreten Zukunftsplänen: Fachabitur machen und dann eine Ausbildung im Stadthaus.

Bis der nachgewachsene Knochen ausgehärtet ist, wird es Monate dauern. Was Leonie jetzt und später braucht, ist Krankengymnastik. Doch einen Therapeuten, der nach Hause kommt, hat die Familie noch nicht gefunden. Die Praxen seien übervoll, hört Mutter Silke am Telefon. Aber auch hier gilt: Die Völkners lassen sich nicht unterkriegen. Und Hilfe kommt oft überraschend.

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